Heute starten hier am Prerower Hafen wunderschöne Bootsausflüge auf den Bodden. Auch die Seemannskirche gleich gegenüber lädt zu einem Besuch ein. Bis zur schicksalshaften Nacht am 13. November 1872 war das anders.
Um 1700 entwickelte sich die Segelschifffahrt im Ostseehandel. Prerow war im Besitz von fünf Handelsschiffen. Rund 90% der Männer lebten von der Seefahrt. Der Prerower Strom verband den Bodden mit dem offenen Meer und war bis zu 10,35 Kilometer lang. Durch die Sturmflut (10 Tote waren allein in Prerow zu beklagen) versandete der nördliche Teil des Stroms bei Prerow. Um die Bewohner vor weiterem Hochwasser zu beschützen, erfolgte daraufhin 1874 die Schließung der Mündung des Prerower Stroms in die Ostsee mit einem Damm. Damit fand die Seefahrt hier ein jähes Ende. Der Laichzug der kleinen silbernen Fische (Ukelei) wurde unterbrochen. Sie sammelten sich daher noch viele Jahrzehnte, in der Regel immer eine Woche vor Weihnachten, zu Millionen vor dem Bollwerk im Prerower Hafen und wurden hier ohne viel Mühe abgefischt. In einem kleinen Gebäude, welches an der heutigen Stelle des Fischimbisses stand, wurden die kleinen Fische in Trommeln geschleudert und die Schuppen entfernt. Die Fischschuppen wurden zur Weiterverarbeitung nach Apolda (Thüringen) verschickt. Dort wurde aus ihnen Fischsilber hergestellt. Zum Auswaschen von 0.5 kg Silberglanz brauchte man 18 000 - 20 000 Fische.