Geologie vor Ort
Die Fossilien befinden sich auf dem Boden und zum Teil an den Wänden im gesamten Ausstellungsbereich, auf den Treppen und in den Toiletten. Der Zugang ist frei, da es sich um einen öffentlichen Informationsbereich zur Geschichte des Kaiser-Wilhelm-Denkmals handelt. Alles ist rollstuhlgerecht (Aufzug).
Bitte beachten: Öffnungszeiten sind Montag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr
Die Bodenplatten mit den Fossilien sind aus beigem Juramarmor, auch Treuchtlinger Marmor genannt. Es ist aber kein echter Marmor, denn Marmor enthält keine Fossilien. Deshalb wird der Kalkstein auf Hochglanz poliert und sieht dann wie Marmor aus. Im Volksmund wird er auch Jura-Marmor genannt.
Die Fossilien, die man besonders gut sehen kann, sind Ammoniten und Belemniten. Wenn man sich auf den Fossilienboden begibt, kann man bewundern, dass die fossilen Überreste ca. 350-400 Millionen Jahre alt sind.
Was sind die Ammoniten, Belemniten und Wurmröhren?
Ammoniten
Die Ammoniten sind eine ausgestorbene Unterklasse der Kopffüßer (Cephalopoda) und umfassen verschiedene fossile Ammonitenarten. Ein letzter überlebender Verwandter sind die Perlboote (Nautilidae), die heute noch im Pazifik leben; Nautilus und Ammoniten haben einen gemeinsamen Vorfahren. Die Ammoniten existierten vom Unterdevon (vor 417 Mio. Jahren) bis zum Ende der Kreidezeit (vor 65 Mio. Jahren).
An dem gefundenen Fossil erkennt man gut die Wohnkammer, in der das Tier saß, und in den inneren Windungen Gaskammern, die das Tier mit Gas oder Flüssigkeit füllen und so wie ein U-Boot im Meer auf- und absteigen konnte. Das Gehäuse ausgewachsener Tiere ist zwischen 1 und 30 cm groß. Der größte Ammonit der Welt ist 1,74 Meter lang und befindet sich im Museum in Münster.

Belemniten
Die Belemniten sind eine ausgestorbene Gruppe der Kopffüßer (Cephalopoda) und gehören zur Ordnung der Belemnoidea. Ihre fossilen Überreste, die oft als "Donnerkeile" bezeichnet werden, bestehen hauptsächlich aus dem festen Rostrum, einem konisch geformten harten Teil des inneren Skeletts. Die Belemniten existierten vom Unterkarbon (Mississippium) bis zum Ende der Kreidezeit, also von etwa 358 bis 66 Mio. Jahren.

Wurmröhren
Auch im Jurakalk finden sich band-, wurm- und ringförmige Strukturen. Allerdings spricht man auch von Schwämmen, Koprolithen u.a. Im Jura-Kalkstein sind jedoch meist Wurmröhren enthalten.
Die Wurmröhren wurden von den Tieren in den weichen Meeresboden gegraben und später mit dunklerem Sediment oder mineralischem Material gefüllt, das sich in Farbe und Zusammensetzung vom umgebenden Kalkstein unterschied. Im Laufe der Jahrmillionen verfestigte sich das Sediment und die Röhren blieben als fossile Strukturen erhalten. Solche Spuren, die zu den so genannten Thalassinoiden oder ähnlichen Spurenfossilien gehören, sind im Juramarmor recht häufig anzutreffen.
Es gibt mehrere typische Verzweigungsformen der Morphologie, von denen drei für diese Wurmröhren möglich sind:
- Thalassinoides: verzweigte Röhrensysteme (A)
- Skolithos: einfache, gerade Röhren (B)
- Chondrites: baumartige, feine Röhrennetzwerke (C)

Was sind Fossilien?
Das Wort leitet sich vom lateinischen „fossilis“ ab, was „ausgegraben“ bedeutet. Fossilien sind Spuren vergangenen erdgeschichtlichen Lebens, die älter als 10.000 Jahre sind. Solche erdgeschichtlichen Dokumente können einerseits körperliche Überreste von Lebewesen (Körperfossilien) sein, andererseits aber auch Nachweise ihrer Aktivität (Spurenfossilien).
Fossilien sind unterteilt in zwei Arten:
Körperfossilien
Körperfossilien sind die unmittelbaren Überreste von Tieren, Pflanzen und anderen Organismen, die in Form von Knochen, Fell, Haut, Blättern oder Baumrinde versteinert wurden.
Spurenfossilien
Spurenfossilien werden auch als Ichnofossilien oder als Ichnia bezeichnet. Es handelt sich dabei um versteinerte Spuren der Aktivitäten von längst ausgestorbenen Lebewesen, z. B. versteinerte Fußabdrücke, Kot (Koprolithen), Grablöcher (Wurmröhren) oder Fraßspuren.
Wie wurden aus lebenden Tieren und Pflanzen Fossilien im Jura-Kalkstein?
Der Kalkstein ist etwa 155 Millionen Jahre alt und stammt aus der Zeit des Oberen Jura. Er bildete sich in einem flachen, warmen Meer, als sich winzige Kalkpartikel aus dem Meerwasser absetzten. Diese Partikel sammelten sich im Laufe der Zeit an und wurden zu Kalkstein verdichtet. Mikroorganismen spielten dabei eine Rolle, indem sie eine dichte Struktur schufen.
Im Meer lebten damals zahlreiche Lebewesen. Ihre Überreste (Tiere und Pflanzen) sanken sofort nach ihrem Tod auf den Meeresboden. Dort wurden sie von Kalkschichten überlagert und im Laufe der Zeit von weiteren Sedimenten bedeckt, ohne dass sie sich wesentlich zersetzten. Durch den zunehmenden Druck der neuen Schichten verdichtete sich der Kalkschlamm allmählich zu festem Kalkstein, in dem die Überreste der Tiere eingeschlossen wurden. Meist blieben nur die härteren Teile wie Skelette, Zähne und Schalen erhalten, während die weicheren Teile von Bakterien zersetzt wurden und nicht fossilisiert sind.

