Geh denken! - Neuhausen-Nymphenburg
Im Rahmen eines Projekttages habe ich mit ein paar Schüler*innen der Q12 einen Rundgang durch Neuhausen-Nymphenburg erarbeitet, der auch auf der Seite der Erinnerungszeichen München erscheinen soll. Damit sich die Arbeit gleich mehrfach lohnt, habe ich mich entschieden, einen Teil der Route auch als Letterbox umzusetzen. Der Virtual Geh denken! kam bisher schon ziemlich gut an und die Masse von gut 300 Wegpunkten macht deutlich, dass da jede Menge Potential für lokale Rundgänge besteht. Diese Letterbox ist somit der erste Ableger und weitere werden sicherlich folgen. Besonderheit hier: Wer die Wegpunkte besucht und dokumentiert, erfüllt zugleich auch die Logbedingungen für den Virtual. Wer ein Foto vom Stempel macht (Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus) muss nicht einmal zu seinen Listingkoordinaten und hat die 15 Fotos beisammen.
Zu diesem Cache:
Eine prinzipielle Frage ist natürlich, wie man die Werte für so einen Cache ermitteln lassen möchte. Die Lebensdaten und Namen der Opfer möchte ich gerne frei angeben und sind in den Wegpunkten mit angegeben. Diese möchte ich auch nicht als bloße "Berechnungsgrundlage" nutzen. Ihr sollt also an den historischen Orten bzw. ehemaligen Lebensmittelpunkten Details in der Umgebung betrachten.
Die wesentlichen Quellen sind das Gedenkbuch der Stadt München, das Stadtarchiv, die Website der Erinnerungszeichen und verschiedene Veröffentlichungen der Geschichtswerkstatt Neuhausen. Die Texte sind teils übernommen, teils von ehemaligen Schüler*innen oder von mir verfasst. Um den Opfern ein Gesicht zu geben sind die Möglichkeiten leider beschränkt. Gerade für Frauen oder Minderjährige ist die Aktenlage oft sehr dürftig. In vielen Fällen liegen nur die Kennkartendoppel der Polizeidienststelle vor, zu deren Mitführen Jüdinnen und Juden ab Ende 1938 gezwungen waren (inkl. Zwangsvornamen, Erkennungsmerkmalen und "J"). Die Hakenkreuze der Dienststempel wurden von mir geschwärzt. Wenn private Aufnahmen erhalten geblieben sind, werden diese Bilder vorzugsweise genutzt, da sie die Opfer auch als Menschen und nicht als Objekt staatlicher Willkür zeigen.
Die Route führt durch den Stadtbezirk 9 "Neuhausen-Nymphenburg", war ursprünglich etwas länger geplant und konzentriert sich nun auf Neuhausen. Die reine Wegstrecke beträgt ca. 4km und sollte mit Zeit für Beobachtungen etwa 1,5h in Anspruch nehmen. Im Listing erhaltet ihr verschiedene Informationen zu den Wegpunkten - Lesen lohnt sich also mal.

S1: Stolpersteine Volkartstraße 40

Hermann und Cäcilie Veit
Hermann Veit war kaufmännischer Angestellter und Dekorateur und wurde am 29.09.1890 in Busenhausen, Kr. Koblenz geboren. Er diente von 1915 bis 1918 als Pionier bei der Flieger-Ersatzabteilung Fürth. Er betrieb von Oktober 1924 bis Januar 1925 einen Verkauf von Spielwaren und arbeitete später als Schaufensterdekorateur für Sally Eichengrün und als Schriftenmaler.
Cäcilie Zirele Veit wurde am 24.04.1893 in Rzeszów, Galizien, geboren und heiratete Hermann Veit am 27.12.1917 in München
Beide Söhne emigrierten im Februar 1939 mit einem Kindertransport nach London.
Hermann Veit wurde gemeinsam mit seiner Ehefrau am 20.11.1941 nach Kaunas deportiert und dort am 25.11.1941 ermordet.
Thilde Veit
hat hier einen Stolperstein erhalten und soll die Schwester von Hermann sein. Allerdings findet sich in den Akten kein Hinweis auf sie. Sie ist auch nicht auf der Deportationsliste aus dem Stapo-Bereich München nach Riga aufgeführt und ist somit auch nicht unter den Opfern der Erschießungen in Kaunas. Ich kann mir nicht erklären, wie die Initiative Stolpersteine auf ihren Namen gekommen ist, werde da aber mal nachhaken.
Hedwig Mayer (geboren am 17.09.1878 in Bamberg) und Maria Aub ( 21.04.1877 in Bamberg, verwitwet)
Der Vater Jakob Kupfer, Seidenfabrikant in Bamberg, wurde am 18.12.1846 in Neuhaus, Unterfranken geboren und starb am 18. 12.1881 in Bamberg. Die Mutter Ottilie Bayer wurde am 18.12.1854 in Fürth geboren.
Marias Sohn Richard emigrierte im November 1934 nach Paris, von dort später nach New York, er starb im Dezember 1993 in Hamden, New Haven County, Connecticut. Ihr Sohn Max emigrierte ebenfalls nach New York, er starb im Juni 1992 in Bretwood, Suffolk, New York.
Hedwig hatte 29.12.1902 Richard Mayer geheiratet. Dieser war Apotheker in der Herzog-Albert-Apotheke und starb am 18.04.1939 in München. Die Ehe galt als Mischehe.
Die Schwestern begangen gemeinsam Suizid, als sie den Deportationsbefehl nach Kaunas erhielten.
Alice Steudler
Hausgehilfin, geboren am 25.05.1903 in Nürnberg, geschieden. Sie lebte seit dem 04.03.1940 im Haushalt der Familie Mayer in der Volkartstraße 40. Auch sie wurde am 20.11.1941 aus München nach Kaunas deportiert und am 25.11.1941 ermordet.
Gesucht ist für A das Wort auf dem Schild rechts von der Hausnummer an der Fassade.
S2: Erinnerungszeichen Leonrodstraße 33

