Skip to content

Lapis Pyromachus auf Föhr - Amazing Geology EarthCache

Hidden : 9/26/2025
Difficulty:
3.5 out of 5
Terrain:
1.5 out of 5

Size: Size:   other (other)

Join now to view geocache location details. It's free!

Watch

How Geocaching Works

Please note Use of geocaching.com services is subject to the terms and conditions in our disclaimer.

Geocache Description:


Lapis Pyromachus auf Föhr - Amazing Geology

 

Einleitung – Warum ist dieser Ort so interessant?

Am Strand von Hedehusum auf Föhr lassen sich unzählige Feuersteine finden: von klassischen schwarzen und grauen Exemplaren bis hin zu gelblich-beigen, rotbraunen oder sogar rötlich verfärbten Varianten. Manche zeigen fossile Einschlüsse, etwa Schwammnadeln, Kieselspongien oder kleine Muscheln.
Diese Feuersteine sind nicht nur attraktive Sammelobjekte, sondern auch wichtige geologische Zeugen der Erdgeschichte: Sie erzählen von ihrer Entstehung in der Kreidezeit, ihrer Reise durch  Gletscher und Wellen der Nordseen bis an die Inselküste – und von ihrer besonderen Bedeutung und Nutzungsgeschichte durch den Menschen.
Fun-Fact: Feuerstein der Schreibkreide ist das Sedimentärgeschiebe des Jahres 2025

Achtung: es wird ein Nagel oder Taschenmesser, ein nicht mehr gebrauchtes Glas und ggf. eine Waage benötigt.

Logbedingungen

Um diesen EarthCache loggen zu dürfen, besuche bitte die angegebenen Koordinaten und beantworte die folgenden Fragen via Messagecenter oder Email.:

  1. Suche einen Feuerstein mit fossilen Einschlüssen (z. B. Schwammnadeln, Algenreste). Beschreibe, was du erkennst und mache ein Foto mit deinem GPS, persönlichem Item und/oder dir selbst im Bild und lade es mit dem Log hoch.
  2. Brich vorsichtig ein Stück an (oder beobachte eine frische Bruchkante): Beschreibe, ob du den typischen muscheligen Bruch erkennst.
  3. Überprüfe die Härte eines Feuersteins, kannst du diesen mit einem Eisennagel ritzen oder kannst du sogar mit einem Feuerstein Glas ritzen?
  4. Bestimme über die Entfernung zwischen Flutsaum und Standort, die Hubenergie und ermittle aus der Tabelle die mindestens erforderliche Wellenhöhe und Windstärke damit diese auffällige Ansammlung von Feuersteinen hier zur Ablage gekommen ist.
    (Zur Berechnung und Ermittlung siehe Abschnitt 5) F Welche Besttigung findest du in Bezug auf die ermittelte Hubenergie am Stand im Flutsaumbereich?
  5. Manche Feuersteine sind glatt, andere kantig oder gerundet. Wie könnten die unterschiedlichen Formen entstanden sein?

1. Feuerstein, Flint und Silex sowie „Lapis Pyromachus“

Der Name Feuerstein erinnert an seine besondere Eigenschaft: Schon in prähistorischer Zeit nutzten Menschen ihn, um Feuer zu entfachen. Schlägt man einen Feuerstein im richtigen Winkel gegen Metall, entstehen Funken, die mit Hilfe von Zunder (beispielsweise einem speziellen Pilz) sowie trockenem Heu oder Stroh ein Feuer entzünden können. Der deutsche Chemiker Martin Heinrich Klaproth (1743–1817) bezeichnete den Stein deshalb auch als Lapis Pyromachus – den „feuermachenden Stein“.

Häufig wird Feuerstein mit dem englischen Begriff Flint gleichgesetzt. Geologisch betrachtet umfasst der Ausdruck „Feuerstein“ jedoch jene Flinte, die sich im Zeitraum zwischen der Kreidezeit und dem unteren Tertiär (etwa vor 145 bis 62 Millionen Jahren) gebildet haben.

In Europa begegnet man Feuerstein besonders häufig an den Küsten: Er stammt aus den Kreidefelsen der Ostsee und des Ärmelkanals, wo er durch Verwitterung aus den Kalkschichten gelöst und anschließend weit verbreitet wurde.
In der Archäologie wird für Feuerstein meistens der Begriff Silex verwendet.

