Die Steilküste der Granitz zwischen Binz und Baabe auf der Insel Rügen gehört zu den aktivsten Abbruchkanten an der Ostseeküste. Die beeindruckende Küstenlinie ist ständig in Bewegung - ein Paradebeispiel für dynamische Prozesse in einer Moränenlandschaft, die durch die Eiszeiten geprägt wurde.
Geologische Besonderheiten
Das Steilufer besteht aus einer Vielzahl eiszeitlicher Ablagerungen, die in mehreren Schichten übereinanderliegen. Diese Schichten geben Aufschluss über die Geschichte der letzten Eiszeit(en) und deren Rückzugsphasen:
Geschiebemergel und Geschiebelehm
Diese dichten, tonhaltigen Sedimente entstanden durch das direkte Ablagern von Gletschermaterial. Sie enthalten verschieden große Gesteine, sogenannte Geschiebe, die durch das Eis aus Skandinavien nach Rügen transportiert wurden.
Sandschichten
Diese stellenweise eingeschalteten Lagen stammen aus Schmelzwasserströmen, die während der wärmeren Phasen des Eiszeitzyklus Material sortiert ablagerten.
Frost- und Schmelzwassersedimente
Diese feinkörnigeren Lagen sind ein Hinweis auf periglaziale Prozesse, die sich am Rande des Gletschers abgespielt haben.
Die unterschiedlichen Materialien haben verschiedene physikalische Eigenschaften – insbesondere ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern oder weiterzuleiten. Das führt dazu, dass sich an den Grenzflächen zwischen durchlässigen und weniger durchlässigen Schichten Wasser stauen kann. Dieser Effekt trägt erheblich zur Destabilisierung der Hänge bei und begünstigt Hangrutschungen und Abbrüche, insbesondere nach Niederschlägen oder während der Schneeschmelze.
Die Küste zieht sich infolge dieser Prozesse jährlich weiter zurück. Besonders gut lassen sich hier die Abläufe von Küstenerosion, Massenbewegung und Sedimentumlagerung beobachten – wesentliche Themen der Geomorphologie.
Aufgaben zum loggen des EarthCaches
Beantworte folgende Fragen vor Ort anhand der Infotafel und Deiner eigenen Beobachtungen:
1. Welche Gesteinsarten und Ablagerungen bilden die Steilküste der Granitz?
2. Wie viel kann sich die Küste laut Tafel pro Jahr zurückziehen?
3. Warum kommt es hier besonders häufig zu Rutschungen und Abbrüchen? Beschreibe den Mechanismus mit eigenen Worten.
4. Welche Rolle spielen Wasser und Niederschläge bei der Küstenerosion an diesem Ort?
5. Welche menschlichen Maßnahmen könnten helfen, die Abtragung zu verlangsamen - oder warum ist es vielleicht sinnvoll, die Natur hier sich selbst zu überlassen?
6. Schau Dich vor Ort um: Siehst Du Anzeichen von Rutschungen oder Abbrüchen? Beschreibe, was du siehst.
(Optional: Mache ein Foto von Dir oder deinem GPS-Gerät mit der Steilküste im Hintergrund. Bitte vermeide es, Spoiler-Fotos von konkreten Rutschungen zu posten.)
Wichtiger Hinweis: Bitte halte ausreichend Abstand zur Abbruchkante - Lebensgefahr! Verhalte dich verantwortungsvoll und respektiere die Natur. Das Betreten des Steilufers ist gefährlich und teilweise verboten.