Der Teufelstein ist eine markante Felsformation in den Fischbacher Alpen. Um seine Entstehung ranken sich mehrere Mythen und Sagen. Der bekanntesten Sage zufolge war Luzifer höchstpersönlich für die Errichtung des Teufelsteins verantwortlich. Um nach seiner Verbannung aus dem Himmel wieder in das Reich der Seligen zurückkehren zu können, wurde ihm von Gott aufgetragen, einen Turm von der Erde bis in den Himmel zu errichten. (1),(2)
Also begab sich der Teufel am Christtag (25.12.) zur Hohen Veitsch und brachte von dort Stein für Stein zum höchsten Punkt der Fischbacher Alpen. Nach dem dritten Stein zerbrach jedoch sein Transportkorb, weshalb er von seinem Vorhaben abweichen musste und seitdem als Teufel in der Hölle schmort. Übrig blieben nur die drei aufgetürmten Felsen, welche heute als Teufelstein bekannt sind. (1),(2)
So steht’s geschrieben, so ist’s gescheh’n!
Oder vielleicht doch nicht? Könnte der Teufelstein etwa doch natürlichen Ursprunges sein? Mit diesem Earth-Cache werdet ihr euch auf die Spurensuche zur Entstehung der Felsformation begeben.

Teufelstein (© TingelTangelJoe)
Deine Aufgaben:
Um diesen Cache loggen zu dürfen, musst du mir die Antworten auf die folgenden Fragen zusenden. Dies funktioniert am besten über das Message Center. Anschließend kannst du sofort loggen – falls etwas nicht stimmen sollte, melde ich mich.
1) Tritt näher an den Teufelstein heran und sieh dir die Felsformation genauer an. Beschreibe den Verlauf der Risse, die Farbe, die Oberfläche, etc.
2) Auf jener Seite des Teufelsteins, welche dem Wanderweg zugewandt ist, ist ein großer Felsblock abgebrochen. Wie sieht die Bruchfläche aus? Was denkst du, weshalb ist dieser Felsblock abgebrochen?
3) Was glaubst du, wie wird der Teufelstein in Jahrmillionen aussehen, wenn die Verwitterung noch weiter fortschreitet?
4) Zusätzlich ist ein Foto von dir, deinem GPS oder einem anderen persönlichen Gegenstand mit deinem Log hochzuladen. Du musst dabei nicht zu erkennen sein, der Teufelstein jedoch schon.
Petrologische Beschreibung der Felsformation
Bei der Felsformation „Teufelstein“ handelt sich hierbei um einen phyllitischen Glimmerschiefer, welcher der Stanzer Trias zuzuordnen ist. Die Stanzer Trias ist eine geologische Einheit, welche sich von der Nordseite des Stanzertales bis ins Birkfelder Becken und ins Waldheimat-Becken zieht. Sie wurde bei der Alpenbildung tektonisch extremst beansprucht und liegt somit stark gefaltet und zerklüftet vor. (3),(4)

Stanzer Trias (rot umrandet, östlich der Stadt Kindberg) mit Teufelstein (4)
Glimmerschiefer bestehen hauptsächlich aus den Schichtsilikaten Biotit und Muskovit, es handelt sich um mittel- bis grobkörnige Gesteine mit ebener Schichtung. Die Gesteine wurden aus Sedimenten mit niedriger Überlagerung gebildet – es trat bei der Genese also lediglich eine schwache Metamorphose (= gesteinsverfestigende Umwandlung) unter vergleichsweise geringem Druck und geringer Temperatur auf. (5)
Die Glimmerschiefer der Stanzer Trias weisen einen hohen Anteil an Phyllit auf, weshalb sie in älterer Literatur auch als „Teufelsteinphyllite“ bezeichnet wurden. Es sind helle, meist grünliche Gesteine mit hohem Anteil an Muskovit, Biotit und Quarz. Phyllite sind Gesteine, welche ebenfalls durch eine schwache Metamorphose entstanden sind. Im Vergleich zu den Glimmerschiefern sind ihre Mineralkörner jedoch kleiner. (5),(6)
Wichtigste Merkmale von phyllitischen Glimmerschiefern
Um vor Ort die wichtigsten Merkmale des Gesteins feststellen zu können, gibt es hier eine entsprechende Kurzbeschreibung:
- Das auffälligste Merkmal von Glimmerschiefern ist ihre deutliche Schieferung. Sie entsteht im Zuge der Metamorphose (= gesteinsverfestigende Umwandlung). Die Minerale im Gestein ordnen sich dabei in Lagen an, als Schieferung werden die daraus resultierenden ebenen, parallelen Trennflächen im Gestein bezeichnet. Schieferungsflächen stehen stets senkrecht zur Druckrichtung während der Gesteinsbildung. (5)
- Die Farbe kann von hell- bis dunkelgrau variieren und ist abhängig vom Anteil der beiden Glimmer-Minerale Biotit und Muskovit. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass Biotit für eine dunkle Färbung, Muskovit für eine helle Färbung verantwortlich ist. (7)
- Phyllitische Glimmerschiefer zeichnen sich durch einen schimmernden Glanz aus. Verantwortlich hierfür sind erneut Biotit und Muskovit, welche durch ihre schuppige Struktur diesen Glanz hervorrufen. (7)
- Aufgrund des schuppigen bis plättchenförmigen Aufbaus der Minerale gibt es im Gestein zwei Hauptrichtungen, in welche es zum Bruch des Gesteins kommen kann. Die eine Hauptrichtung liegt parallel zur Schieferung, es entstehen glatte und ebene Bruchflächen. Geologisch spricht man deshalb von einer vollkommenen Spaltbarkeit in diese Richtung. Die zweite Hauptrichtung befindet sich im rechten Winkel hierzu und tritt dann auf, wenn die Festigkeit des Gesteins aufgrund von Biegung und Scherung überschritten wird. Dabei kommt es zu scharfkantigen Brüchen. (8)
- Bei den kompakten, mattweißen Bereichen im Gestein handelt es sich um Quarz. Dieser kommt in allen phyllitischen Glimmerschiefern vor – so auch am Teufelstein. (5)

