

Annaberg und Annapütt
Der Annaberg in Haltern am See ist ein traditionsreicher Ort, der seit Jahrhunderten Ziel von Wallfahrten und Prozessionen ist. Schon im Mittelalter wurde der Hügel als geistliches Zentrum verehrt, später entstanden hier eine Wallfahrtskirche, Kapellengruppen und verschiedene Stationen, die bis heute viele Besucher anziehen. In diesem Umfeld verbindet sich religiöse Tradition mit der langen Geschichte der Region.
Ein besonderes Element auf dem Annaberg ist der historische Brunnen, der sogenannte Annapütt. Der Name geht zurück auf die Heilige Anna, die Mutter Marias, die in der christlichen Kunst oft in Darstellungen mit Maria und dem Jesuskind erscheint („Anna selbdritt“). Am Brunnen findet sich eine barocke Figurengruppe, die vermutlich Anna, Maria und das Jesuskind sowie Johannes den Täufer zeigt. Der Annapütt war über Jahrhunderte ein Ort, an dem Pilger Wasser schöpften, Rast machten und innehalten konnten.
Doch der Annapütt ist nicht nur kulturhistorisch interessant: Er birgt auch ein geologisches Geheimnis. Die Steinblöcke, aus denen der Brunnen errichtet wurde, bestehen aus Sandstein, der in der Region gewonnen wurde. In einem dieser Blöcke oberhalb der Wasserstelle sind zahlreiche Fossilien erhalten geblieben. Wer genauer hinsieht, erkennt deutlich Abdrücke von Muschelschalen, die als stumme Zeugen einer Zeit dienen, in der das Münsterland von einem warmen Meer bedeckt war. Damit verbindet der Annapütt auf einzigartige Weise Religionsgeschichte und Erdgeschichte - ein Brunnen, der nicht nur Wasser, sondern auch Einblicke in eine 70 Millionen Jahre alte Welt spendet.

Historischer Brunnen "Annapütt" auf dem Annaberg
Der Sandstein und seine Herkunft
Der Sandstein, aus dem der Annapütt errichtet ist, stammt sehr wahrscheinlich aus der näheren Umgebung. Regionen wie die Borkenberge oder die Baumberge sind typische Herkunftsorte für fossilführenden marinen Sandstein in Oberkreide des Münsterlandes.
Der Baumberger Sandstein ist gut dokumentiert: Er ist feinkörnig, kalkreich, fossilführend und wurde über Jahrhunderte für Kirchen, Verwaltungsbauten und kunsthandwerkliche Werke verwendet.
Die Borkenberge bestehen überwiegend aus Kreidesandsteinen (Alter: etwa 100-70 Millionen Jahre), die sich in einem flachen Meer ablagerten, das damals große Teile des heutigen Westfalens bedeckte.
Sandstein entsteht durch die Verfestigung von Sandkörnern, die über Flüsse ins Meer transportiert wurden und sich dort am Meeresboden ablagerten. Mit der Zeit wurden diese Ablagerungen durch Druck und Mineralien verfestigt. Wenn gleichzeitig Schalen oder Skelette von Meeresorganismen in diesem Sediment eingebettet wurden, konnten sie als Fossilien erhalten bleiben.
Die Verbindung des Sandsteins aus diesen Regionen mit „mariner Herkunft“ passt also sehr gut: Was heute ein fester Felsen ist, war vor Millionen von Jahren ein Meeresboden, in dem sich Muscheln und andere Meerestiere tummelten.

