Aufgabenstellung: Um diesen Earthcache loggen zu können, ist der Fund eines Faserkalkes und einer Toneisensteingeode erforderlich. Als Hilfsmittel sollte ein Taschenmesser und eine beliebige Centmünze vorhanden sein.
Eozän. Das Eozän ist in der Erdgeschichte eine chronostratigraphische Serie (= Zeitintervall) innerhalb des Paläogens (früher Alttertiär genannt). Das Eozän begann vor etwa 56 Millionen Jahren und endete vor etwa 33,9 Millionen Jahren.
Das Eozän zwischen Fehmarn und Howacht. Eine bekannte und gut untersuchte Fundstelle für Fossilien und Mineralien aus dem Eozän in dieser Region ist das Küstenkliff bei Katharinenhof auf Fehmarn. Dort findet man im Küstenkliff Tarraston (auch Londonton oder London Clay genannt). Tarraston ist ein blaugrüner, plastischer, fast kalkfreier Ton. Wer sich für diese Fundstelle interessiert, sollte auf Fehmarn den Earthcache "Tarraston im Geschiebemergel" besuchen: https://coord.info/GC6GAVE. Bei niedrigem Wasserstand kann man auf dem Ton herumlaufen und nach fossilen Muscheln und Schnecken suchen. Eine weitere gut untersuchte Fundstelle ist das Küstenkliff bei Heiligenhafen, wo das Heiligenhafener Gestein und der Tarraston im Küstenkliff zu finden ist. Das GFZ Helmholtzzentrum Potsdam gibt in einer Publikation von 2018 das Alter beider Fundstellen mit ca. 53 Millionen Jahren an. Eine andere Quelle geht von einem etwas geringeren Alter aus (für das Heiligenhafener Gestein). Bei sieben Probebohrungen für die neue Fehmarnbeltquerung hat die DB zwischen 2021 und 2023 ebenfalls Tarraston nachgewiesen. Alle Publikationen zu diesem Thema gehen von einer glazialen Verschuppung aus. Damit ist gemeint, dass eine Schuppe (größere Schicht einer Landmasse) durch einen Gletscher aufgenommen und verschoben wurde. Es ist jedoch zu bedenken, dass zwischen dem Kliff bei Katharinenhof und dem Kliff bei Heiligenhafen eine Luftliniendistanz von 27 km liegt. Das das Material anstehend ist, ist bisher nicht sicher ausgeschlossen worden. Anstehendes wird in der Geologie Gestein oder eine Schicht genannt, die in ihrem natürlichen Zusammenhang im Boden steht.
Mineralien aus dem Eozän. Zu den beiden typischen "großen" Mineralien aus dem Tarraston zählen die Toneisensteingeoden und der Faserkalk. Bei den Toneisensteingeoden handelt es sich um eine sedimentäre Konkretion aus Ton und Eisencarbonaten. Der Eisengehalt kann einen Anteil von über 40 % erreichen. Die Geoden sind extrem hart und sehr schwer (hohe Dichte). Faserkalk ist eine besondere Form von Calcit (Calciumcarbonat). Calcit ist ein weiches Material, das sich sehr gut bearbeiten lässt. Schleift und poliert man Faserkalk, so entsteht eine samtig glänzende Oberfläche. Faserkalk fand als Schmuckstein schon in der Steinzeit Verwendung. Eine andere Bezeichnung für Faserkalk ist Ostseejade oder auch Friesengold. Im mineralogischen Sinn hat Faserkalk aber nichts mit Jade zu tun.
Beide Mineralien kommen häufig zwischen den Wegpunkten 2 und 3 vor. An den Listingkoordinaten kann man bei stark ablandigen Winden unter den Steinen eine Fläche aus einem blaugrünen, plastischen Ton vorfinden. Hier ist sie Suche am aussichtsreichsten. Es ist aber nicht erforderlich eine Tonschicht im Spülsaum zu finden. Rund um die Listingkoordinaten findet sich die größte Häufung von Toneisensteingeoden (die nicht abgesammelt werden) und auch hier ist die größte Häufung von Faserkalken zu finden.

Toneisensteingeode vom GZ am Weissenhäuser Strand: 85 x 65 x45 mm
Faserkalk ist im Eozän vor 56 – 39,9 Millionen Jahren im Meeresboden entstanden. Das Eozän war geprägt von starken vulkanischen Aktivitäten, die zu einer Erhöhung der Mitteltemperatur auf der Erde um bis zu 6° C geführt hat. Im Hanklit der Insel Mors in Nordjytland (Dänemark) sind allein 179 Lagen von Vulkanasche nachgewiesen worden. Vulkanasche ist der Grund für die Entstehung von Faserkalk.

Ein "halber" Faserkalk vom Weissenhäuser Strand mit oben liegender Aschelage (Größe: ca. 11 x 8 x 5cm)

Faserkalk vom Weissenhäuser Strand (ungeschliffen und die Aschelage fehlt)
Faserkalk ist ein fasrig aufgebauter Kalk, der von einer vulkanischen Tufflage (feine Schicht aus Vulkanasche) nach oben und nach unten in einer tonigen Lage gewachsen ist. Die Tufflage bildet die Nahtstelle der von hier rechtwinklig zur Anwachsfläche auseinanderstrebenden Kalkfasern, deren Querschnitt zwischen 5 und mehr als 100µm beträgt. Die Naht ist bei den meisten Fundstücken noch sehr gut zu erkennen. Fehlt sie, handelt es sich um ein an dieser Stelle auseinander gebrochenes Stück. Die Größe der Funde kann stark variieren. Sie reicht i.d.R. von wenigen Millimetern bis zur Faustgröße. Faserkalk kann von Laien leicht mit versteinertem Holz verwechselt werden. Versteinertes Holz zeigt aber bei ausreichender Vergrößerung unter dem Mikroskop stets seine Zellstruktur. Faserkalk zeigt keine Zellstruktur.

