Nördlich von Burgdorf, auf dem Weg nach Celle, liegt der Ortsteil
Otze. Archäologen gehen davon aus, dass die Gegend des heutigen
Ortes Otze schon 2000 v. Chr. besiedelt war, was durch Funde auch
belegt ist. Somit ist Otze sicherlich der älteste der neun
Burgdorfer Ortsteile.
„Nach vorsichtigen Schätzungen kann man davon ausgehen, dass der
heutige Ortskern bereits um 1000 n. Chr. an seiner jetzigen Stelle
gestanden hat“, schreibt der Otzer Chronist Herbert Kopmann.
Urkundlich erwähnt wird Otze erstmalig 1321 in einem
Güterverzeichnis des St. Michaelisklosters in Hildesheim. Es ist
nicht sicher, ob Otze von „Odin“ oder von „Otto“ abgeleitet ist. Im
30-jährigen Krieg blieb Otze zwar von direkten Kampfhandlungen
verschont, dennoch verarmten die Höfe und Todesfälle häuften sich.
Aus dieser Zeit sind viele Veränderungen der Familiennamen auf den
Höfen überliefert.
Otze gehörte im Mittelalter zu den neun Freibauerndörfern der
„Grafschaft über dem Moore“ um Burgwedel, denen unter dem Schutz
und der Aufsicht des Landesherrn eine Sondergerichtsbarkeit, das
Freiengericht, zugestanden worden war. Verhandelt bzw. gerichtet
wurden ausschließlich kleinere Delikte wie Körperverletzungen,
Diebstähle, Weidevergehen u.ä.. Das Freiengericht tagte in der
Regel zweimal im Jahr reihum in den einzelnen Dörfern, in Otze
letztmalig am 10. September 1661. Die freien Männer der beteiligten
Dörfer waren verpflichtet, zum Gerichtstag zu erscheinen. In Otze
zählten zu den Freien 20 Halbhöfner, wie der Otzer Chronist Kopmann
berichtet. Bauern, die ihren Hof ganz oder zum Teil von ihrem
Grundherrn als Lehen bewirtschafteten, durften nicht teilnehmen.
Die Gerichtsstätte befand sich in Otze auf dem Lindenbrink. Die
mächtige Linde, die den Platz beherrschte, wurde im Laufe der Zeit
durch drei Eichen ersetzt. Der Löwe als Zeichen des Freiengerichts
sowie die in der Otzer Kapelle gemalten Apostel- und Weihenkreuze
wurden 1957 Teil des Otzer Wappens.
Die Kapelle wurde um 1350 erbaut und gilt in Fachkreisen als
bemerkenswertes Kunstdenkmal. Der ältere östliche Teil des
Backsteingebäudes (Altarraum) ist im gotischen Stil errichtet. Aus
der Beschriftung der eigens für Otze im Jahre 1461 gegossenen
Glocke geht hervor, dass die Kirche um diese Zeit vergrößert wurde
und auch einen hölzernen Glockenturm bekam. Die bauliche
Erweiterung ist deutlich in dem unterschiedlichen Bauwerk zu
erkennen. Die jüngeren Steine sind brüchiger und die Fenster haben
einen flachen Bogen. An der Nordseite befindet sich eine schwere
alte Eichentür.
Im Inneren der Kapelle sind eine mit Malereien und Schnitzwerken
reich verzierte Holzdecke, ein geschnitzter spätgotischer
Flügelaltar und gemalte Apostel- bzw. Weihenkreuze an den Wänden zu
bewundern. Im mittleren Raumabschnitt sind an den Enden der
Deckenbretter Köpfe von Menschen und Tieren sowie Zeichen als
Sinnbilder dargestellt. Drei alte Gedenktafeln mit Totenkrone für
verstorbene Kinder sind gegenwärtig noch an der Westseite zu sehen,
die anderen wurden dem Bormann-Museum in Celle
übergeben.