Interview mit den deutschen GIFF-Finalisten

Mit 106 deutschen GIFF-Events und sogar einem Mega-Event steht fest: die deutsche Community liebt die lustigen Filmchen, die seit 2013 jedes Jahr von Geocachern für Geocacher gedreht werden. Drei der 16 Finalisten des diesjährigen GIFF kamen dabei aus Deutschland. Wir wollten wissen, wer hinter diesen Filmen steckt, hören wie sie ihre Kreativität angekurbelt haben und was für Tipps sie wohl für andere Geocaching-Filmemacher haben.

Hier ist das Interview mit den Filmemachern von TFTC (Team TFTC)*, Little Helpers From Outer Space (Team Cassiopeia) und Geocaching in the Change of Time (GC-Therapiegruppe).

Geocaching HQ: Wer war alles an eurem Film beteiligt? Wollt ihr euch kurz mal vorstellen?

Team TFTC: Unsere Filmcrew bestand aus acht befreundeten Cachern, die alle aus Cottbus und Umgebung kommen. Wir haben uns übers Geocaching kennen gelernt, haben aber alle auf unterschiedlichste Weise ins Spiel gefunden. Sei es durch Familienmitglieder, Nachbarn oder auch bloßen Zufall, wir sind alle mit Spaß am Dosen suchen.

Teamfoto der TFTC-Crew

palk: Hauptdarsteller und Organisator,
MogelSFL: Pilot der Kameradrohne,
phantom.288: Bastelt den Cache der von der Schlange bewacht wird,
Urbivan: Besorgt das Nummernschild mit dem TB-Code
tomdiver-CB: Organisiert diverse Gipsverbände
CachingFuxCb: “Mädchen” für alles
asp_fan_cb: Kletter-Max
treasurehuntergd: Sie: Kamera-Assistent; Er: Drehbuch, Kamera, Musik, Produktion

Team Cassiopeia: An „Little Helpers From Outer Space“ waren Bernhard (Dracou), Tobi (Navi-Sol), Renate (MacPivi) und Benny (MudMen_GER) beteiligt.

Team Cassiopeia erlaubt uns einen Blick hinter die Kulissen-Kissen.

Da wir auf unterschiedlichen Wegen ins Spiel gefunden haben, würden die Details dazu sicherlich euren Blog-Server in Seattle in die nichtvorhandenen Knie zwingen. Besonders dann, wenn Bernhard und Tobi im erzählerischen Eifer die 2 Petabyte große Sammlung an Videoschnipseln, die ihre ersten Geocaching-Gehversuche zeigen, versuchen zu euch hochzuladen.

Ob Lost Place, Nachtcache oder das Döschen an der Leitplanke – nach all den Jahren sind wir Vier nach wie vor begeisterte Geocacher und nehmen jede abenteuerliche Herausforderung an. Gerade Länderpunkte haben es uns angetan, denn dies ist für uns die einzig wahre Messlatte in der Statistik. MacPivi ist in unserer kleinen Gruppe mit aktuell 58 besuchten Ländern, die unangefochtene „Queen of Länderpunkte“. Damit es für uns Jungs jetzt nicht so peinlich wird, liebes Geocaching HQ, könntet ihr den letzten Satz bitte nur in der Schriftgröße 1 veröffentlichen? Danke!**

**Leider konnten wir dem Wunsch der Filmemacher nicht nachkommen. Dass die Newsletter-Redaktion aus Frauen besteht, ist davon aber natürlich unabhängig.

GC-Therapiegruppe: Wir sind eine Gruppe von acht Leuten aus Ostwestfalen-Lippe und Baden-Württemberg. Wir haben uns alle beim Cachen kennengelernt und gemerkt, dass wir uns gut verstehen und oft gemeinsam verrückte Sachen machen. Auch die Herausforderung mit speziellem Equipment umzugehen, sei es Wathose, Leiter, Seil oder Gummiboot, reizt uns besonders. Dabei ist auch der Name “GC-Therapiegruppe” entstanden. Dazu gehören das Baluteam, Freilandjäger, matzoo70, McMuts, Mönchen811, Sternschnuppe31 und Frau Schmidt.

