
Ein EarthCache für Entdecker, Eis(zeit)liebhaber, kleine und große Hobbypaläontologen.
Willkommen bei den Erdzwergen!
Du hast einen EarthCache entdeckt, aber nicht irgendeinen, sondern einen mit Zwergenmagie! Denn Geologie ist nicht nur was für Leute mit Lupe und Labor sie ist ein Abenteuer unter deinen Füßen! Wir versuchen für Euch die Geologie aus ihrem staubigen Wissenschaftskämmerlein zu befreien und sie mit Leben, Witz und Entdeckerfreude zu füllen.
Schön, dass Du den Weg hier her gefunden hast, denn Rüdersdorf stellt geologisch eine Besonderheit dar. Welche? Die Antwort ist einfach: Weil es in ganz Norddeutschland kaum eine weitere Stelle gibt, an der Kalkstein an der Oberfläche zu finden ist. Im Gegensatz zum sand- und kiesreichen Umland in Brandenburg, stößt man nur in Rüdersdorf auf Kalkgestein. Früh wurde hier begonnen Kalkstein abzubauen und auch die ersten interessanten Funde verbucht.
Und deshalb sind wir hier.
Nun aber los, Du bist herzlich eingeladen zur:
"Paläontologie zum Anfassen - #Eisige Spuren"
Gletscherschrammen und Strudeltöpfe
Du fragst dich jetzt bestimmt: "... was für Schrammen?" Oder: "...welche Töpfe?"; " Braucht jemand ein Pflaster oder wird jetzt gekocht?"
Nein, hier geht's um Geologie, bzw um hinterlassene und deutlich erkennbare Spuren der letzten großen Inlandvereisung, während der Weichseleiszeit, welche den Geologen Aufschluss über Selbige geben.
Was ist eine Inlandvereisung?
Das erdgeschichtliche Klima lässt sich in Warmphasen und Eiszeitalter unterteilen. Eiszeitalter zeichnen sich dadurch aus, dass die Pole vereist sind.
(80 bis 90 Prozent der Erdgeschichte hingegen sind durch eisfreie Polkappen gekennzeichnet (Warmphasen)).
Ein Eiszeitalter besteht aus Kaltzeiten (Glazialen) und Warmzeiten (Interglazialen). Im Allgemeinen wird der wissenschaftliche Begriff "Kaltzeit" fälschlicherweise als "Eiszeit" bezeichnet. Kaltzeiten sind geologische Zeiträume, in denen weltweit die Temperatur deutlich absinkt und es zu einer enormen Ausbreitung der Eismassen kommt. Diese Eismassen können gewaltige Schuttmassen aus Geröll, sprich Sande, Kiese, Steine und bis zu mehreren Metern große Findlinge transportieren. Und genau diese Schuttmassen sind für unsere Schrammen und Strudeltöpfe verantwortlich.
Die letzte Kaltzeit war die Weichsel-Kaltzeit. Sie hatte ihren Höhepunkt vor etwa 21.000 Jahren und ging vor etwa 11.500 Jahren zu Ende. Zu dieser Zeit erreichten die Gletscher in Norddeutschland eine Mächtigkeit von mehr als 1.000 Metern.

Gletscher und Schrammen
Gletscher sind keine stehenden Eismassen, vielmehr stellen sie eine zähflüssige Masse mit äußerst langsamer Fließbewegung dar. Dabei bewegt sich der Gletscher vom Ursprung des Eises weg. Steine, die je nach Geländeform an der Sohle oder an den Seiten des Gletschers aufgenommen und mitgeführt werden, „kritzen“ dabei das anstehende Gestein. An den Kratzern bzw. Rillen lässt sich die damalige Bewegungsrichtung des Eises erkennen.
Im Jahr 1832 formulierte der deutsche Geologe Prof. Albrecht Bernhardi die Inlandeis-Theorie, die zunächst auf starke Ablehnung stieß. Bis zu diesem Zeitpunkt herrschte die Vorstellung, dass die oberflächlichen Gesteinsablagerungen Norddeutschlands wie Sande und Findlinge zwar aus Skandinavien stammen, jedoch nur durch driftende Eisschollen dorthin gelangen konnten. Eine komplette Vergletscherung Nordeuropas galt lange Zeit als unvorstellbar.
Erst 1875 konnte sich durch den schwedischen Geologen Otto Torell die Inlandeis-Theorie in der Wissenschaftswelt durchsetzen. Als Beweis für seine Theorie dienten ihm die Gletscherschrammen auf dem vergleichsweise weichen Rüdersdorfer Kalksteine, welche bis heute gut sichtbar sind.
Wenn Du Gletscherschrammen sehen möchtest, der Bergbauverein arbeitet gerade an einer größeren Platte. Diese wird allerdings nur im Heinitztunnel zu sehen sein. Dieser ist nur zu Sonderveranstaltungen geöffnet, bzw jeden Dienstagvormittag, da sind die Vereinsmitglieder in den Räumlichkeiten.