Phyllitischer Glimmerschiefer der Stanzer Trias (© TingelTangelJoe)
Formgebung der Felsformation
Um die Frage aus der Einleitung zu beantworten: Ja, der Teufelstein ist natürlichen Ursprunges. Die Felsformation wurde durch eine in-situ Verwitterung erschaffen – das heißt, der Felsen stand seit jeher an diesem Platz und wurde lediglich durch Verwitterungserscheinungen so markant geformt. Kleines Detail am Rande: Ein Transport des Felsens von der Hohen Veitsch hierher (wie in der Sage erzählt) macht geologisch keinen Sinn, denn dort ist Kalkgestein vorherrschend. Der Teufelstein besteht jedoch, wie vorhin erarbeitet, aus phyllitischem Glimmerschiefer.
Der maßgebliche Prozess für die markante Form des Teufelstein ist die Wollsackverwitterung. Sie ist eine chemisch-mechanische Verwitterung von Festgesteinen und tritt hauptsächlich bei massiven Gesteinen wie Graniten, untergeordnet aber auch bei Gneisen und Schiefern auf. (9)
Die Wollsackverwitterung findet stets im Untergrund statt. In die Risse und Klüfte des Gesteins dringen unterirdische Wässer ein. Diese können die Mineralien der Gesteine chemisch angreifen und somit zersetzen – die Risse vergrößern sich also. Da sich die Risse und Klüfte bei stark tektonisch beanspruchten Gesteinen oftmals im rechten Winkel miteinander schneiden, kommt es zur Bildung von quaderförmigen Blöcken. Diese chemisch gebildeten Blöcke werden auch Gruse genannt. (9),(10)
An den Ecken und Kanten dieser Blöcke haben die Wässer eine große Angriffsfläche, weshalb die Blöcke im Laufe der Zeit abgerundet werden - es entstehen ellipsoidförmige Felsblöcke. Werden die Verwitterungsrückstände im Laufe der Jahrmillionen fortgespült, so werden die abgerundeten Felsblöcke freigelegt und damit der Vorgang der Wollsackverwitterung beendet. Von nun an formt die Erosion durch Wind und Wetter die exponiert liegenden Felsblöcke. Diese sind meist frei von jeglicher Vegetation, da sämtliche bodenbildende Stoffe fortgespült worden sind. (9)

Ablauf der Wollsackverwitterung (10)
Ein Earth Cache von
TingelTangelJoe
Quellen
(1) https://www.fischbach.co.at/freizeit-region/ausflugsziele/teufelstein/#:~:text=Als%20Teufelstein%20wird%20sowohl%20der,die%20umliegenden%20Alpen%20und%20Orte
(2) https://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/steiermark/sann/derteufelstein.html
(3) H. Hötzl: „Bericht über geologische Aufnahmen im Kristallin und Mesozoikum“ (1976), Verhandlung geologische Bundesanstalt, Passail.
(4) R. Schuster: „Geografischer und geologischer Überblick über die Kartenblätter GK50 Blatt 103 Kindberg und 135 Birkfeld“ (2015), Arbeitstagung der Geologischen Bundesanstalt, Mitterdorf im Mürztal.
(5) https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/RockData?lang=de&rock=Schiefer
(6) R. Schwinner: „Zur Geologie von Birkfeld“ (1935), Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark – Band 72, Graz.
(7) https://www.chemgeo.uni-jena.de/25740/glimmerschiefer#:
(8) https://www.baunetzwissen.de/schiefer/fachwissen/werkstoff-schiefer/spaltbarkeit-1145013
(9) https://www.harzlife.de/info/wollsackverwitterung.html
(10) https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Geologisches%20Portrait/Verwitterung%20und%20Erosion/Chemisch-mechanische%20Verwitterung