Oskar und Meta Fleischhacker
Oskar Fleischhacker war ein Münchner Bankprokurist. Er wurde am 24. Januar 1890 in Siegburg geboren, machte nach der Realschule eine Ausbildung zum Bankbeamten und arbeitete in diesem Beruf bis er 1915 als Frontkämpfer in den Ersten Weltkrieg eingezogen wurde. 1919 heiratete er Meta Holzer. Das Paar zog 1920 nach München. Im selben Jahr wurde ihr Sohn Waldemar geboren, Sohn Werner kam 1922 zur Welt.
Am 5. Juli 1922 zog die Familie in die Leonrodstraße 33/II. Inzwischen arbeitete Oskar Fleischhacker als Prokurist beim Bankhaus Heinrich und Hugo Marx in der Maffeistraße 3. Ab 1937 wurde das Leben für die Fleischhackers in München immer schwieriger. Am 1. Juli 1937 musste die Familie in eine Übergangswohnung in die Donnersbergerstraße 1 ziehen.
Da Oskar und Meta Fleischhacker die drohende Gefahr durch die Nationalsozialisten rechtzeitig erkannt hatten, war ihr jüngster Sohn Werner zu diesem Zeitpunkt bereits zu einem Onkel nach Palästina emigriert. Um auch Waldemar in Sicherheit zu bringen, schickten ihn seine Eltern im August 1937 im Alter von 16 Jahren allein zu einem Cousin nach Chicago.
1938 verlor Oskar Fleischhacker durch die „Arisierung“ des Bankhauses Heinrich und Hugo Marx seine Anstellung und schaffte es als Jude nicht, eine neue Arbeit zu finden. Vor der „Reichskristallnacht“ besuchten Meta und Oskar Fleischhacker ihren Sohn Werner in Palästina. Sie hätten dort bleiben können, entschieden sich aber zur Rückkehr nach Deutschland, um anderen Familienmitgliedern bei der Emigration zu helfen.
Ende 1938 wurde Oskar Fleischhacker verhaftet und kurzzeitig im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Noch 1941 bemühte das Paar sich vergeblich um Visa für die USA. Am 13. März 1942 mussten Oskar und Meta Fleischhacker in eine Sammelunterkunft in der Lindwurmstraße 125 ziehen. In den frühen Morgenstunden des 4. April 1942 wurden beide in das polnische Ghetto Piaski deportiert. Wann und wo Oskar und Meta Fleischhacker ermordet wurden, ist bis heute unklar.
(Text Clara Morris; Lektorat C. Fritsche, W-Seminar Erinnerungskultur 2022-24)
Gesucht ist für B die Anzahl der weißen Klingelknöpfe.
S3: Stolperstein Leonrodstraße 32

Emma Charon, geb. Ansbacher
Sie wurde am 06.11.1873 in Wilhermsdorf, Kr. Neustadt a.d. Aisch, geboren und starb am 21.12.1938 in München.
Am 04.04.1897 heiratete sie in Nürnberg den Kaufmann Max Charon, geboren am 02.12.1865 in Mainbernheim. Seit dem 05.07.1911 lebten sie auf der Leonrodstraße 32, wo sich auch das Büro der Kalkwerke Eschenlohe befand, deren Direktor Max Charon war.
Kinder
- Willy, geboren am 06.03.1898 in München
- Siegbert, geboren am 04.10.1902 in München
- Fritz David, geboren am 10.08.1907 in München
- Helene Regina, geboren am 02.04.1910 in München
Sohn Fritz David starb bereits als Kleinkind am 31.01.1908 in München. Tochter Helene heiratete im Februar 1937 in München den Kaufmann Max Glassmann; bei Ihnen wohnte Emma Charon am Lebensende in der Siegfriedstraße 3. Das Ehepaar Glassmann emigrierte im Juli 1939 über London nach New York.
Sohn Willy lebte in Augsburg, dort war er als Teilhaber der Bauartikel-Großhandlung Scharrer & Heck tätig. Er emigrierte ca 1939/40 nach Shanghai, später lebte er in den USA. Die geplante Ausreise seiner Ehefrau Gertrud mit den Kindern Erika und Günther schlug fehl. Die drei wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet. Willy Charon starb am 28.09.1966 in Dallas, Texas. Sein Grab befindet sich auf dem dortigen Emanu-El Cemetery.
Sohn Siegbert - er leitete mit seiner Schwester Helene die Strickwarenfabrik Charon & Co in München - emigrierte nach New York, er starb am 03.07.1962 in North Hempstead, Nassau County, New York.
Quelle: Gedenkbuch der Stadt München
Gesucht ist für C die zweistellige Zahl auf dem Abflussdeckel in der Nähe.
S4: Erinnerungszeichen Jutastraße 24

Max und Sylvia Klar – Jüdisches Paar im Widerstand
Max Klar, geboren am 20. Dezember 1875 in Weimar, und Sylvia Klar, geboren am 26. März 1885 in München, waren ein jüdisches Paar, das sich mutig gegen das Nazi-Regime stellte. Max, ein Arzt mit Praxis in München, war als Jude und Pazifist ein besonderes Ziel der Nationalsozialisten. Er unterstützte Regimegegner wie Wilhelm Hoegner, dem er 1933 bei der Flucht half. 1933 wurde er erstmals verhaftet und kurzzeitig in München inhaftiert. Während der Reichspogromnacht 1938 wurde er erneut festgenommen und nach Dachau gebracht, wo er am 30. November 1938 starb, weil ihm die Diabetes-Behandlung verweigert wurde.
Sylvia Klar, die Max 1910 geheiratet hatte und die seine politischen und pazifistischen Überzeugungen teilte, lebte mit ihm seit 1931 in der Jutastraße in München. Am 1. Dezember 1939 wurde sie verhaftet und als politische Gefangene nach Ravensbrück gebracht. 1940 wurde sie beschuldigt, Freunde bei der Emigration unterstützt zu haben, indem sie ihnen half, Vermögen ins Ausland zu bringen. Im März 1941 verurteilte sie ein Münchner Gericht zu vier Monaten Haft und einer Geldstrafe von 1.000 Reichsmark. Im April 1941 wurde sie erneut ins KZ Ravensbrück deportiert. Dort wurde sie später als arbeitsuntauglich selektiert und am 9. Juni 1942 in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet.
Max und Sylvia Klar zeigten durch ihren Widerstand und ihre Menschlichkeit außergewöhnlichen Mut.
Gesucht ist für D die Anzahl der senkrechten Holzlatten links vom Erinnerungszeichen.
Da hier gerade gewerkelt wird und das Erinnerungszeichen abgebaut ist, gebe ich den Wert vor: D=9
S5: Platz der Freiheit

