Der Hexenturm

Der
im Jahre 1494 nachträglich in die Stadtmauer eingefügte Hexenturm
ist 25 m hoch und diente als Gefängnis und Wachturm. Er hat fünf
übereinander liegende Geschosse und ein etwa 8 m tiefes Verließ.
Der ursprüngliche Eingang liegt 3,50 m hoch und war nur mit einer
Leiter erreichbar. Nachträglich wurde erst im letzten Jahrhundert
ein zweiter Eingang feldseitig eingebrochen. Dieser führt direkt in
das Verließ. Der obere Zinnenkranz ist mit Wappen geschmückt, das
Kegeldach trug einen schmiedeeisernen Adler auf der Spitze. Nach
Aussagen des Chronisten Süring haben in diesem Turm eine ganze
Reihe von Frauen und Mädchen gesessen. So hat die Hexe von Jagow,
nachdem sie die Tortur (Folter) überstanden hatte, nach
dreijährigem Prozess noch hier geschmachtet und ist 1662 auf Urteil
der Universität Frankfurt an der Oder des Landes verwiesen worden.
Andere Frauen gestanden unter den Qualen der Folter und wurden
verbrannt. Die Verbrennungen fanden auf dem Prenzlauer Marktplatz
statt und waren ein stark besuchtes „Schauspiel“. Der Löhnischen
wurde im Haus des Henkers, das auf dem Papendik stand, der Hals mit
Gewalt umgedreht. Aber nicht nur Frauen gehörten zu den
Eingekerkerten und Verfolgten. Auf einem im Hexenturm gefundenen
Klosterformatstein ist die Leidensgeschichte eines Mannes, der der
Hexerei angeklagt wurde, eingeritzt. Der Text lautet sinngemäß:
„Anno 1624 hat Christoph Primikendorf wegen seiner leichtfertigen
Landhure, die ihr Lebtag keinen rechten Mann gehabt hat und 18
Jahre gehurt. Hat müssen auf seines Weibes Anklage etliche Wochen
in dem Gehorsam (Gefängnis) liegen. Ist das nicht x (Christi)
Erbarmen? Hätte sie mir können das Haupt abringen, sie hätte darum
getanzt wie Herodes Tochter um Johannes Haupt.“ Der Stein liegt
heute im Prenzlauer Museum. Hexenprozesse fanden noch bis zum Jahre
1728 statt .
