Die Geschichte des Luisenturms in Borgholzhausen
Der Luisenturm in Borgholzhausen ist ein markanter Aussichtsturm im Teutoburger Wald. Er thront auf der 291 Meter hohen Johannisegge und bietet einen beeindruckenden Blick über die umliegenden Landschaften. Seit seiner ersten Errichtung im Jahr 1893 ist der Turm ein beliebtes Ziel für Wanderer und Naturliebhaber. Doch seine Geschichte ist geprägt von mehreren Bauphasen, Zerstörungen und Wiederaufbauten.
Der erste Luisenturm (1893)
Der erste Luisenturm wurde am 9. April 1893 nach nur dreiwöchiger Bauzeit feierlich eingeweiht. Die Konstruktion bestand aus Holz und orientierte sich an traditionellen Bauweisen mit vier durchgehenden Eckpfeilern. Die Aussichtsplattform war über eine Holztreppe erreichbar.
Der Turm wurde zu Ehren von Königin Luise von Preußen benannt, die für ihre Volksnähe und ihr soziales Engagement bekannt war. Die Namensgebung war eine Geste der Anerkennung und Wertschätzung für die beliebte Monarchin.
Schon bald entwickelte sich der Turm zu einem beliebten Ausflugsziel für die Menschen der Region. Wanderer und Naturfreunde konnten von der Plattform aus das Ravensberger Hügelland, die Münstersche Tiefebene sowie das Wiehengebirge und das Weserbergland überblicken.
Der zweite Luisenturm (1924)
Nach mehr als 30 Jahren war der erste Turm stark verwittert und musste ersetzt werden. Im Jahr 1924 wurde daher ein neuer Luisenturm errichtet. Auch dieser war aus Holz, jedoch stabiler konstruiert. Die Bauweise wurde leicht angepasst, indem diagonale Versteifungen eingebaut wurden, um die Stabilität zu verbessern.
Die Einweihung des neuen Turms fand am 14. September 1924 statt. Wie sein Vorgänger erfreute sich auch dieser Turm großer Beliebtheit und diente als Aussichtspunkt für Besucher aus nah und fern.
Einsturz des Luisenturms (1938)
Am 15. Mai 1938 ereignete sich ein tragisches Unglück. Eine große Gruppe von rund 500 Ausflüglern aus Bielefeld war mit einem Sonderzug angereist, um den Luisenturm zu besuchen. Die vielen Menschen, die gleichzeitig auf der oberen Plattform standen, führten dazu, dass der Turm unter der Last nachgab. Die oberste Etage stürzte ein.
Glücklicherweise kamen bei dem Einsturz keine Menschen ums Leben, doch der Turm war nicht mehr sicher und musste abgerissen werden. Über viele Jahre hinweg stand an seiner Stelle kein Aussichtsturm mehr, und der Aussichtspunkt verlor seine frühere Bedeutung.
Der vierte Luisenturm (1991)
Erst viele Jahrzehnte später wurde beschlossen, den Luisenturm wieder aufzubauen. Der neue Turm, der mittlerweile der vierte seiner Art war, wurde am 5. Oktober 1991 feierlich eingeweiht.
Dieser neue Luisenturm blieb der ursprünglichen Bauweise treu, wurde aber modernisiert. Er besitzt vier durchgehende Eckpfeiler und insgesamt fünf Etagen. Die Aussichtsplattform befindet sich in einer Höhe von 16 Metern und ist über 89 Stufen erreichbar. Die Gesamthöhe des Turms beträgt 19,5 Meter.
Besonders bemerkenswert ist die Materialwahl für die tragenden Elemente des Turms. Die Eckpfeiler wurden aus etwa 140 Jahre alten Douglasien gefertigt, die aus der Rhön stammten. Dies sorgte für eine hohe Stabilität und Langlebigkeit der Konstruktion.
Die Baukosten für den neuen Luisenturm beliefen sich auf etwa 200.000 DM. Die Finanzierung wurde von der Bezirksregierung Detmold, der Stadt Borgholzhausen, dem Naturpark Nördlicher Teutoburger Wald und dem Heimatverein Borgholzhausen getragen.
Der Luisenturm heute
Heute ist der Luisenturm ein beliebtes Ziel für Wanderer, Spaziergänger und Naturfreunde. Er kann das ganze Jahr über kostenlos bestiegen werden und bietet bei guter Witterung einen fantastischen Panoramablick über die Region. Besonders an sonnigen Tagen lohnt sich der Aufstieg, denn dann reicht die Sicht bis weit in die Münsterländische Tiefebene hinein.
In unmittelbarer Nähe des Turms befindet sich die Luisenturm-Hütte, eine Gaststätte, die an Wochenenden geöffnet hat und Wanderer zur Einkehr einlädt. Die Hütte und der Turm werden vom Heimatverein Borgholzhausen betreut, der sich seit über 100 Jahren um den Erhalt dieser historischen Stätte kümmert.
Der Luisenturm ist heute nicht nur ein Wahrzeichen von Borgholzhausen, sondern auch ein Symbol für die Naturverbundenheit und das Engagement der Menschen in der Region. Mit seiner wechselvollen Geschichte und den beeindruckenden Ausblicken bleibt er ein fester Bestandteil des kulturellen und landschaftlichen Erbes im Teutoburger Wald.
Hier handelt es sich um ein Naturschutzgebiet, die offiziellen Wege müssen und dürfen zu keiner Zeit verlassen werden.