"Es ist unsere Verantwortung, das Unbekannte zu entdecken und es für das Wohl der Menschheit einzusetzen." (Lise Meitner)
Lise Meitner - Die übergangene Pionierin
In der Geschichte der Nobelpreise gab es immer wieder umstrittene Entscheidungen. Eines der größten Versäumnisse der Akademie ist, dass sie Lise Meitner bei der Preisvergabe immer wieder ignoriert hat – trotz 48 Nominierungen!
Lise Meitner (1878-1968), war eine geniale Wissenschaftlerin, die es als Frau in der männerdominierten Naturwissenschaft, als Kind jüdischer Eltern in Nazi-Deutschland und als Flüchtling im Exil nicht leicht hatte.
Lise Meitner war erst die zweite Frau, die in Wien promoviert wurde. Anschließend war sie die erste Frau, die als Assistentin an der Universität in Berlin arbeiten durfte. Zudem die erste Frau, die sich in Deutschland für eine Lehrberechtigung an einer Hochschule bewerben durfte. Sie war die erste Frau, die in Deutschland eine Professur für Physik erhielt.
Seit 1934 bildete Lise Meitner gemeinsam mit Otto Hahn und dem Chemiker Fritz Straßmann eine Arbeitsgruppe, die an „Transuranen“ forschte und Urankerne mit Neutronen beschoss.
In der spannendsten Phase der Experimente musste Lise Meitner flüchten. Bereits nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 hatte sie auf ihre Professur verzichten müssen, konnte aber unter dem Schutz ihrer österreichischen Staatsbürgerschaft zunächst im Institut weiterarbeiten. Mit dem „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland entfiel dieser. Wenige Wochen später, am 13. Juni 1938, verließ Lise Meitner fast ohne Vorbereitungen Berlin, nur mit zwei Koffern. In Schweden wurde sie als Flüchtling aufgenommen. Es war ein schwieriger Neuanfang mit fast 60 Jahren.
Hahn und Straßmann forschten allein weiter, aber Hahn blieb in engem geheimen Briefkontakt mit Meitner. Der Tisch mit dem Versuchsaufbau, der zur ersten Kernspaltung führte, ist heute im Deutschen Museum in München zu sehen.
Bei ihren Experimenten machten Hahn und Straßmann eine Beobachtung, die sie sich nicht erklären konnten. „Es ist nämlich etwas bei den ‚Radiumisotopen‘, was so merkwürdig ist, daß wir es vorerst nur Dir sagen“, schrieb Hahn am 19. Dezember 1938 an Lise Meitner. „Es könnte noch ein höchst merkwürdiger Zufall vorliegen. Aber immer mehr kommen wir zu dem schrecklichen Schluss: unsere Ra(dium)-Isotope verhalten sich nicht wie Ra(dium), sondern wie Ba(rium). Ich habe mit Straßmann verabredet, dass wir vorerst nur Dir dies sagen wollen. Vielleicht kannst Du irgendeine fantastische Erklärung vorschlagen. Wir wissen dabei selbst, dass es eigentlich nicht in Ba(rium) zerplatzen kann.“
Meitner traf sich kurz darauf mit ihrem Neffen Otto Robert Frisch, der in Kopenhagen an Niels Bohrs Institut arbeitete. Auf langen Spaziergängen suchten sie eine kernphysikalische Erklärung für Hahns Experiment. Nach Albert Einsteins berühmter Formel zur Umwandlungsfähigkeit von Masse in Energie E = mc2 berechneten sie, wieviel Energie bei der Kernspaltung freigesetzt wird, nämlich etwa 200 Millionen Elektronenvolt. Wenige Tage später schrieb Meitner an Hahn: „Ich bin jetzt ziemlich sicher, dass Ihr wirklich eine Zertrümmerung zum Ba(rium) habt.“
Im Januar 1939 erschien Hahns und Straßmanns Artikel über ihre Beobachtungen in der Zeitschrift "Die Naturwissenschaften". Kurz darauf veröffentlichten Meitner und Frisch ihre Interpretation in der englischen "Nature". Die beiden Artikel elektrisierten Forscher weltweit; man stürzte sich in weitere Forschungen. 1943 wurde Meitner von den USA eingeladen, in Los Alamos am „Manhattan“-Projekt zur Entwicklung der Atombombe teilzunehmen, doch die überzeugte Pazifistin sagte ab.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt Otto Hahn allein den Nobelpreis, während Meitner, Straßmann und Frisch außen vor blieben. Diese epochale Entdeckung war eigentlich Teamarbeit. Es war Lise Meitner, die Hahns Experimente und Beobachtungen anregte, theoretisch begleitete und schließlich richtig deutete. Sie lieferte auch die erste wissenschaftliche Erklärung des Zerfalls von Uran-Atomkernen unter Neutronenbeschuss, den sich Hahn zunächst gar nicht hatte erklären können.
Otto Hahn schlug infolgedessen Meitner (und Frisch) 1948 für den Nobelpreis vor.
In Summe war Lise Meitner 48-mal für den Nobelpreis in Physik und Chemie nominiert. Fast alles, was Rang und Namen hat, schlug sie vor: Max Planck (der sie sieben Mal nominierte), James Franck, Niels Bohr, Max Born und viele andere.
Schon 1924 hatte Heinrich Goldschmidt vorgeschlagen, dass Meitner und Hahn gemeinsam den Nobelpreis für Chemie erhalten sollten. Werner Heisenberg hatte 1937 Meitner und Hahn gemeinsam für den Physik-Nobelpreis nominiert. 1938 schlug auch Max von Laue vor, dass Meitner und Hahn sich den Preis teilen sollten.
Bekommen hat Meitner den Nobelpreis nie. 1955 erhielt Lise Meitner den Otto Hahn Preis.
Lise Meitner wurde in Schweden nie richtig glücklich, blieb jedoch trotzdem dort bis wenige Jahre vor ihrem Tod. Sie zog nach Cambridge um. Dort starb sie dann am 27. Oktober 1968.
Erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Lise Meitner im öffentlichen Bewusstsein die Anerkennung für ihre Leistungen und Entdeckungen erhalten.
Quelle Text: Homepage Deutsches Patent und Markenamt --> Lise Meitner
Quelle Bild: Homepage LEMO Biografie --> Lise Meitner
Wie oft war Lise Meitner für einen Nobelpreis nominiert?
Anzahl der Nominierungen = A
Für welches Jahr erhielt Otto Hahn den Nobelpreis für die Entdeckung der Kernspaltung?
QS der Jahreszahl = B
Welches chemische Element entdeckten Lise Meitner und Otto Hahn?
Anzahl der Buchstaben der Elementkategorie = C
QS der Atommasse (ohne Kommastellen) = D
Welche posthume Ehrung erhielt Lise Meitner für ihre wissenschaftliche Arbeit?
Ordnungszahl = E
Ihr findet die Dose bei:
N 47°52.(A*B)+C+D
E 008°19.E+C