2. Geologische Definition

Feuerstein ist ein feinkörniges Sedimentgestein, das unter marinen Bedingungen entstanden ist. Er besteht hauptsächlich aus Siliciumdioxid – meist in Form von Chalcedon oder Moganit, gelegentlich auch Opal.
Das Gestein ist amorph, bildet knollige oder plattige Aggregate und besitzt eine sehr hohe Härte (Mohshärte 6,5–7), seine Dichte beträgt circa 2,5–2,6 g/cm⊃3;. Die typischen Bruchflächen zeigen einen deutlich muscheligen Bruch.
Farben entstehen durch organisches Material, Eisenoxide und mineralische Begleitstoffe: grau, schwarz und rot-braun sind häufig, helle Töne erscheinen durch eingelagerte Wasser- oder Gaseinschlüsse. Frischer Flint ist oft dunkel, verwitterte Stücke bekommen eine helle Kruste.
Mitunter sind Abdrücke oder Einschüsse von Fossilien – vor allem Schwämme und andere Meeresorganismen – erkennbar.

3. Entstehung und Genese

Die Entstehung von Feuerstein ist nicht vollständig geklärt, gleichzeitig es einen allgemein akzeptierten Ablauf. Feuerstein entsteht über viele Millionen Jahre hinweg in marinen Kalksedimenten, insbesondere während der Kreidezeit. Ausgangspunkt für diesen Prozess sind die Schalen und Skelette von Kieselschwämmen, Kieselalgen und anderen silikathaltigen Meeresorganismen, die nach ihrem Absterben im Meerwasser gelöst und in feinen Kalkablagerungen angereichert werden. Die im Wasser enthaltene Kieselsäure sammelt sich in Hohlräumen, wobei zunächst ein gelartiger, amorpher Opal entsteht. Im Verlauf der Diagenese, also der Umwandlung von lockeren Sedimenten zu kompakteren Gesteinen, verfestigt sich dieses Kieselsäuregel weiter und wandelt sich allmählich zu mikrokristallinem Chalcedon – dem Hauptbestandteil von Feuerstein. Dabei werden die ursprünglich im Kalk bestehenden Strukturen oft durch Siliciumdioxid ersetzt, sodass Fossilien und Spuren von Lebewesen im Gestein erhalten bleiben. Die Entstehung der typischen Knollen- oder Bänderformen im Feuerstein wird durch die von innen nach außen verlaufende Dehydrierung und den Austauschprozess im Kalksediment begünstigt.

4. Verbreitung und Bedeutung

Feuerstein ist in vielen Regionen Europas weit verbreitet, insbesondere dort, wo sich während der Kreide- und älteren Erdzeitalter kalkhaltige Meeresablagerungen finden. Besonders häufig treten Feuersteine an den Küsten der Nord- und Ostsee auf, aber auch in Mittelgebirgen und im Landesinneren, wohin sie durch Gletscher während der Eiszeiten sowie durch marine und fluviale Prozesse transportiert wurden. Die bedeutenden Feuersteinvorkommen an Steilküsten, wie auf Rügen oder in Dänemark, sind weithin sichtbar, wo die dunklen Bänder des Feuersteins die weißen Kreidefelsen durchziehen. Im Zuge von Eiszeiten wurden viele Feuersteine als sogenannte „Geschiebe“ über große Entfernungen verfrachtet und sind heute als Feld- oder Strandfunde bekannt.

5. Welche Kräfte und Energieniveaus, die auch teilweise für die Erosion verantwortlich ist, kommen hier zum Einsatz, dass hier der Feuerstein zu finden ist?

Wenn Du den Strand vor Ort betrachtest, wirst Du sehen, dass eine auffällige Ansammlung von Feuersteinen - deutlich mehr als in den tieferen Bereichen und deutlich entfernt vom Flutsaum zur Ablage gekommen ist. Warum liegen die meisten Feuersteine erst ab dieser Kante und nicht am Flutsaum? Welche natürlichen Bedingungen (Wind, Wellen, Wasserstand) müssten herrschen, damit die Steine hierher transportiert werden können? Diese Kannte markiert eine Akkumulationszone, die nicht durch die regulären Gezeiten erfolgt sein kann.

Dieser Energie und Aufgabe wollen wir in diesem Abschnitt anhand eines Beispiels auf den Grund gehen.

Wir wollen die erforderliche Hubnergie ermitteln, die erforderlic, um u. a. Feuersteine überhaupt zu transportieren.

