Die verschwundene Erinnerung
Vor vielen, vielen Jahren lebte in diesem Altersheim ein alter Seemann namens Karl. Jeden Abend saß er am Fenster, blickte hinaus in die Ferne und erzählte Geschichten von seinen Reisen über die sieben Weltmeere.
Er sprach von Inseln voller bunter Vögel, Städten mit goldenen Türmen und von Stürmen, die so stark waren, dass die Gischt höher schlug als das Haus selbst. Aber am liebsten erzählte er von einer kleinen Truhe, die er auf einer seiner Reisen gefunden hatte.
„Darin“, sagte Karl oft geheimnisvoll, „bewahre ich die wertvollste Erinnerung meines Lebens auf.“
Was genau das war, verriet er nie. Nur eines ließ er durchblicken: Die Truhe habe er an einem sicheren Ort in der Nähe seines Altersheims versteckt – „damit die Geschichte weiterlebt, wenn ich einmal nicht mehr da bin“.
So vergingen die Jahre, und Karl ist längst nicht mehr unter uns. Doch wer aufmerksam sucht, kann seine kleine Schatztruhe noch heute finden. Sie enthält zwar keine Goldmünzen und keine Diamanten, aber etwas, das mindestens genauso wertvoll ist: eine Erinnerung, die darauf wartet, von euch entdeckt und weitergetragen zu werden.