Der Platz wurde 1927 nach Reichspräsident Paul von Hindenburg benannt. 1946 benannte der Stadtrat den Platz in Platz der Freiheit um.
Der Gedenkstein mit der Inschrift „Den Opfern im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ stand ursprünglich seit 1962 auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus an der Brienner Straße. 1985 wurde dieser Stein an den Nordrand des Platzes der Freiheit versetzt. Der Platz der Freiheit blieb jedoch als Ort der Erinnerung jahrzehntelang weitgehend unbeachtet und verwahrloste zunehmend.
Das Widerstandsdenkmal wurde im Juli 2016 eröffnet. Die insgesamt 13 Stelen präsentieren Portraits und Biographien von Menschen, die sich aus verschiedenen Motiven und auf unterschiedliche Weise dem Nazi-System in Wort und Tat widersetzten.
Laut Beschluss des Münchner Stadtrats soll das Memorial bis 2027 erhalten bleiben, auch wenn sich aus der Münchner Zivilgesellschaft Forderungen nach dem dauerhaften Erhalt des Denkmals häufen.
Eine Stele der Frontseite an der Leonrodstraße informiert über das WiderstandsDenkmal. Dann folgen im Gegenuhrzeigersinn 12 Stelen, die 14 Personen gewidmet sind:
- Franz Fellner (1922–1942) war Bäcker und Deserteur der Kriegsmarine.
- Josefa Mack (1924–2006) gehörte den katholischen Armen Schulschwestern an.
- Sylvia Elvira Klar (1885–1942) und Max Klar (1875–1938) waren Ehepartner und Fluchthelfer von Wilhelm Hoegner.
- Ludwig Linsert (1907–1981) war sozialdemokratischer Gewerkschafter.
- Martina Partsch (1896–1968) gehörte den Zeugen Jehovas an.
- Otto Kohlhofer (1915–1988) war Mechaniker und Kommunist.
- Walter Klingenbeck (1924–1943) war Lehrling bei Rohde & Schwarz.
- Ernst Lörcher (1907–1991) war Studierender und Aktivist.
- Karl Schörghofer (1879–1962) war christlicher Verwalter des jüdischen Friedhofs in München und rettete jüdische Menschenleben, geehrt als Gerechter unter den Völkern.
- Marie-Luise Jahn (1918–2010) setzte die Arbeit der Weißen Rose fort.
- Michail Kondenko (1906–1944) war ein Major der Roten Armee und Zwangsarbeiter in Nazi-Deutschland.
- Emma Hutzelmann (1900–1944) und Hans Hutzelmann (1906–1945) waren deutsche Kommunisten.
Gesucht ist für E die Anzahl der jüdischen Menschen, die Karl Schörghofer versteckte.
S6: "Judenhaus" Frundsbergstraße 8

Das Anwesen in der Frundsbergstraße 8 wurde als „Judenhaus“ bekannt. Dieser Begriff bezeichnet ein ghettoartiges Gebäude, in welchem während der Nazizeit jüdische Familien in großer Zahl auf engem Raum zusammengepfercht wurden. Diese Art der Unterbringung war eine Maßnahme, um die Arisierung der deutschen Städte voranzutreiben und die Wohnungsnot zu bekämpfen. Zu diesem Zwecke wurden jüdische Familien häufig enteignet und die Häuser zur Unterbringung für eine Vielzahl von Juden genutzt.
Das hiesige Anwesen war Eigentum der Familie Pelz, deren Mitglieder nach und nach vor allem in die Vereinigten Staaten emigrierten. Ab 1941 fiel das Haus in „arischen“ Besitz, wurde jedoch nach der Gründung der BRD in den Besitz der Familie Pelz zurückgeführt. Diese verkaufte es allerdings 1955, nachdem sie, wie ein Großteil der emigrierten jüdischen Familien, keine Verbindung nach Deutschland mehr hatten oder zu haben wünschten.
Ab 1939 lebten unter dieser Adresse verschiedene Familien, welche später dem Holocaust zum Opfer fielen:
Max Fried (geb. 12.10.1879) und Lilli Fried (geb. 27.04.1887) lebten dort ab Februar 1939 und wurden am 13.03.1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie kurze Zeit darauf ermordet wurden
David Pappenheimer (geb. 31.07.1880) und Martha Pappenheimer (geb. 07.03.1889) lebten ebenfalls ab Februar 1939 in der Frundsbergstraße 8. Sie wurden am 20.11.1941 nach Kaunas deportiert und am 25.11. desselben Jahres dort ermordet.
Siegfried Eppstein (geb. 02.10.1895) und Henriette Eppstein (geb. 20.01.1902) bewohnten das Haus ab April 1939. Ihre Deportation nach Piaski fand am 04.04.1942 statt, Siegfried wurde am 22.05.1942 in Majdanek ermordet, über Henriettes Verbleib ist seit ihrer Deportation nichts mehr bekannt.
Olga Kohn (geb. 18.09.1878) und Töchter Elisabeth Kohn (geb. 11.02.1902; Anwältin) und Marie Luise Kohn (geb. 25.01.1904); Künstlerin) zogen im September 1939 in das Haus. Sie wurden gemeinsam am 20.11.1941 nach Kaunas deportiert, ihre Ermordung fand fünf Tage darauf statt.
Emma Swiadoschz (geb. 05.01.1874) lebte ebenfalls ab September 1941 dort. Am 17.07.1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 18.06.1944 ermordet wurde.
Julie Haenlein (geb. 27.04.1879) zog im Oktober in der Frundsbergstraße 8 ein. Sie wurde am 04.04.1942 nach Piaski deportiert, ihr Todestag bleibt jedoch ungeklärt.
Elisabeth Heims (geb. 25.07.1895) lebte ab April 1941 im „Judenhaus“ und wurde am 20.11.1941 nach Kaunas deportiert und dort vermutlich am 25.11.1941 ermordet.
Else Lewin (geb. 14.02.1889) zog im Oktober 1941 ein und wurde nur einen Monat später ebenfalls am 20.11.1941 nach Kaunas deportiert und zusammen mit einigen ehemaligen Bewohnern des Hauses am 25.11.1941 erschossen.
Gesucht ist für F die Zahl der goldenen Kreise einige Meter oberhalb der Hausnummer.
S7: Erinnerungszeichen Ysenburgstraße 7

