Auf Geocaching-Weltreise

Jens Freyler, einer der Autoren des offiziellen Geocaching-Guide, ist seit drei Monaten mit seiner Frau Claudia auf Geocaching-Weltreise. In 12 Monaten reist er von Europa über Nordamerika, Südamerika und Australien nach Asien, um Dosen zu finden und andere Cacher zu treffen. In seinem ersten Beitrag berichtet er über das Geocachen in Kanada, den USA und Mexiko.

Geocaching in Kanada

Natürlich habe ich gleich am ersten Tag in Montreal mit einigen Tradis den Länderpunkt für Kanada gesichert, auch wenn uns noch einige Wochen Zeit in diesem Land blieben – und damit auch gleichzeitig das Souvenir für die Provinz Quebec ausgelöst, denn in Kanada und in den USA werden wie in Deutschland auch die “Bundesländer” mit Souvenirs belohnt. Aber dass wir in jeder durchreisten Provinz cachen würden, war ohnehin klar.

Als ich von der Hauptstadt Ottawa aus unsere Weiterreise nach North Bay, Ontario plane und mich nach Caches auf der Route umschaue, werde ich plötzlich auf etwas aufmerksam. Südlich von North Bay gibt es eine Region, die sich selbst die Geocaching-Hauptstadt Kanadas nennt. Und tatsächlich gibt es hier mit GT5D eine GeoTour mit 150 Caches.

Sogar das Straßenschild verkündet es! (GT5D)

So viel Zeit werden wir uns dafür nicht lassen können, und doch steht die weitere Route damit fest. Das Orte wie Cardiff, Harcourt und Wilberforce wohl kaum jemandem etwas sagen, ist Teil des Geheimnisses der Region, die mit muggelfreiem Cachen wirbt. Und tatsächlich – vor Ort stoßen wir auf schöne, liebevoll gestaltete Dosen, die wir ungestört entdecken können.

Die GeoTour fordert sogar unsere musikalischen Fähigkeiten heraus (GC5NMYT)

Fast ungestört. Ausgerechnet bei der Dose, die abseits der Straße in einem Graben verborgen liegt, werde ich erwartet, als ich keuchend wieder oben ankomme. Ein Polizeiauto. Das Beifahrerfenster ist heruntergelassen, eine Polizistin beugt sich von der Fahrerseite rüber. Sie fragt, ob alles in Ordnung sei. „Ja ja, alles in Ordnung” versichere ich ihr, wir seien nur mal eben rechts rangefahren. Mit einem wissenden Lächeln lässt sie den Wagen wieder anrollen. Die nächste Bekanntschaft machen wir in einem kleinen Laden in Wilberforce, der Lebensmittel, Souvenirs und Geocaching-Sachen anbietet. Hier kann man sich auch den Pass für die GeoTour und die “Rewards” (unterschiedliche Belohnungen abhängig von der Anzahl der Caches, die man findet) abholen – und mit der Initiatorin und Ownerin der Caches ins Gespräch kommen. Tatsächlich zählten Cardiff, Wilberforce & Co zu den aussterbenden Gemeinden Kanadas. Bis sie auf die Idee mit der GeoTour kamen, erst 100 Dosen legten, zum 150-jährigen Jubiläum Kanadas nochmal 50 aufsattelten und es so zur Geocaching-Hauptstadt Kanadas brachten – und damit inzwischen sogar zu landesweiter TV-Berühmtheit!

Vorm Columbia Icefield (GC9B2B und GC4KXWY)

Überhaupt ist Geocaching in Kanada bei weitem kein “Geheimhobby”, wie dies in Deutschland manchmal gerne ausgelobt wird. Geocaching scheint hier allgegenwärtig. Touristische Metropolen stellen es in ihren Broschüren als eine von vielen Entdeckungsmöglichkeiten vor, kleinere Kommunen am Straßenrand preisen es in ihrer Tourist Info an und laden Gästen ein, Orte und Sehenswürdigkeiten zu erkunden, die ohne einen Tradi neben den Rockies, Banff und Jasper häufig unbeachtet blieben. Und selbst in den Nationalparks – in Deutschland eher ein dosenfreier heiliger Gral – findet man in Kanada Geocaches, unterstützt von und in Abstimmung mit dem Nationalpark Service, der in den verschiedenen Infocentern sogar Broschüren verteilt über die Geocaches im Park oder über besonders für Familien/Kinder gestaltete Geocaches.

Das größte Paddel der Welt (GC5XN0T) mit Claudia zum Größenvergleich

Insgesamt führt dies dazu, dass in Kanada tatsächlich jeder Geocaching kennt. Kommt man darüber ins Gespräch, so scheint wirklich jedermann es schon mal gemacht zu haben. Man war mit Freunden hier oder dort unterwegs und weiß es als eine tolle Art und Weise, eine Stadt zu erkunden oder ein Ausflugswochenende zu gestalten zu schätzen. Und so wirkt auch die Geocaching-Community “erwachsener” auf mich in Kanada. Bei einem Event in Regina, Saskatchewan bin ich zwar der Cacher mit der weitesten Anreise, aber sicher nicht der mit den meisten Funden. Hohe Fundzahlen und auch ein hohes Alter der Cacher ist hier keine Seltenheit. Ich komme mit Harleymama06 ins Gespräch. Sie cacht seit 6 Jahren und hat es auf über 5.000 Dosen geschafft, vornehmlich in Kanada aber auch den USA und auf einigen Karibikinseln. Von unserer Reise ist sie begeistert und stellt mich auf dem Event gleich halb Kanada vor.