Baumberger Sandstein; Quelle: PanoGraph.eu - Wilfried Pinsdorf / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Fossilien im Annapütt
Wenn man die Sandsteinblöcke des Annapütts genauer betrachtet, fallen zahlreiche Abdrücke und eingeschlossene Schalenreste auf. Es handelt sich dabei um Muscheln (Bivalvia), die vor rund 70 bis 85 Millionen Jahren im flachen Kreidemeer lebten.
Anhand der Schalenform und der Rippenstruktur lassen sich verschiedene Muschelfamilien unterscheiden.
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Familie
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Typische Schalenform
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Rippenform
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Lebensweise
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Pectinidae (Jakobsmuscheln)
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Fächerförmig, fast rund, meist flach
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Breite, gewellte Rippen
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Leben frei auf dem Meeresboden oder schwimmen aktiv
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Limidae (Flügelmuscheln)
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Eiförmig bis leicht länglich, gewölbt
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Viele schmale, scharfkantige Rippen
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Mit Byssusfäden am Untergrund befestigt
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Cardiidae (Herzmuscheln)
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Oval bis herzförmig, stark gewölbt
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Dicke, rundliche Rippen
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Leben eingegraben im Sand oder Schlamm
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Diese Vielfalt ist typisch für marinen Sandstein: Schalen, die zufällig bei der Ablagerung eingeschlossen wurden, konservieren sich unterschiedlich gut, je nachdem wie schnell sie vom Sediment überdeckt wurden und welche chemischen Bedingungen im Sediment herrschten.
Wie werden Muscheln zu Fossilien?
Der Prozess der Fossilisation lässt sich in mehreren Schritten beschreiben:
- Tod und Ablagerung: Stirbt eine Muschel, sinkt ihre Schale auf den Meeresboden.
- Sedimentbedeckung: Wird die Schale rasch von Sand überdeckt, ist sie vor Auflösung geschützt.
- Verfestigung: Über Jahrtausende lagern sich weitere Sedimentschichten darüber ab; der Druck steigt, Mineralien füllen Hohlräume auf.
- Fossil oder Abdruck:
- Entweder bleibt die Schale erhalten und wird mineralisch ersetzt („Körperfossil“).
- Oder die Schale löst sich auf, hinterlässt aber eine Negativform im Gestein, die später ausgefüllt werden kann („Abdruckfossil“).
Im Annapütt finden wir überwiegend reine Abdrücke, teils aber auch Fragmente mineralisierter Schalen.
Was verraten uns die Fossilien?
Die Muschelfossilien am Annapütt sind weit mehr als dekorative Strukturen - sie sind Zeugen einer längst vergangenen Welt.
- Sie belegen, dass die Region in der Kreidezeit tatsächlich von einem Meer bedeckt war.
- Die Vielfalt der Muscheln deutet auf eine artenreiche Küstenfauna hin, vergleichbar mit heutigen Muschelbänken.
- Die Rippenstruktur und Form weisen auf sandige, bewegte Meeresböden hin - ganz typisch für die Sedimente, aus denen der Sandstein der Borkenberge entstand.
- Bestimmte Muschelarten dienen Geologen zudem als Zeitmarker: Sie helfen, Gesteinsschichten geologisch einzuordnen.
Besonderheit des Annapütts
Das Besondere hier ist, dass man diese Fossilien nicht in einem Steinbruch oder Museum betrachten muss - sie sind direkt in einem barocken Bauwerk sichtbar. Der Annapütt verbindet so auf eindrucksvolle Weise Kulturgeschichte (als historischer Brunnen mit Figurenensemble) und Naturgeschichte (als Zeugnis des Kreidemeeres) an einem einzigen Ort.
Logbedingungen
Um diesen EarthCache zu loggen, beantworte bitte die folgenden Fragen unter A) und sende sie per Message Center oder E-Mail an mich. Bitte erwähne Deine Antworten nicht im Log. Beachte bitte auch die Fotoanforderungen unter B).
A) Beantworte die folgenden Fragen:
- Untersuche den Sandstein oberhalb des Brunnenbeckens. Findest Du hier nur vertiefte Abdrücke (Negative) von Muschelschalen oder gibt es auch erhabene/hervorstehende Abdrücke (Positive)? Wenn ja, wie viele kannst Du in diesem Sandstein zählen?
- Wähle einen der Abdrücke aus und schildere sein Aussehen (Größe/Durchmesser, Muschelfamilie, Verlaufsform und Anzahl der Rippen, Positiv/Negativ). Mache bitte auch ein gut erkennbares Foto von diesem Abdruck und sende es mir mit den Antworten zu (lade es bitte NICHT mit Deinem Log hoch).
- Sieh Dir nun die Fossilien rechts oberhalb des Brunnenhahns an und suche die drei markierten Muschelabdrücke A, B und C. Beantworte mir dazu die folgenden Fragen:
- Welche der Abdrücke sind Positive und welche Negative?
- Gibt es abgesehen von der Größe weitere Unterschiede zwischen den Abdrücken? Wenn ja, welche? Um welche Muschelfamilien handelt es sich?
- Zähle die Anzahl der sichtbaren Rippen aller drei Abdrücke. Welcher Abdruck hat die meisten Rippen und welcher die wenigsten?