1. Als erstes ist die horizontale Entfernung von den Koordinaten am Standort (an der Feuersteinkante) bis zum Flutsaum zu messen.
(Der Flutsaum ist auch bei Ebbe deutlich zu erkennen). Notiere diesen Wert als d (in Metern).

Für das Beispiel nehmen wir an, dass die gemessene Entfernung 4m beträgt

2. Als nächstes bestimmen wir die Masse eines typischen Feuersteins an dieser Stelle.

Du kannst für die Aufage 4 meinen ermittelten Durchschnittswert m=40 g=0,04 kg verwenden oder als eine eigene Messung deinen Fundstein wiegen.

3. Nun Berechnen wir die minimale Hubenergie, die nötig ist, um diesen Stein auf diese aktuelle Höhe zu bringen:

  • Hierbei setzen wir eine durchschnittliche Neigung des Strands von n=5 %. voraus
  • Die mindestens nötige Höhenenergie berechnet sich so:
  • Epot = m x g x h bzw. m x g x (d x n) = 0,05kg x 9,81 ms2 x 4m x 5%)  = 0,078J
    mit g=9,81 m/s2. (Normalfallbeschleunigung)

Das ist die mindestens erforderliche Energie, um den Stein auf diese Höhe zu bringen – wenn es keine Reibung, keinen Rückstrom und keine Verluste gäbe.

Was bedeutet das in der Natur?

Diese Energiemenge ist sehr gering – schon kleine Wellen (z. B. bei Windstärke 4–5) transportieren pro Meter Wellenfront Tausende Joule. Diese Energie ist nicht gezielt auf einen Stein gerichtet – sie verteilt sich über viele Meter. In der Realität geht viel Energie verloren: durch Reibung, Rückstrom, Wellenform, Sandwiderstand. Die Welle muss nicht nur den Stein anheben, sondern ihn gegen den Rücklauf schieben, rollen oder hüpfen lassen. Deshalb braucht es viel mehr Energie – oft das 100- bis 1000-Fache. 

Aber: Die entscheidende Frage ist nicht nur die Energie, sondern: Kommt die Welle überhaupt bis hierher?

Bei normalen Gezeiten und Alltagswellen reicht das Wasser regulär bis an den Flutsaum heran – diese 4 m-Beispielmarke wird nicht überspült.

Erst bei höherem Wasserstand (Springflut, Windauftrieb) oder größerem Seegang (Wellen, die weiter landeinwärts laufen) kann Material hier abgelagert werden.

4. Vergleiche deinen Wert mit der folgenden Tabelle zu Zusammenhang, Distanz Wellenhöhe und Windstärke:
 

Horizontale
Distanz vom
Flutsaum
(m)

Mindest-
Wellenhöhe
(m)

 Windstärke  
(Beaufort)

Seegang (Beschreibung) 

Sturmflut?

1–2

0,3–0,6

3–4

Leichter bis mäßiger Seegang

Nein

3–4

0,8–1,2

5–6

Mittlerer Seegang

Nein

5–6

1,5–2,5

7–8

Großer bis sehr großer Seegang

Nein

7–8

3,0–4,0

9–10

Hoher bis sehr hoher Seegang

Ja

9–10

4,5–6,0

10–11

Schwerer Seegang

Ja

>10

>6,0

12

Orkan, See völlig weiß

Ja

Hinweis: Die Mindestwellenhöhe wurde unter Berücksichtigung der Strandneigung (5 %), des Energieverlusts durch Reibung und Rückstrom sowie der Tatsache, dass nur bei Wellen, die deutlich über dem normalen Gezeitenhochwasser liegen, Material dauerhaft oberhalb der gemessenen Meter-Marke abgelagert wird

Ergebnis zum Beispielwert: Eine Distanz von 4 m entspricht einem mittleren bis größeren Seegang (Bft 5–6), wie er bei frischem bis starkem Wind auftritt. Für die Aufgabe 4 der Logbedingungen ist die tatsächliche horizontale Entfernung vor Ort zu messen