Frieda Frank (geb. Hänlein) erblickte am 27.04.1871 in Fürth das Licht der Welt. Sie stammte aus einer jüdischen Familie und war Tochter von Karoline Hänlein (geb. Hartmann) sowie Max Hänlein. Am 16. April 1893 heiratete sie den Kaufmann Benedikt Frank, welcher ebenfalls aus einer jüdischen Familie stammte. Frieda und Frank bekamen zusammen zwei Söhne. Seit dem 1. April 1915 lebte die Familie im dritten Stock der Ysenburgstrasse 7. Benedikt Frank starb am 12. Juni 1934 im Alter von 76 Jahren. Kurz vor Kriegsbeginn gelang es ihren beiden Söhnen in August 1939 in die USA zu emigrieren. Seit dem 1. August 1939 lebte Frieda Frank in einem jüdischen Altenheim in der Mathildenstrasse 9. Als sich die Situation für Jüdinnen und Juden in Deutschland immer weiter zuspitzte, bemühte sie sich ebenfalls im Frühjahr 1941 um die Emigration in die USA zu ihren Söhnen. Dieser Versuch scheiterte jedoch, woraufhin sie gezwungen wurde, in das Barackenlager in der Knorrstrasse 148 in Milbertshofen zu ziehen, welches ein "Durchgangslager" für Abschiebungen in den Osten darstellte. Am 24. Juni wurde sie nach Theresienstadt transportiert. Knapp drei Monate später wurde Frieda Frank am 19. September 1942 von Theresienstadt in das Vernichtungslager Treblinka gebracht, wo sie nach ihrer Ankunft ermordet wurde.
(Text: Amélie Beij, Lektorat C. Fritsche, W-Seminar Erinnerungskultur 2022-24)
Gesucht ist für G die Anzahl der Blütenblätter der Blume auf der Zaunkrone rechts vom Erinnerungszeichen.
S8: Stolperstein Ysenburgstraße 2


Georgine Fischhoff wurde am 09.04.1877 in Wien geboren und zog am 02.11.1898 nach München. Sie war akademische Bildhauerin und Malerin. Auf der Ysenburgstraße 2 hatte sie ein Atelier im Dachgeschoss. Sie wohnte zunächst auf der Schwanthalerstraße 41 und ab dem 16.05.1942 auf der Ysenburgstraße. Am 20.04.1943 wurde sie zunächst aus München nach Theresienstadt deportiert. Von dort aus wurde sie schließlich am 06.09.1943 nach Auschwitz gebracht, wo sie ermordet wurde.
Gesucht ist für H die Farbe des Pflastersteins direkt rechts neben dem Stolperstein.
S9: Erinnerungszeichen Johann-von-Werth-Straße 2 - 4

In der Johann-von-Werth-Straße lebten mehrere jüdische Münchnerinnen und Münchner, deren Schicksale exemplarisch für die Verfolgung im Nationalsozialismus stehen.
Hier wohnte das Ehepaar Arthur und Paula Dreyer, bevor es 1940 zwangsweise in ein möbliertes Zimmer in der Pension Patria in der Goethestraße umziehen musste. Arthur Dreyer war ein angesehener Orthopäde, der 1933 seine Praxis schließen musste. Die beiden wurden mehrfach von der Gestapo schikaniert und ihrer Besitztümer beraubt. Trotz aller Repressionen hielt der nichtjüdische Nachbar Hanns Ebner an seiner Freundschaft mit dem Ehepaar fest und unterstützte Arthur Dreyer heimlich mit Lebensmitteln, als dieser im "Judenlager Milbertshofen" untergebracht war – ein seltener Akt von Menschlichkeit in unmenschlicher Zeit. Nach Paulas Tod 1940 wurde Arthur Dreyer 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er ein Jahr später verstarb.
Ebenfalls in dieser Straße lebte der jüdische Rechtsanwalt Hugo Rothschild, ein hochdekorierter Kriegsveteran. Auch er wurde 1938 inhaftiert, durfte danach nur noch jüdische Mandant*innen vertreten. 1945 wurde er verhaftet, weil er eine untergetauchte Bekannte unterstützt hatte. Kurz darauf starb er im KZ Dachau.
Ludwig Frank, ein jüdischer Studienprofessor aus München-Neuhausen, wurde Opfer antisemitischer Denunziation, verlor 1936 seine Stelle und wurde wegen des Vorwurfs der "Rassenschande" verhaftet und 1940 ins KZ Sachsenhausen gebracht und dort ermordet. Auch sein Schicksal steht für die systematische Ausgrenzung jüdischer Bildungsträger in dieser Zeit.
Gesucht ist für I die Summe aus der Anzahl Buchstaben des roten Wortes am Klingelschild am Haus Nr. 4 + Anzahl Kellerfenster des Hauses Nr. 3 + Anzahl "Kreuzungen" in einem Kellerfester des Hauses Nr. 2 (="U-Muttern").
S10: Denkmal Altenwohnheim Renataheim Jagdstraße


Die Jagdstraße 8 in München, das sogenannte Renataheim, war in den 1930er- und frühen 1940er-Jahren ein Wohn- und Zufluchtsort für ältere jüdische Menschen – viele von ihnen wurden später Opfer der NS-Verfolgung.
Rosa Adler (geb. 1855 in Cannstatt) lebte ab 1932 im Heim und starb 1935 in München.
Pauline Bacharach (geb. 1864 in Mainstockheim) wohnte dort bis 1938, wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort wenige Tage später.
Olga Heilbrunn (geb. 1873 in Hamburg) wurde im Juli 1942 ebenfalls nach Theresienstadt verschleppt und kam dort ums Leben.
Rosa Künstler (geb. 1877 in München) wurde 1940 aus der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar in die Tötungsanstalt Hartheim deportiert und dort ermordet.
Julie Mai (geb. 1859 in München) lebte zwischen 1935 und 1939 im Renataheim und nahm sich am 24. April 1942 das Leben, vermutlich aus Angst vor der Deportation.
Pauline Neuburger (geb. 1868 in Bayreuth) starb 1942 in München.
Diese Schicksale machen das Renataheim zu einem wichtigen Ort des Gedenkens an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt. Hier vor Ort (Jagdstraße 14) erinnert ein Gedenkstein vor dem Nachkriegsgebäude an das ehemalige Altenheim.
Gesucht ist für J die Summe aus der Anzahl Säulen und der Anzahl Lampen im Eingangsbereich.
S11: Ehemaliges Säuglingsklinikum Lachnerstr. 39
Julius Spanier



