Stein in Bewegung – Verwitterung am Rathaus Stade
Ein EarthCache über Verwitterung, Härtezonen und Porosität im Sandstein der Rathausfassade von Stade.
Listingkoordinaten: N 53° 36.083' E 009° 28.558'

Einführung
Das Portal und Teile der Fassade des Rathauses in der Stader Altstadt bestehen aus einem hellen, feinkörnigen Sandstein. Auf den ersten Blick wirkt der Stein ruhig und gleichmäßig – beim näheren Hinschauen zeigt sich jedoch, dass er in Bewegung ist: Schalen lösen sich ab, Kanten runden sich, einzelne Bereiche stehen deutlich hervor, andere werden schneller abgetragen.
Diese Unterschiede sind das Ergebnis von differenzieller Verwitterung. Je nach Porosität, Bindemittel und Mineralbestand reagiert der Stein unterschiedlich stark auf Wasser, Frost, Salze und Temperaturwechsel. Lokale Eisenanreicherungen können zudem besonders feste Härtezonen bilden, die langsamer verwittern als ihre Umgebung.

Sandstein – mehr als nur „ein Stein“
Sandstein ist ein klastisches Sedimentgestein, das überwiegend aus Quarzkörnern besteht. Zwischen den Körnern befindet sich Bindemittel (z. B. Kalk, Ton oder Eisenoxide) und Porenraum. Diese Eigenschaften bestimmen maßgeblich, wie ein Sandstein verwittert:
- Kornmaterial: Quarz ist sehr hart, feineres Material dazwischen kann deutlich weicher sein.
- Bindemittel: Kalk oder Ton sind anfälliger für chemische Lösung; Eisenoxide können die Festigkeit lokal erhöhen.
- Porosität: Über Poren zirkuliert Wasser, transportiert gelöste Stoffe und ermöglicht Frost- oder Salzsprengung.
Diese Faktoren führen dazu, dass sich dünne Schalen ablösen, Körnchen freigelegt werden oder Kanten „ausfransen“.
Differenzielle Verwitterung & Härtezonen
An der Rathausfassade lässt sich sehr gut erkennen, dass der Stein nicht überall gleich reagiert. Typische Merkmale sind:
- hervortretende Bänder oder Flecken, die härter sind und langsamer abgetragen werden,
- rauere, zurückgesetzte Bereiche, in denen das Bindemittel stärker gelöst wurde,
- Farbunterschiede (gelblich, bräunlich, rötlich) als Hinweis auf unterschiedliche Mineral- oder Bindemittelanteile,
- Schalenverwitterung: dünne Platten lösen sich in parallelen Lagen von der Oberfläche.
Einzelne dunklere, leicht erhabene Partien stehen häufig als Härtezonen über. Sie spiegeln mineralogische oder chemische Unterschiede wider, die bereits bei der Entstehung des Sandsteins angelegt wurden.
Vor Ort – Was du beobachten kannst
Stell dich an die Listingkoordinaten und betrachte die Sandsteine in Augenhöhe und etwas darüber. Auch wenige Schritte nach links oder rechts zeigen Veränderungen von Block zu Block.
Typische Beobachtungen sind:
- glatte, kompaktere Partien mit klaren Kanten,
- rauere, stärker angegriffene Felder mit freigelegten Sandkörnern,
- dünne abblätternde Schalen oder kleine Hohlkehlen,
- Farbunterschiede als Hinweis auf unterschiedliche Materialzusammensetzungen.
Wenn du seitlich über die Oberfläche blickst, erkennst du häufig ein feines Relief aus härteren, hervorstehenden Bereichen und weicheren, tiefer verwitterten Zonen.
Logging-Aufgaben
Bitte beantworte die folgenden Fragen anhand deiner eigenen Beobachtungen vor Ort. Sende mir deine Antworten über das Geocaching-Nachrichtensystem oder per E-Mail, bevor du loggst.
- Oberflächenformen:
Beschreibe eine konkrete Stelle der Fassade (z. B. einen einzelnen Steinblock, eine Säule). Wie wirkt die Oberfläche – eher glatt, rau, schuppig, abgeblättert? Welche Verwitterungsformen erkennst du?
- Härtezonen erkennen:
Finde eine Stelle, an der ein Bereich erhaben steht und angrenzende Zonen stärker abgetragen sind.
Beschreibe:
– Wie sieht dieser härtere Bereich aus?
– Woran erkennst du, dass er widerstandsfähiger ist als seine Umgebung?
- Farbe & Material:
Welche Farbunterschiede fallen dir auf? Welche Rückschlüsse ziehst du daraus hinsichtlich möglicher Unterschiede im Material oder Bindemittel?
- Warum verwittern die Steine nicht gleichmäßig?
Erkläre mit eigenen Worten, warum verschiedene Partien der Fassade unterschiedlich stark verwittern.
Nutze dabei mindestens zwei der folgenden Punkte:
– Porosität / Wasserwegigkeit
– Unterschiede im Bindemittel
– Härtezonen oder lokale Materialwechsel
– Unterschiede in der Lage an der Fassade (Regen, Spritzwasser, Wind)
- Pflichtfoto:
Mache ein Foto von dir oder einem persönlichen Gegenstand (z. B. GPS, TB, Zettel mit Nickname) vor einem gut sichtbaren Ausschnitt der Sandsteinfassade.
Sicherheit & Rücksicht
- Bitte kratze nicht an der Oberfläche und nutze keine Werkzeuge.
- Die Fassade ist denkmalgeschützt – behandle den Stein mit Sorgfalt.
- Achte auf Passanten; blockiere keine Türen oder Wege.
Lernziel
Dieser EarthCache soll dir zeigen, dass eine vermeintlich ruhige Sandsteinfassade ein dynamisches System ist. Unterschiede in Porosität, Bindemittel, Feuchtigkeit und chemischer Zusammensetzung führen zu differenzieller Verwitterung. Manche Bereiche werden schneller abgetragen, andere bleiben als Härtezonen stehen.
Das Rathaus von Stade bietet dafür ein besonders gut zugängliches Beispiel – mitten in der Stadt und doch geologisch hoch interessant.
Viel Spaß beim Erkunden
Andrimas
Quellen:
• LBEG Niedersachsen – Geologische Informationen zu Sandstein und Verwitterungsprozessen.
• DGGV – Grundlagenmaterial zu chemischer und physikalischer Verwitterung.
• Tucker, M. E.: Sedimentary Rocks in the Field.
• Wikipedia – Artikel zu „Verwitterung“, „Sandstein“, „Liesegang-Ringe
• Grafik: erstellt mit KI Unterstützung