Ein typischer Strandfund mit sehr feiner Aschelage (ungeschliffen)

Kleiner Strandfund (25 x10 x 15 mm) mit deutlicher Aschelage
Die Farben vom Faserkalk sind von seiner genauen chemischen Zusammensetzung abhängig. An der Küste von Mecklenburg-Vorpommern kommen rosafarbene Faserkalke vor. Dieser hat einen sehr geringen Gehalt an Mangan. Weitere typische Farben des Faserkalks sind: weißgrau, honiggelb, lichtrot, flaschengrün, schokoladenbraun, weiß und orange. Geschliffener Faserkalk ist durchscheinend. Kiesgrubenfunde sind eher unscheinbar, schwer zu erkennen und weisen eine Verwitterungsschicht auf.
links: Faserkalk vom Strand, rechts Kiesgrubenfund
Die Suche beginnt: Wenn wir vom Parkplatz in Richtung Howacht nach Westen wandern, haben wir zwischen Wegpunkt 1 und Wegpunkt 2 einen häufig von Spaziergängern frequentierten Strandabschnitt. Dieser Abschnitt ist für diesen Earthcache uninteressant. Nach Stürmen aus Nordost besteht hier aber die Möglichkeit zwischen den ersten beiden Wegpunkten Bernstein zu finden. Man sollte aber morgens unterwegs sein und bedenken, das das Wochenende wahrscheinlich kein guter Zeitpunkt für eine erfolgreiche Suche ist.
Zwischen Wegpunkt 2 und 3 ist die Suche nach Faserkalk auch für Ungeübte Erfolg versprechend. Im Bereich der Wasserkante, in dem viele Steine größer sind als 10 cm im Durchmesser findet man meistens nichts. Alle größeren Funde in meiner Sammlung stammen jedoch aus dem Bereich der Listingkoordinaten von der Wasserkante. Natürlich würde ich mich sehr für Euch freuen, wenn Euch ein solcher Glücksfund gelingt. Für die Berbeitung der Aufgaben reicht natürlich ein einzelner Fund eines kleinen Stücks Faserkalks und einer Toneisensteingeode. Die Geoden sind sehr häufig aber auch hier gibt es eine besondere Häufung bei den Listingkoordinaten.
Noch eine kleine Hilfestellung: Die Brandung "sortiert" vor diesem aktiven Küstenkliff die Steine regelmäßig um. Es gibt "Straßen" mit sortierten Steinen. In dem zumeist 2 Meter breiten Bereich, in dem sich Kies in der Größenordnung um die 4 cm Durchmesser angesammelt hat, sind die meisten Faserkalke zu finden.
Die Aufgaben
1. Beschreibe Dein Faserkalk-Fundstück (Größe, ungefähres Gewicht, Farben etc.). Hinweis: Wenn Du Dein Fundstück anfeuchtest, treten die Farben deutlicher hervor. Hat Dein Handstück eine einheitliche Färbung oder gibt es verschiedene Farben? Besitzt es eine Aschelage?
2. Erscheint es im Vergleich zu den hier sehr häufigen Toneisensteingeoden eine größere oder kleinere Dichte zu besitzen?
3. Bestimmung der Härte nach Mohs*: Vergleiche die Härte deines Faserkalks mit deiner Toneisensteingeode und dem Sandsteinblock an den Listingkoordinaten (Beispiel: X härter als Y und Y härte als Z). Du darfst gerne den ermittelten Härtegrad angeben.
| Mohs-Härte 2 |
Du kannst es mit dem Fingernagel ritzen |
| Mohs-Härte 3 |
Du kannst es mit einer Kupfermünze ritzen (1, 2 und 5-Cent Münzen) |
| Mohs-Härte 4 |
Du kannst es mit einem Taschenmesser leicht ritzen |
| Mohs-Härte 5 |
Du kannst es mit einem Taschenmesser noch ritzen |
| Mohs-Härte 6 |
Du kannst es mit einer Stahlfeile ritzen |
4. Mach bitte ein Foto von einem persönlichen Gegenstand und mit Deinen Fundstücken auf dem großen Sandsteinblock (siehe Bild unten) an den Listingskoordinaten. Ein Foto von einem Stück Faserkalk und einer Toneisensteingeode ist obligat.
Auch ein Foto von Dir mit dem Strandabschnitt Richtung Weissenhaus wäre schön (ist aber nicht obligat).

Deine Forschungsergebnisse kannst Du über den Messenger oder die Email-Funktion an meinen Account schicken. Nach dem Absenden darfst Du sofort loggen. Logs ohne Fundstücke am Strand werde ich kommentarlos löschen. Ich werde Dir zeitnah ein Feedback zu Deinen Antworten geben.
Literatur:
Tarraston: https://gfzpublic.gfz-potsdam.de/rest/items/item_3420902_7/component/file_3718916/content
Fehmarnbeltquerung: https://www.anbindung-fbq.de/aktuelles/aktuelle-meldungen/detail/pfahlprobebelastungen-fuer-den-fehmarnsundtunnel.html
https://www.nature.com/articles/s43247-024-01628-9
https://www.researchgate.net/publication/270899374_Faserkalk
* Hinweis zur Härteskala nach Mohs: Die Mohssche Härteskala ist ein Hilfsmittel um die Härte von Mineralen zu bestimmen. Sie ist benannt nach dem Mineralogen Friedrich Mohs, der diese 1822 veröffentlichte. Die Härteskala dient als Indikator für die Bestimmung von Mineralen.
Bildnachweis: eigene Fotos mit Funden vom Weissenhäuser Strand bzw. Fund aus einer Kiesgrube