Die Cache-Location wurde aus mehreren Gründen gewählt. Einmal da viele Grazer dieses Kraftwerk gar nicht kennen, da es gut versteckt zwischen dem Uferrand-Bewuchs liegt. Zum anderen habe ich einen engen Bezug zu diesem Kraftwerk und finde, daß es vielleicht interessant ist sich mit seiner Geschichte und Gegenwart zu beschäftigen.
Eigentlich wollte ich ursprünglich durch den Cache auf das während der Umbauarbeiten 2013-2015 entstandene Marterl hinweisen, welches zuerst ein regengeschützter Aufstellplatz für einen Baustromverteiler war und dann durch Unbekannte mit einem Marienbild umgenutzt wurde. Leider ist das Bild aber wieder verschwunden.
Besonders bedanken möchte ich mich beim Owner des GCVWPP: MUR-WASSER # 3, dessen Nachfolge an der Location ich mit diesem Cache antreten darf!
Begehung des Geländes und Heben des Cache erfolgt auf eigene Gefahr. Bitte passt auf Euch und vor allem auf Kinder auf Ihr befindet Euch im unmittelbaren Uferbereich der Mur!
Das Kraftwerk Weinzödl
Noch in den Zeiten der mechanischen Wasserkraftnutzung durch Mühlen bzw. Industriebetriebe wurde bei Weinzödl mittels Grundwehren das Wasser der Mur in einen links- und rechtsseitigen Mühlkanal durch das Stadtgebiet der steirischen Landeshauptstadt geleitet. Was damals als wichtige Lebensader der Wirtschaft im südlichen Österreich galt, verlor aber im Laufe der Zeit an Bedeutung.
Mit dem Einzug der Elektrizität waren die Stunden der mechanischen Wasserkraft gezählt und die Kanäle verloren weitgehend ihren Nutzen. Im Jahre 1976 wurde der linksseitige Kanal deshalb auch gänzlich stillgelegt. Dem gegenüberliegenden 23 km langen Mühlkanal hingegen, der bei Kalsdorf wieder in die Mur fließt, blieb dieses Schicksal erspart – er speist heute eine Reihe von Kleinkraftwerken. Weitere Infos zum Mühlgang findet ihr hier https://de.wikipedia.org/wiki/Grazer_M%C3%BChlgang
Ein Jahr später - im Jahre 1977 - gab die Steiermärkische Elektrizitäts-AG (STEG) eine Machbarkeitsstudie für den Bau eines Laufkraftwerks am Standort der ehemaligen Grundwehre in Auftrag. Nach deren positiven Ergebnis und weiteren Untersuchungen wurde daraufhin in den Jahren 1979 – 82 das Kraftwerk Weinzödl realisiert.
Das am 14. Juni 1982 in Betrieb genommene Kraftwerk an der Mur verfügte über zwei horizontal eingebaute Maschinensätze. Sie bestanden aus je einer doppelt regulierten Straflo-Turbine mit einem Laufraddurchmesser von 3.700 mm von Andritz, Graz und Escher Wyss, Zürich mit einer Nennleistung von 8.300 kW und einem Drehstromsynchron-Außenkranzgenerator der Firma Elin-Union mit einer Nennleistung von 9.500 kVA.

Im Wehrbereich des rechtsufrigen Mühlkanals entschied man sich ein Dotierkraftwerk zu errichten und so wurde ein dritter Maschinensatz installiert. Ebenfalls horizontal eingebaut, besteht er aus einer einfach regulierten S-Turbine mit einer Ausbauleistung von 110 kW. Die Fixdotation beträgt 11 m3/s. Mit einer Leistung von 15,5 MW produzierte das Laufkraftwerk Weinzödl rund 63.000 MWh Strom pro Jahr.
Die Wehrverschlüsse der drei Wehrfelder sind als Drucksegmente mit aufgesetzter Klappe ausgeführt.
Im Jahre 2002 wurde das Kraftwerk Weinzödl und drei weitere Kraftwerke der STEG in die VERBUND Hydro Power GmbH eingegliedert. Etwa ein Jahrzehnt später startete die neue Betreiberin mit der Modernisierung des Innenlebens. Die Effizienzsteigerungsmaßnahmen konnten 2015 abgeschlossen werden.
Ein wesentlicher Punkt in der Planung betraf dabei die installierten Straflo-Turbinen mit Außenkranzgeneratoren. Hierbei drehte sich der Rotor des Generators außen an den Schaufeln der Turbine mit. Aufgrund dieser innovativen, aber auch aufwendigen Konstruktion stellt das Konzept hohe Anforderungen an die Dichtungstechnik, denn an die elektrischen Teile des Generators darf kein Wasser gelangen.
Was vor 30 Jahren als letzter Schrei der Technik galt, hatte sich mittlerweile überholt. Mit zunehmendem Alter der Maschinen und durch besonders sedimentreiches Triebwasser bzw. Eigenheiten der Konstruktion der Straflo-Turbinen verkürzten sich die Wartungsintervalle der Maschinen deutlich und Instandhaltungskosten und Aufwand stiegen dadurch stetig an.
Da die Nachteile des Straflo-Turbinentyps in dieser Dimension die Vorteile bei weitem überwogen, wurde entschieden im Zuge einer Revitalisierung des gesamten Kraftwerks auf klassische Rohrturbinen zu wechseln. Damit verbunden war auch eine Erhöhung der Engpassleistung, aber vor allem eine Steigerung der Jahreserzeugung.
Das Projektteam entschied sich die beiden Straflo-Maschinensätze durch zwei 8° geneigte Kaplan-Rohrturbinen-Maschinensätze zu ersetzen. Sie bestehen aus je einer doppelt regulierten (Leit- und Laufradschaufeln beweglich) Kaplan-Rohrturbine mit einem Laufraddurchmesser von 3.700 mm geliefert von der Firma Litostroj Power, Laibach, Slowenien mit einer Nennleistung von 8.600 kW und einem Rohrturbinengenerator der Firma Končar – Generators and Motors, Zagreb, Kroatien mit einer Nennleistung von 9.500 kVA.