Beispiele für Gletscherschrammen
Strudeltöpfe
Später, zum Ende des 20. Jahrhunderts hin, wurden noch andere Spuren der Eiszeit in Rüdersdorf entdeckt und erforscht, darunter auch die Gletschertöpfe (Strudeltöpfe) und Erosionsschluchten, die durch das Abschmelzen des Gletschereises im Muschelkalk entstanden.
Zum Ende der Kaltzeit und der darauf folgenden Warmzeit fingen die Eismassen langsam aber stetig an abzutauen. Allerdings verschwanden die Gletscher nicht spurlos, denn durch das Abtauen bildete sich sogenanntes Schmelzwasser. Floss dies unterhalb des noch vorhandenen Eispanzers ab, bildeten sich Ströme mit Begleitmaterial (Geröll) und an gewissen Stellen, meist an Stellen mit Widerstand (z.B. Findlinge), Wirbel mit hohen Fließgeschwindigkeiten sowie hohem Druck und wuschen das Gestein aus. So entstanden im Rüdersdorfer Kalkstein topf- oder schachtartige Vertiefungen im Gestein, die als Gletscher- oder Strudeltöpfe bezeichnet werden.

Leider sind im Museumspark keine Strudeltöpfe zu sehen. Es gibt dazu nur eine knappe Information, samt Foto im Otto-Torrel-Haus (Wegpunkt 1). Ebenso sind dort Exponate mit Gletscherschrammen zu finden.
Ist es nicht faszinierend, dass Forscher diese Spuren der Inlandvereisung finden und deuten konnten. So hat man, so finde ich, einen besseren Bezug zum Ganzen.
Aufgabenstellung
Nun bist Du an der Reihe, gehe ins Otto-Torrel-Haus, finde am Wegpunkt 1 die ausgestellten Fundstücke mit den Gletscherschrammen. Beantworte mit dem Gesehenen und dem Listing folgende Fragen.
1: Beschreibe mit eigenen Worten die Kerben, also die Gletscherschrammen, in Form und Ausrichtung. Also sind sie z.B. eher vereinzelt oder kreuz und quer? Wie ausgeprägt sind sie?
2: Kann man anhand der Schrammen ablesen, ob die Inlandvereisung in eine bestimmte Richtung verlaufen ist?
3: Entstanden die Strudeltöpfe und Gletscherschrammen zum gleichen Zeitpunkt? Falls nein: wie war die Reihenfolge?
4: Wer konnte hier in Rüdersdorf die Inlandvereisung nachweisen und wann war das?
Logbedingung:
Erstelle das obligatorische Beweisfoto von Dir oder einem persönlichen Gegenstand vor dem Torell - Haus und füge dieses Deinem Log hinzu.
Sende mir Deine Antworten per Mail an budsidewinder@gmx.de oder über das MessageCenter zu.
Ich hoffe du hattest Spaß bei diesem EC und spielst die Anderen auch. Sei im Auftrag der Erdzwerge gegrüßt,
BudSidewinder.


Quellen:
Museumspark Rüdersdorf ⇒ Informationstafeln vor Ort
Wikipedia ⇒ Innlandvereisung, Gletscherschrammen, Kritzungen
Zeichnungen: Eigene