

Ein Stück Finnland in Haltern
Wenn man durch die Fußgängerzone der Rekumer Straße in Haltern schlendert, kann man an einigen Häuserfassaden Natursteinplatten bewundern. Unter ihnen befindet sich - an der Rekumer Straße 25 - ein ganz besonderes Exemplar. Das Gestein der Platten an der Fassade weisen eine dunkelbraune bis schwarze Grundmatrix auf, die mit kreisrunden, rosafarben bis hellbraunen Strukturen durchsetzt ist. Diese auffälligen „Kugeln“ oder „Flecken“ heben sich klar vom Hintergrund ab.
Bei diesem Gestein handelt es sich um Rapakivi-Granit, genauer gesagt die Variante Wiborgit. Rapakivi-Granit kommt vor allem aus Finnland (Wiborg-Batholith, Südkarelien), aber auch aus Russland (Karelien) und wenigen anderen Stellen der Welt. Der Name "Rapakivi" stammt aus dem Finnischen und bedeutet so viel wie „bröckeliger Stein“, da er verwittert recht leicht zerfällt.

Rapakivi-Granit; Quelle: Theklan (originally Kevinzim on Flickr) / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Entstehungsgeschichte von Rapakivi
Vor rund 1,6 bis 1,4 Milliarden Jahren, während des Proterozoikums, entstanden die großen Rapakivi-Batholithe in Finnland, Karelien und Teilen Skandinaviens. Sie bildeten sich in weitläufigen Magmakammern, die durch das Aufreißen der kontinentalen Kruste entstanden. In diesen Schmelzen entwickelten sich durch besondere Bedingungen jene Strukturen, die den Rapakivi-Granit so einzigartig machen.
In den Magmakammern kristallisierten zuerst große Orthoklas-Feldspatkristalle (rote Ovoide). Später veränderten sich die chemischen Bedingungen, wodurch sich ein Plagioklas-Saum um die Orthoklas-Kerne bildete. Dieses zweiphasige Wachstum erzeugte das charakteristische Kern-Saum-Muster, das die Rapakivi-Textur so unverwechselbar macht. Den Abschluss bildete die Matrix aus Quarz und Biotit, die die Feldspatkristalle kontrastreich einbettet.
Über viele Millionen Jahre wurden die Granitkörper durch Hebung und Erosion an die Erdoberfläche gebracht. So gelangte ein Gestein, das ursprünglich tief im Erdinneren kristallisierte, in den sichtbaren Bereich und konnte später vom Menschen genutzt werden.
Seit rund 1000 Jahren wird Rapakivi gezielt verwendet. Zunächst in Finnland und Karelien, später besonders im Zarenreich Russland für Bauten in St. Petersburg wie die Isaakskathedrale oder die Alexandersäule. Auch im 19. Jahrhundert in Berlin fand er breite Anwendung. Damit ist Rapakivi nicht nur ein geologisches Zeugnis der Erdgeschichte, sondern auch ein kulturhistorisch bedeutender Naturstein, der seit Jahrhunderten geschätzt wird.
Merkmale des Rapakivi-Granit
Rapakivi-Granit zeichnet sich durch die folgenden Merkmale aus:
- Große Ovoide (Feldspatkristalle)
- Orthoklas-Feldspatkristalle (Kalifeldspat), die beim Erstarren der Schmelze relativ früh und groß wuchsen.
- Sie sind meist rosa bis rötlich gefärbt (durch Spuren von Eisen).
- Ihre runde Form ist typisch für Rapakivi, weil die Kristalle während des Wachstums und durch Umwandlungsprozesse teilweise „abgerundet“ wurden.
- Entstehung: Sie kristallisierten zuerst, wurden dann von jüngeren Mineralen umwachsen.
- Saum aus Plagioklas oder dunkleren Mineralen
- Viele der roten Feldspatkristalle sind von einem helleren oder dunkleren Saum umgeben.
- Das ist Plagioklas-Feldspat, der den Orthoklas nachträglich ummantelte.
- Dieser Mantel ist typisch für den „Wiborgit“-Typ des Rapakivi-Granits.
- Entstehung: Durch wechselnde chemische Bedingungen in der Magmakammer - der Orthoklas wurde instabil und Plagioklas setzte sich an den Rändern ab.
- Dunkle Matrix aus Quarz und Biotit
- Die Zwischenräume bestehen aus Quarz (grau-transparent) und Biotit (dunkelbraun-schwarz, glimmerartig glänzend).
- Diese feinkörnigere Matrix hält die großen Ovoide quasi „eingebettet“.
- Entstehung: Diese Minerale kristallisierten später aus der Restschmelze, nachdem die großen Feldspatkristalle bereits vorhanden waren.
- Besonders perfekte runde Kristalle
- Diese fast ideal kreisrunden Einsprenglinge sind die markanteste Signatur des Rapakivi.
- Oft sind sie mehrfach ummantelt (Orthoklas-Kern, Plagioklas-Saum, evtl. Quarzrand).
- Geologisch betrachtet zeigen sie eindrucksvoll, dass die Kristallisation in mehreren Phasen ablief.
- Bedeutung für die Petrographie: Solche Strukturen werden als „Rapakivi-Textur“ bezeichnet und sind namengebend.