Foto zu Frage 3
B) Mache ein Foto und hänge es deinem Log an:
- Nimm nun bitte noch ein Foto auf, welches unbedingt deinen Geocaching-Nickname und der Statue der Annaselbdritt wie auf dem Beispielfoto zeigt, ohne die Antworten auf Frage 3 preiszugeben. Fotos, die nicht diese Anforderungen erfüllen oder Fotomontagen, bei denen der Nickname lediglich ins Foto geschrieben wurden, sind nicht zulässig.

Logfoto-Anforderungen
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Annaberg and Annapütt
The Annaberg in Haltern am See is a place of long-standing tradition, which for centuries has been the destination of pilgrimages and processions. As early as the Middle Ages, the hill was revered as a spiritual center. Later, a pilgrimage church, chapels, and various stations were built here, which continue to attract many visitors today. This site combines religious tradition with the long history of the region.
A special feature of the Annaberg is the historic fountain, the so-called Annapütt. Its name goes back to Saint Anna, the mother of Mary, who in Christian art is often depicted together with Mary and the Christ Child (“Anna Selbdritt”). At the fountain stands a baroque sculpture group, likely representing Anna, Mary, the Christ Child, and John the Baptist. For centuries, the Annapütt was a place where pilgrims drew water, rested, and reflected.
But the Annapütt is not only of cultural and historical interest: it also hides a geological secret. The stone blocks from which the fountain was built consist of sandstone quarried in the region. In one of these blocks, directly above the water outlet, numerous fossils can be seen. On closer inspection, you can clearly recognize imprints of mussel shells - silent witnesses of a time when the Münsterland was covered by a warm sea. In this way, the Annapütt uniquely combines religious history with Earth history - a fountain that provides not only water but also a glimpse into a world 70 million years old.

Historic fountain "Annapütt" on the Annaberg
The Sandstone and its Origin
The sandstone used to build the Annapütt most likely came from the nearby region. Areas such as the Borkenberge or the Baumberge are typical sources for fossil-bearing marine sandstone from the Upper Cretaceous of the Münsterland.
The Baumberg Sandstone is well documented: it is fine-grained, rich in lime, fossiliferous, and was used for centuries for churches, administrative buildings, and artistic works.
The Borkenberge mainly consist of Cretaceous sandstones (age: approx. 100-70 million years), deposited in a shallow sea that once covered large parts of present-day Westphalia.
Sandstone forms when grains of sand, transported by rivers into the sea, are deposited on the seabed. Over time, these deposits were compacted and cemented by minerals. If shells or skeletons of marine organisms became embedded in the sediment, they could be preserved as fossils.
Thus, the connection between sandstone from these regions and its marine origin is very fitting: what is today solid rock was, millions of years ago, the seafloor, home to mussels and other marine creatures.