Geocaching in den USA

Kommt man in die USA, so geht die Liebe der Nationalparkverwaltung zum Geocachen hier nicht ganz so weit. Und doch findet man in jedem Nationalpark zahlreiche EarthCaches und Virtuals. Allein im Yellowstone Nationalpark kommen so über 50 Geocaches zusammen, manche leicht zu lösen, manche intensive Wanderungen fordernd. Andere Nationalparks stehen diesem “Cacheangebot” kaum nach.

Genau am richtigen Moment am Castle Geysir/Yellowstone Nationalpark

Überhaupt redet man beim Geocachen in den USA natürlich zwangsläufig über das Geocaching HQ und über “alte” Dosen. Da Geocachen quasi in Oregon erfunden wurde und in Seattle, Washington seine Heimat gefunden hat, liegt das “Mekka” des Geocaching natürlich an der Westküste. Von Kalifornien aus machen wir uns auf den Weg nach Norden und werden schon im offiziellen Oregon Welcome Center überrascht. Mehrere Displays erläutern hier Geocaching, zeigen Dosen, Coins, GPS-Geräte und Logbücher. Das Ganze bewacht von einem Stofftier-Signal.

Die Lackeys sind die Lösung! (GC4E7B0)

Über den Crater Lake Nationalpark führt unser Weg unweigerlich in die Nähe von Portland, wo die Original Stash Tribute Plaque (GCGV0P) an den Ort erinnert, an dem der erste “Stash” platziert wurde. Natürlich ist auch heute wieder ein Cache hier – wenn auch nicht die Originaldose. Doch einige alte, für die Jasmer Challenge “wertvolle” Caches befinden sich in unmittelbarer Nähe (GC12, GC17).

Praktisch, am GC4KW0X sind die anderen Highlights der Gegend gleich ausgezeichnet

Überhaupt sind im Umfeld des Original Stash einige technisch spannend gestaltete Caches zu finden. Bei GC12 stoßen wir auch erstmals auf mehrere andere Cachergruppen. Sie alle sind wie wir auf dem Weg nach Seattle, genauer gesagt zum Snoqualmie Pass ca. 1 Stunde östlich der Hauptstadt Washingtons, wo Mitte August der Ape Cache “Mission 9: Tunnel of Light” (GC1169) im Rahmen des Going Ape-Mega Event wieder reaktiviert wurde. Den Weg dorthin zu finden, fällt uns denkbar leicht, denn wir sind von Seattle aus mit einem Team aus Lackeys unterwegs, verkürzen die Fahrzeit mit dem Sammeln anderer Dosen und dem Lösen von Mysteries und EarthCaches und stoßen am Ziel auf Hunderte von Cachern aus aller Welt, auf den Tunnel des Iron Horse (wo auch GC79 sich verbirgt, ein von den Gründern von Groundspeak selbst im Oktober 2000 versteckter Cache) und natürlich auf den Ape-Cache, einen von nur zwei weltweit noch aktiven Dosen aus dem Project APE.

Der offizielle Geocaching-Guide am Ape-Cache (GC1169) – da mussten wir unweigerlich hin!

Neben vielen weiteren Highlights, die die USA zu bieten hat, ist geocachingtechnisch natürlich „Mingo” nicht zu übersehen. GC30 ist der älteste weltweit noch aktive Cache. Und auch hier zeigt sich das Phänomen, das ein begehrter Cache andere lohnenswerte Caches anzieht. Zwar nicht so alt, aber besonders liebevoll gestaltet sammeln rund um GC30 einige Dosen verdienterweise üppig Favoritenpunkte…

Geocaching in Mexiko

Der US-Teil unserer Reise führt uns insgesamt durch 17 Bundesstaaten und dabei auch sehr nah an die mexikanische Grenze. Doch wer über die Grenze blickt, mag eine Überraschung erleben. Verwöhnt von der Anzahl der Dosen in Deutschland, Kanada und den USA, wirken die Optionen auf der anderen Seite der Grenze beschränkt. Die ursprüngliche Idee, von Tucson oder Tombstone in Arizona den Katzensprung nach Nogales zu machen, verwerfen wir. In der mexikanischen Stadt mit mehr als 200.000 Einwohnern gibt es keinen einzigen Geocache! Tijuana (von San Diego, Kalifornien zu erreichen) oder Ciudad Juarez (von El Paso, Texas aus) bieten allerdings die Möglichkeit eines „einfachen” Länderpunktes.

Für uns ungewohnt, in Mexiko ein typischer Umgang mit dem Thema „Tod“

Mit einem ESTA-Visum ist der Grenzübertritt kein Problem (Stand September 2017!), wobei man den Mietwagen besser in den USA lassen (wegen der Mietbedingungen und der ohne Fahrzeug schlankeren Kontrollen) und die Grenze zu Fuß oder in Tijuana ggf. auch mit dem Bus überqueren sollte. So konnten auch wir in Ciudad Juarez den Länderpunkt für Mexiko einheimsen und gleich noch für 3 Dollar einen günstigen Haarschnitt mitnehmen. Nach 3 Monaten Reise war das auch mal nötig 😉

Auf uns wartet nun Südamerika! Ich bin sicher, auch da gibt es Geocaches, die es zu bergen lohnt und ich hoffe, auch Ihr seid wieder mit dabei, wenn wir davon berichten …

“Der offizielle Geocaching-Guide” ist als Taschenbuch und Premium-Ausgabe inkl. Geocoin erhältlich. Hier findet Ihr das Buch.

Guest Writer
Guest writer for Geocaching.com's blog