Dr. Julius Spanier (1880–1959)
Zwischen 1960 und 2002 erinnerte eine Gedenktafel in der Säuglingsklinik Lachnerstraße 39 an Dr. Julius Spanier, einen engagierten Kinderarzt, der die Säuglings- und Kinderfürsorge in München maßgeblich prägte. Seit 2002 ist diese Gedenktafel nun in der Kinderklinik des Klinikums Dritter Orden (Franz-Schrank-Straße 8) zu finden und die ehemalige Klinik wurde in Privatwohnungen umgewandelt. Hier gibt es also vor Ort nicht mehr viel zu sehen.
Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Sanitätsoffizier war Spanier ab 1919 Schularzt und führte eine Kinderarztpraxis in der Müllerstraße 20. Er war Mitbegründer der Münchner Säuglingsvorsorge und Mitglied der Gesellschaft für Kinderheilkunde und maßgeblich daran beteiligt, die Säuglingssterblichkeit in München von knapp 25% auf nur noch 4% zu senken. 1933 wurde er jedoch aufgrund seiner jüdischen Herkunft aus allen Ämtern entlassen.
Nachdem jüdischen Ärzten 1938 die Approbation entzogen wurde, durfte er nur noch als „Krankenbehandler“ für jüdische Patient*innen arbeiten. 1939 wurde er Leiter des Israelitischen Krankenheims in der Hermann-Schmid-Straße und versorgte auch Zwangsarbeiter in der Flachsröste Lohhof sowie Insassen im Sammellager Berg am Laim.
Am 4. Juni 1942 wurden er und seine Frau Zipora Spanier (geb. Knoll, 1886–1970), zusammen mit Patienten und Pflegepersonal nach Theresienstadt deportiert. Dort pflegten sie unter schwierigsten Bedingungen Kranke und Sterbende und überlebten.
1945 kehrte das Ehepaar nach München zurück. Julius Spanier wurde kommissarischer Leiter des Ärztlichen Bezirksvereins und war von 1946 bis 1955 Chefarzt des Säuglingskrankenheims Lachnerstraße 39. Als Präsident der wiedergegründeten Israelitischen Kultusgemeinde München (1945–1951) gehörte er auch dem Bayerischen Senat an und engagierte sich in der christlich-jüdischen Zusammenarbeit. 1953 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.
Schon die Glückwünsche zu seinem 75. Geburtstag 1955 verdeutlichen, welch hohes Ansehen Julius Spanier bis zu seinem Lebensende genoss. Der bei den Feierlichkeiten anwesende Staatssekretär Dr. Meinzolt erklärte in seiner Glückwunschrede, „wenn heute alle diejenigen, die im Leben Gutes von Ihnen erfahren haben und Ihnen Dank wissen, hier versammelt wären und ihre Stimme zu Ihrem Lob erheben würden, dann würde der Chor des Dankes die Wände dieses Hauses sprengen“.
Die Münchner Schriftstellerin Gerty Spies, die mit ihm nach Theresienstadt deportiert worden ist, würdigt Julius Spanier in ihren Erinnerungen. Sie beschreibt nicht nur seinen aufopfernden Einsatz für die Kranken im Lager, sondern auch, dass dieser im Krankenhaus immer als „der Sonnenschein“ bezeichnet worden sei, weil er selbst die Schwerkranken noch aufzumuntern pflegte. Gerty Spies erzählt auch, warum Spanier nach den Schrecken der Schoa eine Neuanfang in seiner Heimatstadt wagte: „ ,Ich habe alles vergessen´, pflegte er leichthin zu sagen. Aber das hab ich ihm nie geglaubt. Der Jude in ihm konnte, durfte und wollte auch nicht vergessen. Aber sein gütiges Herz hatte verziehen, und sein weitblickender Geist war aus dem Erleben über das Erleben emporgewachsen.“
Die Beerdigung von Julius Spanier im Januar 1959 fand über München hinaus große Anteilnahme. Der Priester und KZ-Überlebende Dr. Emil Muhler, ein Freund Spaniers, ehrte sein jahrelanges Engagement zur Versöhnung mit den Worten: „Dr. Spanier ist tot, aber sein Geist darf nicht sterben“. (Quelle: Jüdisches Museum München, 2013, NS-Dokuzentrum, Erinnerungszeichen)
Gesucht ist für K der Name des Hauses am Wegpunkt (3 Wörter)
S12: Erinnerungszeichen Wendl-Dietrich-Straße 54