Welche Phänomene sind auf Fossilien zu sehen?
Am auffälligsten sind die spiraligen und spitzen Formen. Sie werden geologisch als Ammonoidea und Belemnoidea bezeichnet. Es handelt sich um die versteinerten Schalen der Ammoniten und den Rostrum der Belemniten. Beide Fossilien sind im Hauptgestein des Jura-Kalkgesteins eingebettet. Die weißen Kristalle im Gehäuse des Ammoniten bestehen hauptsächlich aus Calciumcarbonat (kohlensaurer Kalk) oder Calcit.
Die dunkle Färbung ehemaliger Wurmröhren rührt daher, dass die Röhren mit Material gefüllt sind, das sich in Zusammensetzung und Farbe von der umgebenden Kalksteinmatrix unterscheidet. Die Mineralien, die in solchen fossilen Wurmröhren enthalten sein können, hängen davon ab, welche Stoffe während der Sedimentation oder später während der Diagenese (Verfestigung des Gesteins) eingelagert wurden.
Typischerweise können folgende Materialien enthalten sein:
- Organische Rückstände
- Feinkörniger Kohlenstoff
- Bituminöse Substanzen.
- Eisenminerale
- Manganminerale
- Pyrit (Eisenkies)
- Feinkörnige Tonminerale
Für die genaue Materialbestimmung benötigen Geologen moderne Analysemethoden wie die Röntgendiffraktometrie (XRD) oder die Rasterelektronenmikroskopie (REM).
Fotos: zwei Bilder von The Geological Society und zwei eigenen Grafiken
Quellen: Wikipedia, ChatGPT, Eigene Beschreibung mit KI-Unterstützung
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Um den EarthCache zu loggen, beantworte die folgenden Fragen:
Alle Fragen können mit den Informationen aus der Liste, den Beobachtungen vor Ort und ein wenig Nachdenken beantwortet werden. Fossilien befinden sich auf dem Boden und teilweise an den Wänden im Informationsbereich, auf den Treppen und in den Toiletten. Aus Rücksichtnahme bitte die Fossilien nicht im Restaurant beobachten!
1. Ammoniten
Auf dem Boden oder an der Wand siehst du ein besonders schönes Exemplar eines eingeschlossenen Ammoniten. Beschreibe mit eigenen Worten Größe, Form und Aussehen des Fossils!
2. Belemniten
Auf dem Boden oder an der Wand siehst du noch einige Belemniten. Beschreibe mit eigenen Worten Größe (Länge und Breite), Form und Aussehen des Fossils!
3. Wurmröhren
Welche der drei Verzweigungsformen der Morphologie vermutet ihr für diese Wurmröhren im Jura-Kalksteinboden? Und welche Schlüsse zieht ihr aus eurer Vermutung bezüglich der entscheidenden Verzweigungsform?
4. Art der Fossilien
Handelt es sich bei den Ammoniten, Belemniten und Wurmröhren um Körper- oder Spurenfossilien? Bitte zuordnen!
5. Fossilisation
Wie heißt das Mineral, das mit hellen Kristallen gefüllt ist, z.B. in der Schale des Ammoniten?
6. Fotonachweis
Dazu braucht Ihr unbedingt ein Foto als Beweis, dass Ihr dort gewesen seid. Geht zum WP, macht ein Foto mit dem Tastmodell des Kaiser-Wilhelm-Denkmals mit Euch, GPS mit lesbaren Koordinaten oder einem persönlichen Gegenstand wie z.B. einem Maskottchen und ladet es mit dem Log hoch!
Schickt mir Eure Antworten via Kontaktformular auf meinem Profil oder an fossil@ahsoka.de und Ihr könnt Euch sofort loggen. Bei Unstimmigkeiten melde ich mich.
Wünsche Euch viel Spaß !
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