Diskordanz
In der Geologie bezeichnet eine Diskordanz eine Unterbrechung der kontinuierlichen Ablagerung von Gesteinsschichten, die durch eine zeitliche Lücke oder durch eine tektonische Störung entstanden ist.
Bedeutung der Diskordanz
Diskordanzen im Kalkstein dokumentieren Veränderungen in der geologischen Geschichte, wie Meeresspiegelschwankungen, tektonische Bewegungen oder klimatische Veränderungen. Sie sind damit wichtige Marker für die geologische Kartierung und die Rekonstruktion paläogeographischer Prozesse.
Arten von Diskordanz
Bei Kalkstein, einem sedimentären Gestein, kann eine Diskordanz auf verschiedene Arten auftreten:
1. Winkeldiskordanz
Definition: Die Schichten unterhalb der Diskordanz sind geneigt oder gefaltet, während die darüber liegenden Schichten flach oder in einem anderen Winkel abgelagert sind.
Entstehung: Dies entsteht durch tektonische Prozesse, wie Hebung und Erosion, die die älteren Kalkstein-Schichten deformieren und abtragen. Danach folgt eine Phase neuer Sedimentation.
Merkmale im Kalkstein: Unterschiedliche Neigungen der Schichtungen und mögliche Verwitterungsspuren an der erodierten Oberfläche.
2. Erosionsdiskordanz
Definition: Die obere Oberfläche des älteren Kalksteins wurde durch Erosion abgetragen, bevor jüngere Sedimente darauf abgelagert wurden.
Entstehung: Zeitweilige Absenkung des Meeresspiegels oder tektonische Hebung legen den Kalkstein frei, der anschließend erodiert wird.
Merkmale im Kalkstein: Unebene Grenzflächen mit Anzeichen von Verkarstung, wie Rillen, Spalten oder Höhlen.
3. Paralleldiskordanz
Definition: Die Schichten ober- und unterhalb der Diskordanz sind parallel, jedoch gibt es einen zeitlichen Bruch in der Ablagerungsgeschichte.
Entstehung: Eine Pause in der Sedimentation ohne große tektonische Deformation.
Merkmale im Kalkstein: Oft schwer zu erkennen, aber durch unterschiedliche Fossilien oder isotopische Altersbestimmungen identifizierbar.
4. Tektonische Diskordanz
Definition: Die Kalkstein-Schichten wurden durch Verwerfungen oder Überschiebungen deformiert.
Entstehung: Tektonische Kräfte verschieben ältere Schichten, bevor jüngere Sedimente darauf abgelagert werden.
Merkmale im Kalkstein: Bruchzonen, Versetzungen und gestörte Schichtenabfolgen.
Diskordanz im Harz
Die Diskordanz bei Blankenburg im Harz ist ein geologisch bedeutsames Phänomen, das einen interessanten Einblick in die tektonische und sedimentologische Entwicklung des Gebiets bietet. Sie beschreibt damit die Entwicklung des nördlichen Harzvorlands und der umliegenden Regionen.
Im Speziellen wird die Diskordanz hier als subherzynische Diskordanz bezeichnet. Diese bezeichnet die Unstetigkeit zwischen älteren Gesteinsschichten (meist aus dem Mesozoikum, wie Jura und Kreide) und jüngeren, fast horizontal liegenden Schichten des Tertiärs.
Entstehung der subherzynischen Diskordanz
1. Tektonische Phase:
Während der subherzynischen Faltungsphase (spätes Santonium, Oberkreide) kam es zur Aufwölbung und Hebung des Harzes. Diese Phase ist Teil der alpidischen Orogenese, die auch die Alpen und andere Gebirge Mitteleuropas prägte.
Dadurch wurden ältere Schichten gefaltet, gekippt oder sogar gebrochen.
2. Erosion
Die Hebung führte zu einer intensiven Abtragung der aufgewölbten Schichten. Es entstand eine Erosionsfläche, die als Grundlage für spätere Sedimente diente.
3. Jüngere Ablagerungen
Nach der tektonischen Aktivität wurde das Gebiet vom Meer überflutet oder von Flüssen und Seen bedeckt. Es lagerten sich flachliegende Sedimente des Tertiärs (Paleogen und Neogen) ab.
Diese Schichten überdecken die gefalteten und erodierten Kreideschichten diskordant.
Merkmale der subherzynischen Diskordanz
1. Die älteren Schichten der Kreidezeit (gefaltet und geneigt) stehen in einem deutlichen Winkel zu den horizontalen tertiären Ablagerungen.
2. Die Grenze zwischen den Schichten zeigt oft eine unregelmäßige Struktur, die auf die frühere Erosion hinweist.
3. Die Fossilien in den Schichten ober- und unterhalb der Diskordanz unterscheiden sich, was auf die zeitliche Lücke hindeutet.