GC-Therapiegruppe beim Dreh

Geocaching HQ: Wie seid ihr auf die Idee für euren Film gekommen?

Team TFTC: Palk hatte die Idee und er hat es so beschrieben: “Unter der Dusche, ich bin ausgerutscht, konnte mich aber noch fangen. Musste dann an Staplerfahrer Klaus denken, einen satirisch übertriebenen Arbeitssicherheitsfilm im Stile der 70er mit viel Kunstblut und übertriebenen Verletzungen. Das für Geocaching wäre doch ein schöner Gegenpol zu den “heile Welt-positiv image” – Filmen der bisherigen GIFFs, dachte ich. Fertig war die Idee.”

Team Cassiopeia: Zunächst musste zusammengetragen werden, was so in unseren Köpfen für Ideen schlummerten. Dank Skype konnten wir den vollen Terminkalender des ein oder anderen Wir-Machen-Einen-GIFF-Film-Teammitglieds umgehen und unsere Ideen virtuell in den Topf werfen. Hierbei war sogar ein bis dato unerwähntes Teammitglied aus Peru dazu geschaltet – der tdcacher. Gut. Offiziell musste dieses Teammitglied aufgrund einer Weltreise und dem damit verbundenen Zeitmangel das Projekt verlassen. Inoffiziell aus Optikgründen. Als wir all unsere Ideen übereinander legten, kristallisierte sich so langsam eine umsetzbare Geschichte heraus. Welche aber kurz vor und während der Dreharbeiten verworfen wurde. Ja, so ein Filmdreh ist eine Symbiose aus „Das machen wir so“ und „Ne. Das machen wir doch lieber anders“. Am Ende wich der Mann in kurzer Hose und Tropenhelm ein paar ganz fiesen Aliens aus. Jeder gute Film muss halt auch ein paar Bösewichte haben.

Für Kameramann Bernhard ist es eine Frage der Perspektive.

GC-Therapiegruppe: Wir fanden manche Filme in den Vorjahren etwas langatmig und das Thema wiederholte sich immer wieder. Unsere Frau Schmidt ist der kreative Kopf hinter dieser Idee und hatte nach kurzer Zeit das Grundgerüst eines Drehbuchs fertig, welches einfach mal ganz anders sein sollte. Durch den Hang bei diversen Events auch mal verkleidet aufzutreten und Improvisation bei den Dreharbeiten konnten wir die Szenen passend ausschmücken.

Geocaching HQ: Was braucht man alles, um so einen Film zu drehen? Kameras, sonstige Geräte? Expertise?

Team TFTC: Eigentlich reicht für einen solchen Film auch eine gewöhnliche Handycam. Entscheidend ist doch was man damit macht. Verwackelte Bilder sieht niemand gern. An der richtigen Stelle ein Stativ eingesetzt, sorgt für ruhige Bilder. Wenn man Dialoge hat, braucht man natürlich auch entsprechende Mikrofone. Ich habe 21 Jahre (1995-2016) in einem kleinen regionalen Fernsehsender in Cottbus gearbeitet und hatte so die Gelegenheit mir auch nach meiner Pensionierung die entsprechende Technik auszuleihen. Hinzu kommen 48 Jahre Erfahrung mit einer Kamera, 1970 habe ich mir von meinem ersten Lehrlingsgeld eine Super-8-Kamera gekauft. Hauptsächlich aber Familen- und Urlaubsfilme gemacht.

“Hintern” den Kulissen bei Team TFTC

Team Cassiopeia: Für einen Film ist der Besitz einer Videokamera schon von Vorteil. Andernfalls würde aus dem „Geocaching International Film Festival“ schnell das „Geocaching International Diaabend Festival“ werden. Nein. Im Ernst. Im Grunde kann jeder der ein Smartphone mit Videofunktion besitzt einen Beitrag für die GIFF erschaffen. Da Bernhard und Tobi ein paar „kleinere“ Berührungspunkte zum Bereich der Medien haben, waren wir in der komfortablen Lage auf ein paar technische Spielereien zurückzugreifen. Aber viel wichtiger als eine professionelle Kameraausrüstung ist eine interessante Story.

