Die Verwunschenen Tiere von Torgelow 4
Es war einmal, nicht lange her, da lebten in Torgelow sieben ganz besondere Menschen. Sie waren freundlich, klug, hilfsbereit – und jeder auf seine Weise mit dem Wald verbunden. Doch eines Tages verschwand einer nach dem anderen, als hätte der Wald sie verschluckt.
Niemand wusste, was geschehen war.
Doch im Verborgenen wirkte ein uralter Fluch.
Die Verwandlung
Ein neidischer Hexenmeister, verbannt aus dem Dorf, kehrte zurück, um sich zu rächen. Er sprach einen dunklen Zauber über jene sieben, die ihn einst mutig vertrieben hatten.
Sie wurden verwandelt in seltsame Wesen und Dinge:
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Zwei Schlangen, einst die Zwillinge Lian und Lora, geschmeidig und mutig – jetzt Wächter des verborgenen Wissens.
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Zwei Echsen, die Brüder Eldur und Sero, Abenteurer mit heißem Herzen – nun gefangen in kalter Stille.
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Ein Frosch, der weise Lehrer Herr Munk, der einst alle Kinder von Torgelow Geschichten lehrte.
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Eine blaue, glitzernde Blume, Frau Benita, die Floristin, deren Lachen jedes Dorffest erhellte.
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Eine riesige Eichel, Herr Eberwein, der Förster, in dem der Geist des Waldes lebte.
Sie waren nicht tot – sie waren verwandelt. Versteckt. Vergessen. Doch nicht für immer.
Die Geocaches des Fluchs
Der Hexenmeister hatte Angst, dass jemand den Fluch brechen könnte. Also versteckte er Hinweise in der Umgebung – in Form von Geocaches. Nur wer sie alle findet, kann die Wahrheit erkennen und die Verwandlungen rückgängig machen.
Doch es gibt eine Bedingung: Nur ein Kind mit einem reinen Herzen, das nicht aus Gier oder Neugier, sondern aus Liebe handelt, kann den Fluch aufheben.
Und so kam es, dass Lina, ein stilles Mädchen aus Torgelow, eines Tages beim Spielen im Wald auf etwas Seltsames stieß: einen kleinen, verzierten Behälter mit einem Zettel darin.
Die erste Entdeckung
„Du hast den ersten Wächter gefunden. Zwei Schlangen flüstern dir das nächste Versteck – doch höre nur bei Mondschein hin…“
Neugierig machte sich Lina auf die Suche. Von Station zu Station führte sie der Pfad:
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Die Schlangengrube – Ein Geocache in einer alten Baumwurzel. Eine Rätselkarte lag darin, beschützt von zwei geschnitzten Schlangen.
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Der Echsenthron – Auf einem moosigen Stein fand sie das Symbol zweier Echsen und ein Holzpuzzle mit Tierabdrücken.
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Der Froschstein – Am Rande des kleinen Teichs. Ein Frosch aus Metall, unter dem ein Schlüssel verborgen war.
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Die Glitzerblume – Ein Cache, der im Sonnenlicht funkelte. Darin ein Vers:
„Wenn Blume glänzt im Morgentau, sprich ihren Namen, rein und blau.“
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Die Eichel des Riesen – Tief im Wald, unter einer alten Eiche. Die größte Eichel, die Lina je gesehen hatte. Sie leuchtete schwach, als sie sie berührte.
Der Fluch bricht
Als Lina den letzten Cache fand, vereinten sich alle Teile: Rätselstücke, Verse, Schlüssel, Zeichen.
Plötzlich wurde es still. Der Wald hielt den Atem an.
Lina sprach die Worte, die sich über die Caches hinweg gebildet hatten:
„Im Namen von Freundschaft, Mut und Licht,
Erinnert euch – vergesst mich nicht!“
Ein leuchtender Wind strich durch die Bäume. Die Schlangen, die Echsen, der Frosch, die Blume und die Eichel begannen zu zittern – und dann… standen sie dort.
Wieder Menschen.
Verdutzt. Glücklich. Frei.
Das neue Geheimnis
Die sieben Verwunschenen waren Lina ewig dankbar. Doch sie baten sie, das Geheimnis zu bewahren – und die Caches zu lassen, wo sie sind.
Denn vielleicht, eines Tages, wird ein neues reines Herz sie brauchen. Vielleicht wirkt irgendwo noch ein anderer Fluch. Vielleicht ist der Wald noch nicht fertig mit seinen Geschichten.
Wenn du also in Torgelow unterwegs bist und eine blaue Blume siehst, die glitzert…
folge ihr.
Denn vielleicht beginnt gerade deine Geschichte.