Baumberg Sandstone; Source: PanoGraph.eu - Wilfried Pinsdorf / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Fossils in the Annapütt
Looking closely at the sandstone blocks of the Annapütt, you will notice numerous imprints and occasional shell fragments. These are mussels (Bivalvia) that lived around 70-85 million years ago in the shallow Cretaceous Sea.
The shell shape and rib structure make it possible to distinguish between different families of bivalves.
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Family
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Typical Shell Shape
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Rib Shape
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Mode of Life
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Pectinidae (Scallops)
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Fan-shaped, almost round, usually flat
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Broad, wavy ribs
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Live freely on the sea floor or swim actively
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Limidae (File clams)
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Egg-shaped to slightly elongated, convex
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Many narrow, sharp-edged ribs
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Attached to the substrate by byssal threads
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Cardiidae (Cockles)
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Oval to heart-shaped, strongly convex
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Thick, rounded ribs
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Live buried in sand or mud
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This diversity is typical for marine sandstone: shells accidentally buried during deposition were preserved in different ways, depending on how quickly they were covered and the chemical conditions of the sediment.
How do mussels become fossils?
The process of fossilization can be described in several steps:
- Death and deposition: When a mussel dies, its shell sinks to the seabed.
- Burial: If the shell is quickly covered by sand, it is protected from dissolution.
- Compaction: Over thousands of years, further sediments accumulate above; pressure increases and minerals fill voids.
- Fossil or imprint:
- Either the shell itself is preserved and mineralized (“body fossil”).
- Or the shell dissolves, leaving behind a negative imprint in the rock, which may later be filled (“mould fossil”).
At the Annapütt, we find mostly imprints, but in some cases also fragments of mineralized shells.
What do these fossils tell us?
The mussel fossils of the Annapütt are more than just decorative patterns - they are witnesses of a long-lost world.
- They prove that the region was once covered by the Cretaceous Sea.
- The variety of mussels points to a species-rich coastal fauna, comparable to today’s mussel beds.
- The ribbed structures and shapes suggest sandy, dynamic seabeds - typical for the sediments from which the sandstone of the Borkenberge formed.
- Certain mussel species also serve as time markers, helping geologists to classify rock layers.
The special feature of the Annapütt
What makes this site unique is that you do not have to visit a quarry or a museum to see these fossils - they are visible in a baroque monument. The Annapütt thus impressively combines cultural history (as a historic fountain with its sculpture ensemble) and natural history (as a testimony to the Cretaceous Sea) in a single place.
Logging Requirements
To log this EarthCache, please complete the following tasks under A) and send your answers to me via Message Center or e-mail. Please do not include answers in your online log. Also note the photo requirement under B).
A) Answer the following questions:
- Examine the sandstone block above the fountain basin. Do you see only indented imprints (negatives) of mussel shells, or also raised/impressed ones (positives)? If yes, how many can you count in this block?
- Choose one imprint and describe its appearance (size/diameter, bivalve family, rib shape and number, positive/negative). Please also take a clear photo of this imprint and send it to me with your answers (do NOT upload it with your log).
- Now look at the fossils to the right above the fountain spout and locate the three marked mussel imprints A, B, and C. Answer the following:
- Which of the imprints are positives and which are negatives?
- Besides their size, do you notice other differences between them? If so, what are they? Which bivalve families do they belong to?
- Count the number of visible ribs on all three imprints. Which has the most ribs and which the fewest?

Photo for Question 3
B) Take a photo and attach it to your log:
- Please take a photo that shows your Geocaching nickname and the statue of “Anna Selbdritt” as in the sample photo, without revealing the answers to Question 3. Photos that do not meet these requirements, or photo edits where the nickname is only digitally added, are not accepted.

Log photo requirements
You do not need to wait for a reply from me to log your visit. However, I reserve the right to delete logs without answers/photos or with photos that do not meet the requirements.
Quellen/Sources:
- Stadt Haltern am See (https://www.haltern.de/kultur-und-tourismus/annaberg)
- Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Geologie_des_Münsterlandes; https://de.wikipedia.org/wiki/Fossil)
- Geologischer Dienst NRW (https://www.gd.nrw.de/ge_ev_naturraeume-nrw.htm)
- GeoHorizon (https://geohorizon.de/2020/03/09/fossile-muscheln-zeigen-dass-die-tage-vor-70-millionen-jahren-eine-halbe-stunde-kuerzer-waren/)
- Zobodat (https://www.zobodat.at/pdf/geol-und-palaeontl-in-westfalen_72_0071-0092.pdf)
- Boggs, “Petrology of Sedimentary Rocks”, 2nd Edition, Cambridge University Press
Quellen der eingebetteten Bilder/Sources of embedded pictures:
- Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/Main_Page)
- CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/)