GC-Therapiegruppe: Da wir einfach mal unbefangen gestartet sind, hatten wir nur eine normale Fotokamera mit Filmfunktion und unsere iPhones. Natürlich klappte das Vorhaben nicht ohne jede Menge Requisiten und Kostüme. So ist der Keller von Frau Schmidt mittlerweile berüchtigt bei uns in der Gruppe – ohne dass jemals einer einen Blick hineinwerfen durfte, zaubert sie immer wieder neue Kostüme daraus hervor. Drehorte in der Region zu finden war recht problemlos, hier haben wir genügend zur Story passende Lokationen. Als alles im Kasten war konnte McMuts den Schnitt abliefern und mit freier Musik aus dem Netz unterlegen. Ein paar digitale Nacharbeiten wie beispielsweise das Entfernen von Werbung und Autos im 18. Jahrhundert waren auch noch nötig.

Geocaching HQ: Wenn sich andere Geocacher durch euren Film inspiriert fühlen im nächsten Jahr beim GIFF mitzumachen, was würdet ihr ihnen raten?

Team TFTC: Schaut euch um, wenn ihr geocachen geht. Die Themen liegen direkt auf dem Weg. Muggle, FTF-Jäger, Unfälle oder geplünderte Geocaches. Stellt euch die Frage: Was ärgert mich wenn ich Cachen gehe und was finde ich gut. Ein Thema zu finden ist nicht einfach, weil vieles schon zu sehen war. Die richtige Vorbereitung ist ebenso wichtig, vom Drehbuch über die Aufgabenverteilung bei der Vorbereitung bis hin zu den benötigten Requisiten und der Technik. Letztendlich müssen alle im Team mitziehen, damit das Ergebnis stimmt. Und am Ende darf man Geräusche und Musik nicht vergessen. Film ist nicht nur für das Auge bestimmt, sondern auch für das Ohr. Nicht umsonst haben in den 20er Jahren Klavierspieler die Stummfilme mit der passenden Musik untermalt.

Team Cassiopeia: Stellt euch ein gutes Team zusammen, welches genauso viel Spaß daran hat einen Film von Geocachern für Geocachern zu machen wie ihr selbst. Ihr werdet total viel Spaß haben und sollte es mit dem Einzug ins GIFF-Finale klappen, so werdet ihr viele Cacher aus aller Herren Ländern der Welt kennenlernen. Besonders dann, wenn ihr in eurem Film gut sichtbar einen Trackingcode versteckt. Auf unseren „Mini-Reisekäfer“ haben wir bislang über 2.700 sehr nette Logs erhalten.

GC-Therapiegruppe: Greift ein neues Thema auf und versucht es humorvoll in Szene zu setzen, ein paar Lacher und kreative Bilder kommen immer gut an. Wenn man erst mal eine Storyline hat, kommt der Rest von alleine.

Cleopatra im H-Milch-Bad.

Geocaching HQ: Können wir uns auch im nächsten Jahr wieder auf einen GIFF Film von euch freuen?

Team TFTC: Ich bin mir nicht sicher, aber es könnte sein. 😉

Team Cassiopeia: Könnten wir so ein Einladung ablehnen?

GC-Therapiegruppe: Ideen sind schon da, aber in diesem Jahr waren mega-gute Filme dabei, das ist schwer zu toppen. Und ins Finale zu kommen war ein toller Erfolg. Jedoch möchten wir uns zeitlich nicht selbst unter Druck setzen, denn der Spaß beim Drehen steht immer im Vordergrund.

Geocaching HQ: Wir bedanken uns recht herzlich bei euch allen für das interessante Gespräch. Hoffentlich sieht man euch auch im nächsten Jahr auf der großen Leinwand!

*Das Team TFTC  hat sich dieses Jahr den Signal Award geholt. Herzlichen Glückwunsch! Hier könnt ihr einen Blick hinter die Kulissen des Films werfen:

 

Annika
When I'm outside I'm happy. Besides geocaching I love gardening, hiking, cooking and spending time with my wonderful two and four legged friends. Got eight legs? Sorry, but please stay far away from me!