Im Rahmen einer Kooperation erarbeiten Auszubildende der GEWOFAG gemeinsam mit Public History München die Biografien von ehemaligen Bewohnern von Genossenschaftswohnungen und bereiten zum Abschluss der Recherchen Erinnerungszeichen vor. So gibt es auf der Wendl-Dietrich-Straße gleich drei Adressen mit Erinnerungszeichen, die aber weit genug voneinander entfernt sind, um einzelne Wegpunkte zu erstellen.
In der Nummer 54 lebten Adolf (Wolf) Freitag und Rudolf Gottlieb.
Adolf Freitag kam am 19. Oktober 1880 in Heilbronn als Sohn von Simon und Rosa Freitag, geborene Strauss, zur Welt. Nach Abschluss seiner Lehre wurde er selbstständiger Kaufmann und lebte 1904/05 mehrere Monate in der Schweiz. 1911 heiratete Adolf Freitag in Breslau Katharina Lemcke und bekam mit ihr zwei Töchter: Susanne und Ingeborg (Inge). Nach einer kurzen Zeit in Stuttgart zog die Familie 1913 nach München. Am Ersten Weltkrieg nahm Adolf Freitag von 1915 bis 1918 als Obergefreiter im 15. königlich-bayrischen Reserveregiment Infanterie teil. Nach Kriegsende kehrte er nach München zurück und war wieder als selbstständiger Kaufmann tätig.
Nach der Scheidung von seiner ersten Frau heiratete Adolf Freitag 1927 Helene (Hella) Geßner. Die beiden hatten sich vermutlich bei einer Tanzveranstaltung in der Wohnung von Hella Freitags Mutter kennengelernt. Den Erinnerungen seiner Familie zufolge war Adolf Freitag ein hervorragender Klavierspieler, während Hella und ihre Schwestern einer bekannten Münchner Sing- und Tanzgruppe angehörten. Das neuvermählte Paar lebte gemeinsam mit Hella Freitags Tochter aus erster Ehe Helene (Halka) unter anderem in der Jagdstraße 5 in der Nähe des Rotkreuzplatzes. 1935 zog die Familie in die Siedlung der Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG in Neuhausen in den zweiten Stock der Wendl-Dietrich-Straße 54.
Weil er Jude war, musste Adolf Freitag nach Beginn des NS-Regimes seine Stellung als Bezirksdirektor bei der Gisela-Versicherung aufgeben und einen „untergeordneten Vertreterposten“ annehmen, so seine Frau. Im Zuge der „Kristallnacht“ wurde er am 10. November 1938 in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Einen Tag später kündigte die GEWOFAG ihm und seiner „arischen“ Frau „mit sofortiger Wirkung“ die Wohnung in der Wendl-Dietrich-Straße 54: „Auf Grund der inzwischen eingetretenen Verhältnisse kann uns deutschen Hausbesitzern und Mietern nicht mehr zugemutet werden, mit Juden die Hausgemeinschaft aufrecht zu erhalten.“ Am 19. Dezember 1938 wurde Adolf Freitag „kahlgeschoren und innerlich zerrissen“ aus dem KZ freigelassen, wie sich seine Frau später erinnerte. Er kam zunächst bei seinem Bruder David in der Platenstraße 4 unter. Ab 1942 musste er Zwangsarbeit in einem Kohlelager der Luftwaffe leisten.
Vermutlich weil er versuchte, ins Ausland zu entkommen und vermeiden wollte, dass seine Frau Schwierigkeiten mit dem NS-Regime bekam, ließ sich Adolf Freitag 1942 von Hella Freitag scheiden. Die rettende Flucht gelang ihm jedoch nicht: Am 13. Januar 1944 wurde Adolf Freitag in das Ghetto Theresienstadt deportiert und am 9. Oktober 1944 in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Dort wurde Adolf Freitag am 12. Oktober 1944 oder in den Folgetagen ermordet. (Text: David Scheffel, Azubi bei der GEWOFAG; Lektorat C. Fritsche, Website Erinnerungszeichen)
Rudolf Gottlieb kam am 4. Oktober 1888 im österreichischen Judenburg als Sohn des Kaufmanns Wilhelm Gottlieb und seiner Frau Therese, geborene Politzer, zur Welt. Er wuchs mit seinem Bruder Leopold auf. 1914 zog Rudolf Gottlieb nach München und lebte dort unter anderem im ersten Stock der Klenzestraße 31. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau Luise Wilhelmine May heiratete er 1928 die aus Amberg stammende Barbara Breitschaft. Drei Jahre später bekam das Paar einen Sohn: Reinhold Werner. Kurz nach seiner Geburt zog die kleine Familie am 4. August 1931 in die Siedlung der Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG in Neuhausen in eine zweieinhalb-Zimmer-Wohnung im ersten Stock der Wendl-Dietrich-Straße 54.
Rudolf Gottlieb war als Vertreter in verschiedenen Branchen tätig: Von 1924 bis 1933 war er im Gewerberegister als Vertreter für Gummiabsätze eingetragen und hatte ab 1932 sein Büro in der Wendl-Dietrich-Straße 54, wo er auch wohnte. Zwischen 1933 und 1936 war Rudolf Gottlieb als Vertreter für Lebensmittel tätig, unter anderem für eine Backmittelfabrik in Breslau. Daneben war er ebenfalls ab 1933 Vertreter für elektrische Bedarfsartikel. Mit rund 600 Reichsmark pro Monat hatte Rudolf Gottlieb ein gutes Auskommen. Er besaß sogar ein Auto für Geschäftsreisen, damals eine große Ausnahme.
Vermutlich um der Verfolgung als Jude in Deutschland zu entgehen, zog Rudolf Gottlieb Mitte 1936 zu seinem Bruder nach Graz, ohne seine „arische“ Frau Barbara und seinen knapp fünf Jahre alten Sohn. Als Altwarenhändler verdiente er dort täglich zwischen sechs und zehn Schillinge – gerade genug für seinen Lebensunterhalt. Er fürchtete allerdings: „Als Jude werde ich voraussichtlich geschäftlich immer mehr Schwierigkeiten haben.“ 1939 wurde die Ehe mit Barbara Gottlieb geschieden; sie war vermutlich unter Druck gesetzt worden, um die „Mischehe“ zu lösen.
Rudolf Gottlieb ging später nach Amsterdam. Wann und warum, ist unklar. Vielleicht brachte ihn der „Anschluss“ Österreichs an Deutschland im März 1938 dazu, erneut vor den Nationalsozialisten zu fliehen. Am 19. Dezember 1938 wurde Rudolf Gottlieb zusammen mit mehr als 200 anderen Flüchtlingen aus Deutschland festgenommen und ins Gefängnis Norg in Veenhuizen gebracht. Wenig später kam er ins Flüchtlingslager Hellevoetsluis. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Niederlande war Rudolf Gottlieb erneut der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt – diesmal endgültig. Am 6. Januar 1944 wurde er in Kamp Westerbork eingeliefert und von dort aus am 18. Januar 1944 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Wenige Tage vor seinem 56. Geburtstag kam Rudolf Gottlieb am 1. Oktober 1944 ins Konzentrationslager Auschwitz. Sein genauer Todestag ist bis heute unbekannt. Nach dem Krieg erklärte ihn das niederländische Rote Kreuz auf den 3. Oktober 1944 für tot. (Text: Anton Hofer, Azubi bei der GEWOFAG; Lektorat: C. Fritsche - Website der Erinnerungszeichen)
Gesucht ist für L die Nummer des Stromkastens.
S13: Erinnerungszeichen Wendl-Dietrich-Straße 38