Skizze der Hauptmerkmale von Rapakivi-Granit
Logbedingungen
Um diesen EarthCache zu loggen, beantworte bitte die folgenden Fragen unter A) und sende sie per Message Center oder E-Mail an mich. Bitte erwähne Deine Antworten nicht im Log. Beachte bitte auch die Fotoanforderungen unter B).
A) Beantworte die folgenden Fragen:
- Untersuche die Fassade an den Listing-Koordinaten. Achte auf den Bereich zwischen den großen runden Kristallen. Welche Farbe hat die Matrix? Was dominiert hier, Quarz oder Biotit?
- Suche an der Fassade ein besonders großes Ovoid. Messe seinen Durchmesser und beschreibe, ob die Form eher rund, oval oder unregelmäßig ist. Mache bitte auch ein gut erkennbares Foto von diesem Ovoid und sende es mir mit den Antworten zu (lade es bitte NICHT mit Deinem Log hoch).
- Sieh Dir nun die linke Gesteinsplatte unterhalb des linken Schaufensters an (siehe Spoilerfoto) und suche die vier markierten Ovoidbereiche A, B, C und D. Beantworte mir für alle vier die folgenden Fragen:
- Welche der vier Bereiche weisen einen deutlichen Saum aus Plagioklas auf?
- Welcher der vier Bereiche weist den/die rundesten Ovoiden auf?
- Kannst Du in den vier Bereichen etwas Besonderes innerhalb des Orthoklas-Kern feststellen? Wenn ja, in welchem der Bereiche und was genau siehst Du?

Foto zu Frage 3
B) Mache ein Foto und hänge es deinem Log an:
- Nimm nun bitte noch ein Foto auf, welches unbedingt deinen Geocaching-Nickname und die Fassade mit der Hausnummer 25 wie auf dem Beispielfoto zeigt, ohne die Antworten auf Frage 3 preiszugeben. Fotos, die nicht diese Anforderungen erfüllen oder Fotomontagen, bei denen der Nickname lediglich ins Foto geschrieben wurden, sind nicht zulässig.

Logfoto-Anforderungen
Du musst nicht auf eine Antwort von mir warten, um zu loggen. Ich behalte mir jedoch vor, Logs ohne Antworten/Foto oder mit einem nicht den Anforderungen entsprechenden Foto zu löschen.

A Piece of Finland in Haltern
When strolling through the pedestrian zone on Rekumer Straße in Haltern, you can admire natural stone slabs on some house facades. Among them - at Rekumer Straße 25 - is a very special example. The rock of the slabs on this facade shows a dark brown to black base matrix interspersed with circular, pink to light brown structures. These striking “spheres” or “spots” stand out clearly from the background.
This rock is Rapakivi granite, more precisely the Wiborgite variety. Rapakivi granite occurs mainly in Finland (Wiborg Batholith, South Karelia), but also in Russia (Karelia) and a few other places around the world. The name “Rapakivi” comes from Finnish and roughly means “crumbly stone,” as it weathers and breaks down relatively easily.