Mit 16,2 MW, statt ursprünglich 15,5 MW, wurde die Engpassleistung des Kraftwerks Weinzödl um ca. 0,7 MW erhöht. Die Jahresarbeit konnte damit aber um 15,1 GWh gesteigert werden. Das entspricht etwa dem Verbrauch von 4.000 Haushalten und einer Steigerung von ca. 20%. Das Wasserkraftwerk Weinzödl deckt damit seit 2015 den Jahresstrombedarf von etwa 22.000 Haushalten ab.
Durch den geänderten Turbinentyp waren im Wasserweg umfangreiche Umbauarbeiten notwendig. Äußerlich wurde das Kraftwerksgebäude nicht verändert. Es mussten rund 200 m3 stark bewehrter Beton im Einlauf- und Saugrohrbereich ausgebrochen und im Zuge der Montagearbeiten wieder eingebracht werden.
Der Umbau mit Demontage der alten Maschinensätze, Betonausbruch und Montage/Inbetriebnahme der neuen Maschinensätze konnte in ca. 6 Monaten bewerkstelligt werden. Während dieser Arbeiten war immer ein Maschinensatz in Betrieb, während der andere Maschinensatz mittels der Ober- und Unterwasserdammbalken abgedämmt war.
Da mit dem Maschinenhallenkran die Einbauposition des Rohrturbinengenerators nicht erreicht werden kann, wurde vom Rechenpodium ein Schacht in den Einlauf ausgebrochen. Mittels eines 400t-Mobilkrans wurden die Generatorkomponenten (Stator, Rotor, Generatorkuppel) mit Lasten bis 44t durch diesen Schacht in den Einlauf gehoben und auf Schienen im schrägen Einlauf in die Einbauposition manövriert und mit der Turbine verbunden.
Im Zuge der Effizienzsteigerung der Kraftwerksanlage 2013-2015 wurden neben den Maschinensätzen auch die gesamte Leittechnik der Kraftwerksanlage, die Eigenbedarfs-Versorgung, der elektrische Schutz, die Batterieanlagen, die Generatorausleitung, sowie die Lüftungsanlage erneuert. Darüberhinaus wurden Brandschutzmaßnahmen umgesetzt, sowie sonstige Revisionsmaßnahmen durchgeführt.
Rechtsufrig wurde 2016 eine Fischaufstiegshilfe errichtet, welche es Fischen und anderen Wasserlebewesen ermöglicht, das Kraftwerk zu umschwimmen und damit die Durchgängigkeit an der Staustufe wieder herstellt. Die Ausführung erfolgte als Vertical-Slot-Schlitzpass, sowie einem naturnahen Gerinneabschnitt in Form eines Betonkastenprofils und einer Brückenkonstruktion zur Überquerung des Mühlganges. Die Gesamtlänge des Aufstieges beträgt circa 368m, um die 11,5m Höhendifferenz zwischen Unter- und Oberwasser zu überwinden.

Eigentümer/Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1982 (Erneuerung 2013-2015)
Typ: Laufkraftwerk
Gewässer: Mur
Engpassleistung: 16,2 MW
Jahreserzeugung: 78.100 MWh
Turbine: 2 Kaplan-Rohrturbinen
Weitere Infos:
https://www.verbund.com/de-at/ueber-verbund/kraftwerke/unsere-kraftwerke/weinzoedl