Hier lebten Martin und Bella Stein.
Martin Stein kam am 17. Februar 1877 als Sohn des Kaufmanns Max Stein und seiner Frau Henriette, geborene Knoche, in Pless im heutigen Polen zur Welt. Am 1. Januar 1897 zog er von Kattowitz nach München und war dort vermutlich als Kaufmann tätig. Zwischen 1914 und 1918 kämpfte er als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg. Nach Kriegsende heiratete Martin Stein am 16. Dezember 1919 in Laupheim Bella Bernheim. Sie war dort am 5. Februar 1889 als drittältestes Kind des Viehhändlers Jakob Bernheim und seiner Frau Peppi, geborene Nördlinger, zur Welt gekommen. Das junge Ehepaar zog in München zunächst in den ersten Stock der Kratzerstraße 31 im Stadtteil Gern. Am 8. Oktober 1920 bekamen Martin und Bella Stein eine Tochter: Bertha. Sie besuchte bis April 1936 das Lyzeum an der Luisenstraße und anschließend die Städtische Berufsschule für Stickerinnen an der Weilerstraße.
Am 1. Juli 1931 zog die Familie Stein in die neue Siedlung der Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG in Neuhausen in eine Wohnung im zweiten Stock der Wendl-Dietrich-Straße 38. Martin Stein, der seit 1927 Vertreter für Haushaltsartikel und Lederwaren war, betrieb sein Geschäft zeitweise in dieser Wohnung. Wie es Martin und Bella Stein angesichts der antisemitischen Verfolgung in den ersten Jahren der NS-Herrschaft ging, ist unklar.
Am 26. Oktober 1938 mussten sie ihre Wohnung verlassen und in ein Zimmer zur Untermiete im dritten Stock der Herzogstraße 65 ziehen. Einen Monat später musste Martin Stein sein Gewerbe abmelden. Damit hatte er keine Möglichkeit mehr, Geld für seine Familie und sich zu verdienen. Später musste Martin Stein bei Oskar Buchner Zwangsarbeit als Gartenarbeiter leisten.
Am 13. November 1941 mussten Martin und Bella Stein in die „Judensiedlung Milbertshofen“ ziehen, ein Sammellager an der Knorrstraße 148. Kurz davor gab Martin Stein in einer Vermögenserklärung an, was ihm und seiner Frau nach den Jahren der Ausgrenzung noch geblieben war. Das Ehepaar besaß nur noch einige Kleidungsstücke sowie wenige Möbel, darunter einen Kleiderschrank im Wert von 50 Reichsmark und sechs Stühle für 25 Reichsmark. Nach der Deportation räumte die Polizei das Zimmer von Martin und Bella Stein; die darin enthaltenen Gegenstände wurden vermutlich versteigert.
Martin und Bella Stein sollten eigentlich nach Riga verschleppt werden. Weil das Ghetto dort überfüllt war, wurden sie am 20. November 1941 gemeinsam mit etwa 1.000 weiteren jüdischen Münchnerinnen und Münchnern nach Kaunas deportiert. Dort erschoss die SS am 25. November 1941 alle Verschleppten. Martin Stein wurde 64 Jahre alt, Bella Stein 52 Jahre. Die Tochter von Martin und Bella Stein überlebte: Bertha Stein konnte 1940 in die USA auswandern und heiratete dort den ebenfalls aus München stammenden Helmut Frankenburger. Sie bekam Kinder, wurde später Großmutter und starb im hohen Alter in den USA. (Text: Falko Sellmair, Azubi bei der GEWOFAG; Lektorat: C. Fritsche, Website Erinnerungszeichen)
Gesucht ist für M die Nummer des Parkscheinautomaten.
S14: Erinnerungszeichen Wendl-Dietrich-Straße 30

Über Mary Frohmann ist fast nichts bekannt. Welche Schulen sie besuchte, welchen Beruf sie hatte, warum sie erst spät heiratete – all das geht aus den Quellen nicht hervor. Marie Helene (Mary) Schatz wurde am 4. März 1888 in Bochum geboren. Ihre Eltern waren der Gerichtsvollzieher Ludwig Schatz und seine Frau Pauline, geborene Wilke. Mary Frohmann war Einzelkind. 1923 heiratete sie mit 35 Jahren in München den Kaufmann Leon Levi Frohmann. Er war am 3. April 1887 in Griesheim geboren worden. Mary und Leon Frohmann gehörten der israelitischen Religionsgemeinschaft an. Das Ehepaar blieb kinderlos und lebte seit 1928 in München im Erdgeschoss der Ganghoferstraße 56. 1931 zogen Mary und Leon Frohmann nicht allzu weit weg, in den ersten Stock der Wendl-Dietrich-Straße 30. Beide Häuser befinden sich heute noch im Besitz der Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG.
Mary und Leon Frohmann lebten in guten Verhältnissen und hatten eine Haushälterin. Leon Frohmann war seit 1926 selbstständiger Handelsvertreter für Hütten- und Walzwerkerzeugnisse und war vor allem für die Eisenwerk Laufach AG aus Karlstadt am Main tätig und für die Firma Eugen Laible, eine Bade-Apparate-Fabrik aus Ulm. Aus seinen Steuererklärungen ist ersichtlich, dass sein Geschäft auch in der NS-Zeit gut lief: 1938 verdiente er fast doppelt so viel wie 1934.
Mary Frohmann wurde nur 50 Jahre alt und starb am 26. Juni 1938 nach einem „schweren Krankheitsfall“, so ihr Mann. Ob die Ausgrenzung als Jüdin zu ihrem Tod beigetragen hat, wissen wir nicht. Wenige Monate nach ihrem Tod wurde ihr Mann Leon Frohmann im Zuge der „Kristallnacht“ im KZ Dachau inhaftiert. Nach der Erinnerung seiner Haushälterin kamen am späten Abend des 11. November 1938 Gestapo-Männer in die Wendl-Dietrich-Straße 30 und durchsuchten die Wohnung nach Wertsachen. Dabei nahmen sie etwa 100 Weinflaschen aus dem Keller mit. 1939 floh Leon Frohmann nach Bolivien. Bei der Emigration musste er sein Reisegepäck genau auflisten. Mit dabei: der Ehering seiner verstorbenen Frau Mary. (Text: Sabrina Abdullah, Azubi bei der GEWOFAG; Lektorat: C. Fritsche, Website Erinnerungszeichen, Gedenkbuch der Stadt München)
Gesucht ist für N die Anzahl der weißen Klingelknöpfe.
S15: Renatastraße 36

