321. Das weinende Kind im Stollen zu Magwitz
(mitgeteilt vom Lehrer Lange in Planschwitz)
Der „Stollen“ ist ein Wald bei Magwitz, in welchem früher Schächte, die theilweise noch zu sehen sind, gegraben wurden. - Als vor Jahren die Bewohner Dröda’s noch nach Planschwitz in die Kirche gehen mussten, fuhr man einst im Winter ein Kind zur Taufe. Nach derselben packte man es wohlverwahrt auf den Schlitten und fuhr nach Hause. Im Stollen zu Magwitz angekommen, mußte man einen steilen Berg hinauffahren, daher kam es, daß das Kind aus dem offenen Schlitten hinten herausfiel.
Die Gevattern, welche vorn aufsaßen, merkten den Verlußt nicht eher, als bis sie nach Hause kamen. Schnell kehrten sie zurück, um das Kindlein zu suchen, fanden es aber nicht wieder. Seit jener Zeit hört man an jener Stelle dann und wann ein neugeborenes Kind weinen, und keinem Menschen fällt es ein, an der Thatsache zu zweifeln.
...aus dem Sagenbuch Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere alte Überlieferungen im Voigtlande 1867.