6. Fundbeispiele und Vielfalt

Die Fundstücke am Strand von Föhr zeigen, wie vielfältig und abwechslungsreich Feuerstein sein kann. Die einzelnen Steine unterscheiden sich in Form, Oberfläche und Farbe: Während einige Exemplare glatt und rund sind – abgerundet durch die Wellenbewegung – erscheinen andere rau, kantig oder mit muscheligen Bruchflächen, ein Zeichen für ihren typischen Bruch. Viele Feuersteine sind außen von einer weißen Rinde oder Patina umgeben, die durch Wasserverlust und chemische Umwandlungsprozesse entsteht. Besonders spannend sind solche Stücke, in denen Fossilien wie Schwammnadeln, Muschelabdrücke oder Seeigelplatten erhalten geblieben sind; diese erzählen von den Lebensbedingungen in urzeitlichen Meeren und machen jeden Stein zu einem geologischen Fundstück mit individuellem Charakter. Hinzu kommen die sogenannten „Hühnergötter“: Dies sind Lochsteine, bei denen kalkige Bereiche ausgespült wurden und die seit langem als Amulette und Glücksbringer gelten. Insgesamt spiegelt jeder gefundene Feuerstein die lange Reise wider, die das Gestein durch Kreidemeere, Erosion, Transport und Verwitterungsprozesse zu seinem heutigen Fundort geführt hat.

Wie oben beschrieben, entstehen unterschiedliche Farben durch organisches Material, Eisenoxide und mineralische Begleitstoffe
  
 

Sehr häufig weisen die Flinte gestreifte Muster auf. Solche Bänderungen gehen auf rhythmisch erfolgte Ausfällungen von (staubfeinen) dunklen Mineralen während der Diagenese zurück. Gebänderte Feuersteine können graphisch sehr attraktiv sein.

irreguläre   Konkretionen
Rhythmisch Wachstumsringe Rhythmische Ausfällungen


Obwohl Flint dem Auge als amorph erscheint (= gestaltlos, d. h. ohne erkennbare Kristallformen), können sich doch in Klüften und Hohlräumen aus der Kieselsäuresubstanz Bergkristalle ausbilden.
Die sehr kleinen Kristalle bedecken häufig vorhandene Hohlräume in Form eines "Rasens".
  


Etwas seltener tritt auch blauer Chalcedon auf. Er bildet sich an Kluftflächen und zeigt sich dort wie ein Belag aus vielen winzigen, wolkig-kugeligen Strukturen. Mitunter besitzen ansonsten glatte Feuersteine stellenweise eine leicht bläuliche Oberfläche – diese Färbung kann durch Reste einer dünnen Chalcedonschicht verursacht sein.


Am Brandungsstrand werden selbst die harten, ursprünglich scharfkantigen Feuersteine mit der Zeit rundgeschliffen. Mitunter lassen sich jedoch Stücke finden, die durch besondere Muster auffallen: Ihre Oberfläche ist von kleinen, gebogenen Furchen und einem dichten Netz sichelförmiger Eindrücke übersät. Diese Strukturen weisen auf eine zusätzliche Beanspruchung hin – sogenannte Parabelrisse. Sie entstanden während der Kaltzeiten, als der Druck und die Bewegung der überlagernden Gletscher die typischen gebogenen Druckmarken in den Stein prägten.
 
 

Häufig im Kreide-Feuerstein zu findende Fossilien sind die weißen, stabförmigen bis röhrenartigen Strukturen, die typisch für die Skelettnadeln der Kieselschwämme.
 
 

Eher selten zu findende Fossilen sind Abdruck von Plattenteilen von Seeigeln. Dabei blickt man gewissermaßen von innen auf den Abdruck der ehemaligen Außenschale, die sich im umgebenden Feuerstein erhalten hat.
 

 

Quellen

natural-minerals.de/Erdschatz-A-Z/Erdschatz-F/Feuerstein-Flint
www.geothermie.de/bibliothek/lexikon-der-geothermie/d/diagenese
scilogs.spektrum.de/mente-et-malleo/feuerstein-der-schreibkreide-das-sedimentaergeschiebe-des-jahres-2025/
de.wikipedia.org/wiki/Feuerstein
www.chemieunterricht.de/dc2/pyrit/flint_02.htm
strand-und-steine.de/gesteine/sedimentgesteine/flint/voigt_feuersteine.pdf
www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Mineralienportrait/Quarz/Quarzgesteine
hurtigwiki.de/sonstiges/wind
www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/pdf/de/extremereignisse/warnsignal_klima-extremereignisse-kapitel-5_5.pdf
www.charter-logbuch.de/beaufortskala-tabelle-zur-umrechnung-windstaerke-knoten-km-h/
izw.baw.de/die-kueste/0/k086108.pdf
de.wikipedia.org/wiki/Wellenenergie_(Meereswellen)
www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/meere/meere_sturmfluten_sturmhochwasser.pdf

Danke auch an Flutsaum für die Unterstützung vor Ort.

Additional Hints (No hints available.)