Siegfried und Rosa Sundheimer
An der Renatastraße 36 ist derzeit noch kein Erinnerungszeichen angebracht, aber im kommenden Schuljahr sollen sich wieder Schüler*innen intensiver mit Opfern des Nationalsozialismus auseinandersetzen und wir werden voraussichtlich ein Erinnerungszeichen für Siegfried Sundheimer und seine Frau beantraten.
Siegfried Sundheimer wurde am 30. Januar 1880 in Regensburg geboren. Er war der Sohn von Theodor Sundheimer, einem Brauereibesitzer in München, und Sophie Sundheimer (geb. Ritter). Am 6. August 1919 heiratete er Rosa Lilie, geboren am 30. Juni 1894, in München. Zusammen hatten sie eine Tochter namens Erna, die am 18. September 1921 in München geboren wurde. Sundheimer besuchte vier Klassen der Realschule. Er war als Textilkaufmann tätig und betrieb bis 1930 gemeinsam mit seinem Bruder Max Meier in der Neuhauserstraße 53 einen Kurz- und Posamentierwarenhandel. Am 1. Dezember 1935 war er im Zuge der sogenannten „Arisierung“ dazu gezwungen, sein Geschäft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren in der Arnulfstraße 107 an seinen Nachfolger Heinrich Hinker zu verkaufen. Seitdem war er nicht mehr berufstätig. Er wurde von seinem in den USA lebenden Bruder Heinrich finanziell unterstützt. 1938 wurde er für mehrere Wochen im KZ Dachau inhaftiert, aber am 23.12.1938 wieder freigelassen. Seine Tochter Erna emigrierte am 14. Januar 1940 nach New York.
Am 20. November 1941 wurde er gemeinsam mit seiner Frau München nach Kaunas deportiert, wo sie schließlich am 25. November 1941 ermordet wurden.
(Quelle: Gedenkbuch der Stadt München)
Gesucht ist für O die Summe aus der Anzahl der Klingelknöpfe und der Nummer des Hydranten.
S16: Erinnerungszeichen Donnersbergerstraße 9

In diesem Haus lebte ab 5. September 1923 die jüdische Familie Gugenheim: llse, ihr Mann Otto und die gemeinsame Tochter Gertrud.
Ilse wurde 1899 in Magdeburg geboren. Otto, Maschinenbauingenieur, stammte aus Esslingen und wurde 1885 geboren. Er sprach Englisch und Französisch, hatte an der Technischen Hochschule studiert und legte dort sein Diplom ab. Gemeinsam bauten sie sich hier in München ein Leben auf. 1925 kam schließlich ihre Tochter Gertrud zur Welt.
Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zerbrach dieses Leben: Otto wurde 1938 nach der Reichspogromnacht ins KZ Dachau verschleppt. Ab 1939 musste die Familie Zwangsvornamen tragen. Auch die damals 13-Jährige Gertrud musste „Sara“ als ihren zweiten Vornamen annehmen. Die Familie versuchte, über England nach Australien zu fliehen, aber ohne Erfolg.
Ilse und Gertrud mussten Zwangsarbeit in der Flachsroste Lohhof leisten - unter schweren Bedingungen auf dem Feld. So mussten sie stundenlang unter direkter Sonneneinstrahlung arbeiten.
Am 20. November 1941 wurden Ilse und Otto Gugenheim mit ihrer Tochter Gertrud nach Kaunas verschleppt und dort nur fünf Tage später erschossen.
(Text: Lily Balling, Lektorat C. Fritsche, W-Seminar Erinnerungskultur 2022-24)
Gesucht ist für P die Summe der Ziffern der Entfernung zwischen Fassade und Hydrantdeckel (H150, weiß-rot, untere Zahl: X,X).
S17: Kaufhaus Schottländer Rotkreuzplatz 2

An dieser Adresse befand sich das Kaufhaus vom Kaufmann Paul Schottländer. Er wurde im Dezember 1877 in Bernburg (Sachsen-Anhalt) geboren. 1909 heiratete er Anna Blumenthal. 1912 verlegte er sein Kaufhaus von der Nymphenburger Str. (heute Maxim Kino) an den Rotkreuzplatz.
Zu Beginn des 1. Weltkrieges musste Paul Schottländer an die Front und übergab die Leitung des Kaufhauses in die Hände seiner Frau. Später wurde er schwer erkrankt in dem Reservelazarett in der Schulstraße untergebracht (heutige Rudolf-Diesel-Schule) das direkt hinter dem Kaufhaus lag.
Zu seinem Erfolg in Neuhausen trug seine persönliche und menschliche Weise bei. Er hatte ein hohes Ansehen, da er nicht nur seine treuesten Kunden beschenkte, sondern er auch regelmäßig Geld an Weihnachten für bedürftige Kinder spendete. Zudem war er sehr sozial und verbrachte viel Zeit mit Nachbarn und Mietern des Rotkreuzplatzes und knüpfte dadurch gute Beziehungen.
Seit Mitte der 1930er Jahre verstärkte sich der Druck auf jüdische Geschäfte. Denn bei der NSDAP- Gauleitung entstand eine eigene Behörde die den Zwangsverkauf von jüdischen Geschäften abwickeln sollte. Paul Schottländer wurde mit Konzentrationslager gedroht, sollte er nicht verkaufen. Daher wurde schließlich Anfang April 1938 ein Kaufvertrag abgeschlossen. Er verkaufte das Kaufhaus für 122.000 Reichsmark was gerade einmal einem Viertel des Kaufpreises entsprach. Am 9. November 1938 gab es eine systematische Zerstörungs- und Plünderungsaktion an jüdischen Geschäften. In derselben Nacht wurde Paul Schottländer ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Die Ereignisse und seine Erfahrungen in der Pogromnacht gaben ihm und seiner Familie den letzten Anstoß, das Land zu verlassen. Auf abenteuerlichen Wegen über Berlin und Moskau, mit der Transsibirischen Eisenbahn und dem Schiff gelangten sie nach Shanghai. Am 20. September 1946 trafen letztlich sie in New York ein. Paul Schottländer hatte Schwierigkeiten, einen neuen Job zu finden und kam nie über den Verlust seiner Neuhauser Existenz hinweg. 1948 verstarb er und sieben Jahre später seine Frau.
Quelle: Geschichtswerkstatt Neuhausen, Spuren jüdischen Lebens in Neuhausen: Antisemitismus und seine Folgen, München, Geschichtswerkstatt Neuhausen, 1995
Gesucht ist für Q die Anzahl der kreisrunden Lampen am Vordach Rotkreuzplatz 2.
Finale
Es bleibt simpel. Gebt einfach die gesammelten Werte in den Checker ein und ihr erhaltet die Finalkoordinaten.