Rapakivi granite; Source: Theklan (originally Kevinzim on Flickr) / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Formation History of Rapakivi
About 1.6 to 1.4 billion years ago, during the Proterozoic, the large Rapakivi batholiths formed in Finland, Karelia, and parts of Scandinavia. They developed in extensive magma chambers created by the rifting of the continental crust. In these melts, special conditions produced the structures that make Rapakivi granite so unique.
In the magma chambers, large orthoclase feldspar crystals (red ovoids) crystallized first. Later, the chemical conditions changed, leading to the formation of a plagioclase rim around the orthoclase cores. This two-phase growth produced the characteristic core-rim pattern that makes the Rapakivi texture so distinctive. The sequence was completed by the matrix of quartz and biotite, which embeds the feldspar crystals in sharp contrast.
Over many millions of years, the granite bodies were brought to the Earth’s surface through uplift and erosion. Thus, a rock that originally crystallized deep within the Earth became exposed and could later be used by humans.
For around 1,000 years, Rapakivi has been deliberately used - first in Finland and Karelia, later especially in the Russian Empire for buildings in St. Petersburg such as St. Isaac’s Cathedral or the Alexander Column. In the 19th century, it also saw widespread use in Berlin. Rapakivi is therefore not only a geological record of Earth’s history but also a culturally significant natural stone that has been appreciated for centuries.
Characteristics of Rapakivi Granite
Rapakivi granite is characterized by the following features:
- Large ovoids (feldspar crystals)
- Orthoclase feldspar crystals (potassium feldspar) that grew relatively early and large as the melt solidified.
- They are usually pink to reddish (due to traces of iron).
- Their rounded shape is typical of Rapakivi because the crystals were partially “rounded” during growth and transformation processes.
- Formation: They crystallized first and were then overgrown by younger minerals.
- Rim of plagioclase or darker minerals
- Many of the red feldspar crystals are surrounded by a lighter or darker rim.
- This is plagioclase feldspar, which later encased the orthoclase.
- This mantle is typical of the “Wiborgite” type of Rapakivi granite.
- Formation: Due to changing chemical conditions in the magma chamber - the orthoclase became unstable and plagioclase precipitated at the edges.
- Dark matrix of quartz and biotite
- The interspaces consist of quartz (gray-transparent) and biotite (dark brown to black, with a mica-like sheen).
- This finer-grained matrix effectively “embeds” the large ovoids.
- Formation: These minerals crystallized later from the residual melt after the large feldspar crystals were already present.
- Especially perfectly rounded crystals
- These almost ideally circular phenocrysts are the most distinctive signature of Rapakivi.
- They are often multiply mantled (orthoclase core, plagioclase rim, possibly a quartz edge).
- Geologically, they clearly show that crystallization proceeded in multiple phases.
- Significance for petrography: Such structures are referred to as the “Rapakivi texture” and are eponymous.

Sketch of the main features of Rapakivi granite
Logging Requirements
To log this EarthCache, please answer the questions under A) below and send them to me via Message Center or email. Please do not mention your answers in your log. Also note the photo requirements under B).
A) Answer the following questions:
- Examine the facade at the listing coordinates. Focus on the area between the large rounded crystals. What color is the matrix? What dominates there, quartz or biotite?
- Find a particularly large ovoid on the facade. Measure its diameter and describe whether the shape is more round, oval, or irregular. Please also take a clearly recognizable photo of this ovoid and send it to me with your answers (please do NOT upload it with your log).
- Now look at the left stone slab beneath the left shop window (see spoiler photo) and find the four marked ovoid areas A, B, C and D. For all four, answer the following questions:
- Which of the four areas show a distinct plagioclase rim?
- Which of the four areas has the roundest ovoid(s)?
- Can you identify anything special inside the orthoclase core in any of the four areas? If so, in which area, and what exactly do you see?

Photo for Question 3
B) Take a photo and attach it to your log:
- Please also take a photo that must show your geocaching nickname and the facade with the house number 25, as in the sample photo without giving away the answers to question 3. Photos that do not meet these requirements, or photomontages where the nickname has merely been written into the image, are not permitted.

Log photo requirements
You do not need to wait for a reply from me to log. However, I reserve the right to delete logs without answers/photo or with a photo that does not meet the requirements.
Quellen/Sources:
- Wikipedia (https://en.wikipedia.org/wiki/Rapakivi_granite)
- TG Granit Oy (https://www.tggranit.fi/granite/granite-types/baltic-brown-bb/)
- JSJ Geology (https://www.jsjgeology.net/Rapakivi-granite-decorative-stone.htm)
- Sandatlas (https://sandatlas.org/rapakivi-rotten-stone/)
- Geoheritage / Springer (Scientific Paper)
- Müller 2007 / Geology Today (Wiley)
Quellen der eingebetteten Bilder/Sources of embedded pictures:
- Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/Main_Page)
- CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/)